Elfenbeinküste Sechs Tote und Tausende Erkrankte durch Giftmüll

Es ist der bislang größte bekannt gewordene Giftmüllskandal in Afrika: Sechs Menschen sind durch in der Elfenbeinküste abgeladenen Giftmüll ums Leben gekommen, nach Angaben des Gesundheitsministeriums leiden rund 9000 Menschen an Vergiftungserscheinungen.


Abidjan - "Wir haben bisher 8887 Menschen gezählt, die unsere Gesundheitszentren aufgesucht haben", sagte der Generaldirektor für Gesundheit, Jean Denoman, im Fernsehen. "Diese Zahlen werden noch steigen, denn jeden Tag kommen 1000 bis 1500 Menschen in unsere Gesundheitszentren." Die Erkrankten leiden demnach an Erbrechen, Durchfall, Unwohlsein, Hautausschlägen und Kopfschmerzen.

Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums sagte, in Verbindung mit der Umweltverschmutzung sei am Montag der sechste Tote gemeldet worden. Drei leitende Angestellte von Firmen, die mit den Giftmülllieferungen in Zusammenhang stehen sollen, seien festgenommen worden, erklärte Staatsanwalt Raymond Tchimou. Daneben seien noch vier weitere Menschen in Haft genommen worden. Dem Staatsanwalt zufolge wurde der Giftmüll "an anderen Orten als ursprünglich vorgesehen" abgeladen.

Der Giftmüll aus dem Ausland war in der Nacht vom 19. auf den 20. August auf mindestens neun Deponien um die Hauptstadt Abidjan abgeladen worden. Nach Angaben der Umweltschutzorganisation Greenpeace handelt es sich um 400 Tonnen hochgiftigen Raffineriemüll. Verantwortlich dafür war eine nationale Firma. Der Giftmüll war jedoch an Bord eines zu einer griechischen Firma gehörenden Schiffes ins Land gekommen. Wegen des Skandals war die Regierung zurückgetreten.

Unterdessen wurden mehrere Dutzend Insassen eines Gefängnisses in Sicherheit gebracht. Sie sollten vor den Ausdünstungen des in der Nähe abgeladenen Giftmülls geschützt werden, hieß aus es übereinstimmenden Quellen. "Wir haben Gefangene weggebracht, ich kann allerdings nicht sagen, wie viele", sagte ein Verwaltungsbeamter des Gefängnisses der Nachrichtenagentur AFP. Örtliche Zeitungen schätzten die Zahl auf mindestens 120. Insgesamt sollen in dem Gefängnis Ende 2004 rund 5500 Gefangene gesessen haben. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums von Sonntag war eine Gefangene durch die giftigen Ausdünstungen gestorben.

Die Vereinten Nationen und die Schweiz schickten vier Giftmüll-Experten in die Elfenbeinküste. Sie sollen bei der Beseitigung der Umweltschäden helfen, teilte die Uno in Genf mit. Ein Uno-Experte war bereits am Sonntag in Abidjan eingetroffen, sechs französische Helfer sind seit Freitag vor Ort. Das Präsidentenamt der Elfenbeinküste hat unterdessen angekündigt, einen Bunker bauen zu wollen, in dem der Giftmüll gelagert und isoliert werden solle.

Oppositionelle Medien in der Elfenbeinküste werfen der Regierung Mitverantwortung für die illegale Lagerung der giftigen Abfälle vor. "Auch Präsident Laurent Gbagbo wusste Bescheid, aber er hat bewusst weggesehen", hieß es in der Zeitung "Le Jour Indépendant".

hen/AFP/dpa



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