Elfenbeinküste Uno macht verfeindete Lager für 330 Tote verantwortlich

Bei dem Machtkampf in der Elfenbeinküste sind mindestens 800 Menschen getötet worden. Die Vereinten Nationen sehen die Schuld sowohl beim abgewählten Präsident Gbagbo als auch bei dessen Gegner Ouattara. Dieser will zahlreiche Massengräber entdeckt haben.

Ouattara-Truppen: Uno wirft Konfliktparteien Massaker vor
REUTERS

Ouattara-Truppen: Uno wirft Konfliktparteien Massaker vor


Abidjan - Die Vereinten Nationen werfen den Konfliktparteien in der Elfenbeinküste Massaker vor. Nachdem das Rote Kreuz mitgeteilt hatte, dass im Westen des Landes mindestens 800 Menschen getötet worden seien, machte die Uno am Samstag beide Konkurrenten im Kampf um das Präsidentenamt für zahlreiche Tote verantwortlich. Es ist eines der größten Massaker in einer politisch-militärischen Krise seit zehn Jahren.

Von über 330 Menschen, die Anfang der Woche in der westlichen Stadt Duékoué umgekommen seien, sei "der Großteil" durch Truppen des international anerkannten Präsidenten Alassane Ouattara getötet worden, teilte die Uno-Mission in der Elfenbeinküste (Onuci) mit. Mehr als hundert Menschen seien durch Milizen und Söldner der Truppen des bisherigen langjährigen Staatschefs Laurent Gbagbo getötet worden.

In der Wirtschaftsmetropole Abidjan wurden am Samstag vier Blauhelmsoldaten von Gbagbo-Einheiten schwer verletzt. Eine Patrouille der Uno-Mission sei "während einer humanitären Mission" im Zentrum der Stadt das Ziel von Schüssen der Milizen geworden, erklärte die Uno.

Das Rote Kreuz hatte zuvor mitgeteilt, dass in Duékoué am Dienstag mindestens 800 Menschen getötet worden seien. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich bewaffnete Anhänger beider Lager heftige Kämpfe um die Stadt geliefert. Die Uno-Mission zählte vorerst insgesamt 330 Tote, die zwischen Montag und Mittwoch umkamen. Die Zahl werde sich wahrscheinlich noch erhöhen, weil die Untersuchung vor Ort noch andauere, sagte Guillaume N'Gefa von der Menschenrechtsabteilung der Onuci.

Nach Angaben der Ouattara-Regierung wurden zudem mehrere Massengräber im Westen des Landes entdeckt. Diese seien in den Orten Toulepleu, Blolequin und Guiglo gefunden worden. Das Ouattara-Lager machte "die Söldner und Milizen" von Widersacher Gbagbo dafür verantwortlich.

Ouattara Truppen kontrollieren Großteil des Landes

Nach einer Offensive vor knapp einer Woche kontrollieren die Ouattara-Truppen inzwischen den Großteil der Elfenbeinküste. Am Freitag hatten die Truppen eine Offensive im Regierungssitz Abidjan gestartet, um den Präsidentenpalast und die Residenz Gbagbos einzunehmen. Am Samstag kam es zu weiteren Kämpfen in der Millionenstadt. Rund um die letzten Gbagbo-Bastionen und den Sitz des Staatsfernsehens waren Schüsse zu hören, wie Anwohner berichteten. Zudem kam es zu Plünderungen und Panik. Ouattara ließ eine Ausgangssperre von 0 bis 6 Uhr verhängen.

Unterdessen brachten sich etwa 1400 ausländische Staatsbürger, davon ein Drittel Franzosen, unter dem Schutz der französischen "Licorne"-Truppen in einem Militärcamp in Abidjan in Sicherheit, wie der Generalstab in Paris mitteilte. Frankreich hatte die Zahl der Soldaten der seit 2002 in dem Land stationierten Operation "Licorne" (Einhorn) am Freitag um etwa 150 Mann auf 1050 bis 1100 Soldaten aufgestockt.

