Revolte in der Elfenbeinküste Meuterer lassen Verteidigungsminister abziehen

Trotz einer angekündigten Einigung im Streit um Solde schossen Meuterer auf ein Gebäude, in dem sich hochrangige Beamte befanden. Die Aufständischen haben den Verteidigungsminister und seine Delegation nun wieder freigelassen.

Kontrollpunkt in Bouaké
AFP

Kontrollpunkt in Bouaké


Die Beamten, die von Soldaten in einem Haus in Bouaké festgesetzt wurden, sind wieder frei. Meuterer hatten das Feuer gegen das Gebäude eröffnet, in dem sich der Verteidigungsminister Alain Richard Donwahi, dessen Delegation, Journalisten sowie Vertreter der aufständischen Soldaten aufhielten. Das berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung eines Augenzeugen.

Einer der meuternden Soldaten, die mit Maschinengewehren in die Luft schossen und den Verteidigungsminister und dessen Delegation festhielten, sagte: "Der Präsident muss uns sagen, wann wir bezahlt werden und wie viel wir kriegen."

Kurz zuvor hatte der ivorische Präsident Alassane Ouattara in einer Fernsehansprache ein Abkommen bekräftigt, das die zweitägige Meuterei beenden soll. Im Gespräch mit seinen Ministern und Reportern sagte Ouattara, die Regierung habe sich bereit erklärt, die Forderungen der Soldaten nach Bonuszahlungen und Lebens- und Arbeitsbedingungen zu berücksichtigen. Ouattara forderte alle Soldaten auf, in ihre Kasernen zurückzukehren, damit seine Entscheidungen "in Ruhe umgesetzt werden können".

"Es ist vorbei", sagte Unteroffizier Mamadou Kone der Nachrichtenagentur Reuters. Einige der Soldaten würden noch verbleiben, um die Sicherheit von Geschäften und Banken zu gewährleisten. Die Mehrheit werde aber ab Samstagabend in die Kasernen zurückkehren.

Meuternde Soldaten hatten in den vergangen Tagen mehrere Waffenlager geplündert und Straßen besetzt.

Die Militärrevolte erreichte ihren Höhepunkt mit mehreren Schusswechseln in verschiedenen Städten. So berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Augenzeugen von Schüssen am Samstag in einem Armeestützpunkt in Abidjan, der größten Stadt des westafrikanischen Landes. Im Westen gelegenen Man berichteten Einwohner ebenfalls von Schüssen. Am Freitag hatten meuternde Soldaten die Kontrolle über Boaké übernommen, die zweitgrößte Stadt der Elfenbeinküste.

Ursache für den Aufstand der Soldaten sollen zu geringe Löhne sein. Wie "Le Monde" unter Berufung auf Zeugen in der Stadt berichtet, setzen sich die bewaffneten Gruppen aus aktiven und ehemaligen Soldaten zusammen. Sie beschwerten sich über "ausstehende Bonuszahlungen" und "nicht eingelöste Gehaltsversprechen".

Bouaké war bereits im Jahr 2002 das Zentrum einer Rebellion. Damals übernahmen die Aufständischen die Kontrolle über den Nordteil des westafrikanischen Staates.

Nach Ende des Bürgerkriegs wurde die Elfenbeinküste 2011 wiedervereinigt. Die Armee setzt sich seitdem aus den früheren Regierungstruppen und ehemaligen Rebellenkämpfern zusammen und ist in sich zerstritten.

pem/Reuters/AFP/AP



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