Elfenbeinküste Uno-Botschafter warnt vor Völkermord

Der neue Uno-Botschafter der Elfenbeinküste hat einen dramatischen Appell an die internationale Staatengemeinschaft gerichtet: "Wir stehen am Rande eines Völkermordes", warnte der Diplomat angesichts des blutigen Machtkampfs. Die Welt müsse dies verhindern.

Uno-Patrouille in Abidjan: Angst vor einem Bürgerkrieg an der Elfenbeinküste
AFP

Uno-Patrouille in Abidjan: Angst vor einem Bürgerkrieg an der Elfenbeinküste


Abidjan - Im Machtkampf an der Elfenbeinküste deutet nichts auf ein Einlenken des abgewählten Präsidenten Laurent Gbagbo hin, der im Amt bleiben will. Seine Anhänger drohten mit dem Sturm auf das Hauptquartier des international anerkannten Wahlsiegers Alassane Ouattara. Zu Neujahr am Samstag werde die "Jugend der Elfenbeinküste" das Hotel, in dem sich Ouattara und sein Kabinett aufhalten, "mit bloßen Händen befreien", kündigte Jugendminister Charles Blé Goudé vor einer jubelnden Menge an. Ouattaras Lager befürchtet, dass Gbagbo und Goudé gewaltsame Reaktionen der das Gebäude schützenden Blauhelme provozieren wollen, um die Uno-Friedensmission im Land zu diskreditieren.

Sein Land stehe "kurz vor einem Völkermord", warnte der neue ivorische Uno-Botschafter Youssoufou Bamba in New York. "Es muss etwas getan werden", forderte er die internationale Staatengemeinschaft auf. Zuvor hatte er Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon sein Beglaubigungsschreiben übergeben.

Ouattara sei "besorgt" über die Angriffe auf seine Anhänger, sagte Bamba. Es seien Menschen getötet worden, nur "weil sie demonstrieren wollten". Bamba ist der erste von Ouattara ernannte Botschafter, der die Arbeit aufgenommen hat. Andere Staaten, unter anderen alle EU-Mitglieder, wollen dem Beispiel der Uno folgen und mit den von Ouattara ernannten Diplomaten zusammenarbeiten.

Bei gewalttätigen Auseinandersetzungen im Zuge des Machtkampfs in der Elfenbeinküste wurden nach Uno-Angaben bereits zwischen dem 16. und 21. Dezember mindestens 173 Menschen getötet. Aus Angst vor einem Bürgerkrieg flüchteten fast 20.000 Menschen ins benachbarte Liberia.

Das Auswärtige Amt äußerte sich am Donnerstag besorgt über die Entwicklung in der Elfenbeinküste. "Das Scheitern der bisherigen Vermittlungsbemühungen ist angesichts des enormen Gewalt- und Eskalationspotentials der Situation sehr bedauerlich", erklärte Außenamtssprecher Andreas Peschke in Berlin. Die Bundesregierung setze darauf, dass sich die westafrikanische Staatengemeinschaft Ecowas und die Afrikanische Union (AU) weiter intensiv um eine Lösung des Konflikts bemühten, damit der rechtmäßige Wahlsieger sein Amt so schnell wie möglich antreten könne. Das Auswärtige Amt warnte weiterhin vor Reisen in die Elfenbeinküste.

Zuletzt hatte auch die Europäische Union ihren Druck auf den abgewählten Präsidenten erhöht. Sie weitete ihre Liste mit Einreiseverboten gegen Gbagbo und sein Regime von bisher 19 auf 61 Personen aus. Deren Vermögen in Europa sollten bald eingefroren werden, berichtete die EU-Kommission in Brüssel.

Gambias Präsident Yahya Jammeh machte sich dagegen für Gbagbo stark. Ecowas habe keinerlei Mandat für eine Militäraktion gegen Gbagbo, erklärte er. Gleichzeitig kritisierte er den Druck der internationalen Gemeinschaft auf Gbagbo. "Es ist höchste Zeit, dass die internationalen Mächte gezwungen werden, die Unabhängigkeit und Souveränität afrikanischer Staaten zu respektieren", zitierte ihn das Online-Portal "Jollofnews" Jammeh. "Afrikaner sollten der Diktatur von neokolonialistischen und rassistischen Staaten ein Ende setzen, die für uns entscheiden, wer in Afrika regiert."

als/dpa/AFP

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annalüse 30.12.2010
1. ein volk
Zitat von sysopDer neue Uno-Botschafter der Elfenbeinküste hat einen dramatischen Appell an die internationale Staatengemeinschaft gerichtet: "Wir stehen am Rande eines Völkermordes", warnte der Diplomat angesichts des blutigen Machtkampfes. Die Welt müsse dies verhindern. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,737231,00.html
Wie sollen wir das denn verhindern...und warum? Offenbar sehen Bewohner der Elfenbeinküste den gegenseitigen Völkermord als probates Mittel an, um sich auseinanderzusetzen. Eine andere Kommunikation, als wir gewöhnt sind. In Afrika gibt es keine Volksvertreter, sondern nur Clanvertreter. Und wenn zwei Clanvertreter gegeneinander antreten, gibt es eben Clankrieg: weil in Afrika sich niemand für das "Volk", das mittels Linealen von ehemaligen Besatzern geschaffen wurde, einsetzt. Man kennt nur den eigenen Clan. Wenn der ann die Macht kommt, sorgt er für die Seinen, aber nicht für "die anderen". Unlösbarer Konflikt, solange die willkürlich von Besatzern gezogene Grenzen "ein Volk" markieren.
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