Frankreichs Außenminister Alain Juppé erklärte am Samstag, Gbagbos Tage als Staatschef seien gezählt. Die Onuci-Truppen rief er auf, sich zwischen die verfeindeten Lager zu stellen.

cte/AFP



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team_gleichklang_de 02.04.2011
1. Quattaras mordernde Rebellenbanden
Ganz klar (in anderen Medien wie CNN noch deutlicher nachzulesen als im PSiegel) scheine Quattaras Rebellen für den großteil der Massakertoten verantwortlich zu sein. Zudem ist die Zahl ungeheuerlich, wird vermutlich 1000 überschreiten. Dies nur in einem Ort. Die internationale Gemeinschaft sollte aufhören, sich wider die Fakten nur auf Gbagbo einzuschießen. Bei Quattara haben wir es mit einem skrupellosen Schlächter zu tun. Er will seinen Präsidentenanspruch durchsetzen,ist es aber in Ordnung, dafür das ganze Land in Schutt und Asche zu legen? Wie will er denn so regieren? Und was wird erst später mit seinen Gegnern geschenen, wo seine Rebellen doch schon seit vielen Jahren, finanziert durch Blutdiamanten wahren Terror verbreiten? Beide sind verantwortlich, wobei die Blutspur von Quattara sich später, wenn die Dinge objektiv gesehen und evaluiert werden können, als bei weitem größer erweisen wird wie die von Gbagbo. Die UN fordert ernsthaft, einen Massenmörder zum Präsidenten zu kühren. Das ist unverantwortlich. Jetzt muss massiver Druck auf beide ausgeübt werden. Es muss um Kompromiss und Machtteilung gehen. Am besten beide ins Exil. Am Ende ggf. eine Landesteilung und dann wirklich freie Wahlen. Warum hinterfragen unsere Medien nebenbei nicht, ob Quattara wirklich die Wahlen gewonne hat? Der ganze Streit geht um die Frage, ob die Menschen in den durch die Rebllen kontrollierten Gebieten wirklich die Möglichkeit hatten, ohne Gefährdung ihres Lebens, für Gbagbo Wahlkampf zu betreiben und sich zu ihm zu bekennen. Diese Frage bejahen die durch Anhänger Quattaras dominierte Wahlkommission und die UN, aber ohne sie spezifisch gepürft zu haben. Sie wird verneint durch Gbagbo, seine Anhänger und den obersten Verfassungsrat. Die Wahrheit ist: Wir wissen es nicht! Was wir aber wissen, ist dass jetzt eine Menschenrechtskatastrophe geschieht, die auch dadurch verursacht wurde, dass die UN Quattara die Deckung gegeben hat, mit seinen Rebellen das Land militärisch einzunehmen. Wenn es jetzt kein Umkehr gibt, werden weitere Massaker folgen.
panzerknacker51, 03.04.2011
2. Typisch Afrika
Zitat von team_gleichklang_deGanz klar (in anderen Medien wie CNN noch deutlicher nachzulesen als im PSiegel) scheine Quattaras Rebellen für den großteil der Massakertoten verantwortlich zu sein. Zudem ist die Zahl ungeheuerlich, wird vermutlich 1000 überschreiten. Dies nur in einem Ort. Die internationale Gemeinschaft sollte aufhören, sich wider die Fakten nur auf Gbagbo einzuschießen. Bei Quattara haben wir es mit einem skrupellosen Schlächter zu tun. Er will seinen Präsidentenanspruch durchsetzen,ist es aber in Ordnung, dafür das ganze Land in Schutt und Asche zu legen? Wie will er denn so regieren? Und was wird erst später mit seinen Gegnern geschenen, wo seine Rebellen doch schon seit vielen Jahren, finanziert durch Blutdiamanten wahren Terror verbreiten? Beide sind verantwortlich, wobei die Blutspur von Quattara sich später, wenn die Dinge objektiv gesehen und evaluiert werden können, als bei weitem größer erweisen wird wie die von Gbagbo. Die UN fordert ernsthaft, einen Massenmörder zum Präsidenten zu kühren. Das ist unverantwortlich. Jetzt muss massiver Druck auf beide ausgeübt werden. Es muss um Kompromiss und Machtteilung gehen. Am besten beide ins Exil. Am Ende