Elfenbeinküste Präsident muss in Stichwahl um sein Amt kämpfen

Die absolute Mehrheit hat er verfehlt, nun muss Laurent Gbagbo, Präsident der Elfenbeinküste, in einer Stichwahl gegen seinen größten Herausforderer antreten. Wegen drohender Unruhen war die Wahl seit fünf Jahren immer wieder aufgeschoben worden.

Der Präsident der Elfenbeinküste, Laurent Gbagbo (Archiv): Absolute Mehrheit verfehlt
dpa

Der Präsident der Elfenbeinküste, Laurent Gbagbo (Archiv): Absolute Mehrheit verfehlt


Abidjan - Die historische Präsidentschaftswahl in Elfenbeinküste geht in eine zweite Runde: Wie die Wahlkommission in der Nacht zum Donnerstag mitteilte, muss der seit zehn Jahren amtierende Präsident Laurent Gbagbo in einer Stichwahl gegen den früheren Premierminister Alassane Ouattara antreten.

Laut Wahlkommission erhielt Gbagbo rund 38 Prozent der Stimmen, Ouattara kam auf 32 Prozent. Der frühere Präsident Henri Konan Bédié erhielt 25 Prozent der Stimmen. Für einen Wahlsieg in der ersten Runde hätte ein Kandidat die absolute Mehrheit benötigt. Die Stichwahl soll voraussichtlich am 28. November stattfinden.

Bédiés Demokratische Partei der Elfenbeinküste (PDCI) sprach kurz vor der Bekanntgabe des offiziellen Ergebnisses von Manipulationen und forderte eine Neuauszählung der Stimmzettel. Die Wahl gilt als historisch, weil in dem westafrikanischen Land seit dem Jahr 2000 keine Präsidentschaftswahl mehr stattgefunden hatte. Nach einem Putschversuch im September 2002 war ein Bürgerkrieg ausgebrochen. Gbagbos Mandat war eigentlich schon 2005 ausgelaufen - doch wegen drohender Unruhen wurde die Wahl mehrmals verschoben.

Ouattara hatte sich bereits im Jahr 2000 für die Präsidentschaftswahl bewerben wollen, war aber aufgrund angeblicher Zweifel an seiner ivorischen Herkunft nicht als Kandidat zugelassen worden. Die Frage der Staatsangehörigkeit ist der zentrale Punkt im Konflikt in Côte d'Ivoire, wie Elfenbeinküste im offiziellen Sprachgebrauch heißt. Bis heute steht Gbagbos Lager dem Kontrahenten Ouattara feindlich gegenüber.

Offenbar aus Angst vor Gewalt zwischen den unterschiedlichen Lagern herrschte in den Tagen nach der Wahl in Abidjan gespannte Ruhe, viele Menschen blieben in ihren Häusern. Doch nach der Verkündung des Ergebnisses blieb es ruhig in der Wirtschaftsmetropole im Süden des Landes. Es gab nicht einmal Freudenfeiern für die Kandidaten, die es in die Stichwahl geschafft haben.

hut/AFP



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