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05. April 2011, 07:11 Uhr

Elfenbeinküste

Uno-Truppe beschießt Hauptquartier von Ex-Präsident

In der Elfenbeinküste tobt die Entscheidungsschlacht um die Macht - jetzt greift die Uno ein: Generalsekretär Ban Ki Moon hat erstmals Angriffe auf Soldaten des abgewählten Präsidenten Gbagbo befohlen. Sie werden für brutale Gewalt gegen Zivilisten verantwortlich gemacht.

New York/Abidjan - Die Uno greift in den Bürgerkrieg in der Elfenbeinküste ein. "Ich habe die Mission angewiesen, die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um den Einsatz von schweren Geschützen gegen die Zivilbevölkerung zu verhindern", teilte Uno-Chef Ban Ki Moon in einer Erklärung mit. Blauhelme haben bereits Stellungen des abgewählten Präsidenten Laurent Gbagbo angegriffen. Neben dem Palast und der Residenz Gbagbos griffen sie auch zwei Militärlager seiner Truppen mit Hubschraubern an.

Der Elysée-Palast in Paris bestätigte, dass französische Truppen an Angriffen der Uno-Mission beteiligt sind. Präsident Nicolas Sarkozy habe in einem Schreiben an Ban zugesichert, dass die französische Armee bereit sei, die schweren Waffen zu zerstören, mit denen Gbagbos Anhänger gegen Zivilisten vorgingen.

Die Truppen des Gewinners der Präsidentenwahlen, Alassane Ouattara, melden inzwischen weitere Erfolge: Sie hätten die Residenz Gbagbos in Abidjan umzingelt, sagte ein Sprecher Ouattaras an diesem Dienstag. Ob Gbagbo sich zu dem Zeitpunkt in dem Präsidentenpalast aufgehalten habe, wisse er nicht. Allerdings hieß es im US-Nachrichtensender CNN am späten Montagabend, der Sprecher sei zu 80 Prozent sicher, dass Gbagbo im Präsidentenpalast sei. Er werde vielleicht schon am Dienstag gefangen genommen. Die Kämpfer seien in den frühen Morgenstunden rund um das Haus herum in Stellung gegangen und warteten darauf, dass Gbagbo aufgebe, sagte ein Berater Ouattaras der Nachrichtenagentur AP. Die neue Regierung werde möglicherweise den Internationalen Strafgerichtshofs einschalten, um Gbagbo den Prozess zu machen.

"Wir werden dieses Bombardement nicht überleben"

Augenzeugen in Abidjan berichteten am frühen Montagabend von heftigen Feuergefechten und dem Einsatz schwerer Artillerie. "Wir werden dieses Bombardement nicht überleben", klagte verzweifelt eine Frau, die nahe eines Militärcamps wohnt. "Bevor wir uns unter dem Bett versteckten, habe ich aus dem Fenster den Feuerball einer Explosion und schwarzen Rauch am Himmel gesehen." Bereits seit Tagen hatten die meisten der rund vier Millionen Einwohner der größten Stadt des Landes wegen der Kämpfe ihre Häuser nur in Notfällen verlassen.

Gbagbo war im vergangenen November abgewählt worden. Er weigert sich aber, die Macht über sein Land abzutreten. Obwohl Ouattaras Republikanische Truppen (FRCI) Abidjan seit Tagen umzingelt haben, hielt der Widerstand der Gbagbo-Truppen an. Ouattaras Truppen kontrollieren außerhalb Abidjans den größten Teil des westafrikanischen Landes.

Aus Sorge vor einer blutigen Entscheidungsschlacht brachten die Vereinten Nationen Hunderte Mitarbeiter in Sicherheit. Das Hauptquartier in Abidjan sei evakuiert worden, teilte die Uno mit. Die Truppen Gbagbos hätten wiederholt Uno-Gebäude in der Stadt mit Panzergranaten beschossen und dabei auch benachbarte Wohngebiete getroffen. Zwei Franzosen und drei andere Ausländer wurden am Montag von den Truppen Gbagbos in Abidjan entführt. Einer der Entführten ist nach Angaben der französischen Botschaft der französische Direktor eines Hotels nahe des Präsidentenpalasts.

Die USA und die Europäische Union drängen Gbagbo zum sofortigen Amtsverzicht. Er müsse "den Willen seines Volks akzeptieren und aufhören, die Präsidentschaft für sich zu beanspruchen", erklärte US-Präsident Barack Obama am Montagabend in Washington. Für die Europäer erklärte EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy in Brüssel, Gbagbo müsse zurücktreten, "damit Frieden herrschen kann".

ler/dpa/Reuters

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