ggf. eine Landesteilung und dann wirklich freie Wahlen. Warum hinterfragen unsere Medien nebenbei nicht, ob Quattara wirklich die Wahlen gewonne hat? Der ganze Streit geht um die Frage, ob die Menschen in den durch die Rebllen kontrollierten Gebieten wirklich die Möglichkeit hatten, ohne Gefährdung ihres Lebens, für Gbagbo Wahlkampf zu betreiben und sich zu ihm zu bekennen. Diese Frage bejahen die durch Anhänger Quattaras dominierte Wahlkommission und die UN, aber ohne sie spezifisch gepürft zu haben. Sie wird verneint durch Gbagbo, seine Anhänger und den obersten Verfassungsrat. Die Wahrheit ist: Wir wissen es nicht! Was wir aber wissen, ist dass jetzt eine Menschenrechtskatastrophe geschieht, die auch dadurch verursacht wurde, dass die UN Quattara die Deckung gegeben hat, mit seinen Rebellen das Land militärisch einzunehmen. Wenn es jetzt kein Umkehr gibt, werden weitere Massaker folgen.
Ein guter Freund von mir ist seit vielen Jahren als Wahlbeobachter in Afrika und anderswo unterwegs. Er hat nach seinen jeweiligen Einsätzen genau das beschrieben, was ich aus meiner eigenen mehrjährigen Afrika-Erfahrung schon zu wissen glaubte, und Sie hier exakt wiedergeben. Die einzelnen Clans oder Ethnien versuchen in ihren Stammes- oder Einflußgebieten durch Terror oder Geldzuwendungen , "ihre" Leute hinter sich zu sammeln. Die daraus entstehenden Wahlergebnisse haben mit dem politischen Willen der Bevölkerung also nur am Rande etwas zu tun, außer sie haben genau den Kandidaten gewählt, der ihrer Herkunft entspricht, und damit natürlich auch aufgefordert wird, die "Fleischtöpfe" für seine Wähler zu öffnen. Für die offizielle Wahlbeurteilung darf dies aber kein herausragendes Verfahrensmerkmal sein, weil sonst das Phänomen "Tribalismus" ins Spiel kommen würde, was laut political correctness nicht existiert.
rickyx 03.04.2011
3. UNO und Frankreich ist auch für die LAGE verantwortlich
Ich komme aus afrika und habe sehr viele Bekannte die Momentan in Abidjan leben. Ich bin weder für Bagbo noch Ouattara, ich fühle mich aber sehr schockiert wenn eine ganz andere Geschichte über was dort ablauf hier erzählt wird. 1-UNO hat beim Transport von Rebellen von Nord nach Süd geholfen 2-UNO hat Waffen zu den Rebellen gegeben oder zumindest beim Transport von Waffen geholfen siehe: http://www.jeuneafrique.com/Article/ARTJAWEB20110318193036/ (Seriöse Zeitung) 3-Die Rolle der UNO (ONUCI) war genau eine Trennwand zwischen Rebellen und Loyalisten zu sein. Sie waren aber nicht da als hunderten von Zivillisten von Rebellen getötet wurden. Der Massaker wird genau in der Region von President (oder Ex President für die anderen) gemacht. Glauben Sie wirklich, dass seine Truppen dafüpr verantwortlich sind? 4-In der Nacht (vom 31.03, 1.04, 2.04) helfen Französiche Truppen Licorn den Rebellen (Viele Zeugen Berichten) und es werden immer wieder neue Videos als Beweis dafür veröffentlicht. 6-Beispiel: es wurde Gbagbos Soldaten vorgeworfen, 7 Frauen wahrend einer Demonstration getötet zu haben, dies wurde in allen Medien der Welt so dargestellt. In der Tat war es eine ganz Video Montage, die von Ouattara Fehrnsehen gemacht wurde. Hier ein Beweis aud Youtube: Vorsicht schockierende Bildern : http://www.youtube.com/verify_age?next_url=http%3A//www.youtube.com/watch%3Fv%3De-LNacxJWlg 7-Der Krieg wird erst fertig sein, wenn an der Macht jemand kommen wird, der für Frankreich passend ist. Und dannach werden Sie sich beschweren, dass So viele Ausländer aus Elfenbeimküste dort vom Sozial leben. 7-Es ist schade, dass diese Welt nur ein Schlachtfeld ist.
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