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EM in Frankreich: Stadien im Ausnahmezustand

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Frankreich vor der EM 90.000 gegen die Terrorgefahr

Frankreich rüstet sich: für den Ansturm der EM-Besucher und die Bedrohung durch Terroristen.

Der Eiffelturm in den Nationalfarben der EM-Staaten, die Wochenmärkte der Hauptstadt herausgeputzt, 10.000 ökologisch korrekte Einkaufsbeutel aus biologisch angebauter Baumwolle: Paris plant, so das Fremdenverkehrsamt, das "Hochamt des europäischen Fußballs ".

Dazu gibt es Gratiskonzerte, neue Bolzplätze, Kultur an den Seine-Kais, eine Ausstellung zur Fußballgeschichte. Für das örtliche Ladenpersonal, Hotelangestellte und Taxifahrer hat die Hauptstadt zudem eine mehrsprachige Übersetzungshilfe ins Internet gestellt .

Rund 1,5 Millionen ausländische Gäste werden in den zehn Austragungsorten der Europameisterschaft erwartet - und 1,2 Milliarden Euro Einnahmen für die Tourismusbranche. Nach den Terror-Attentaten des vergangenen Jahres ist das Mega-Turnier aber auch eine große Herausforderung für Politik und Sicherheitskräfte. "Eine EM mit hohem Risiko", titelt "Libération".

Zwar könnten auch Streiks, Kundgebungen oder Benzinknappheit den Ablauf der EM durcheinanderbringen. Doch Geheimdienste warnen vor allem vor der Gefahr islamistischer Anschläge. Jüngst entdeckte Mitschnitte auf dem PC einer der Brüsseler Selbstmordattentäter verstärken diese Befürchtungen. "Die Bedrohung bleibt der Terrorismus", betont Präsident François Hollande. In der Ukraine nahm der Geheimdienst einen Franzosen fest, der offenbar mehrere Anschläge in Frankreich geplant hatte.

Fußballfans müssen sich deshalb auf Kontrollen und Wartezeiten an Stadien und Fanzonen einstellen:

  • Elektronische Portale werden für Suche nach Waffen und Sprengstoff eingesetzt.
  • Es gibt eine Prüfung durch Metalldetektoren, ein Abtasten auf Wurfgeschosse.
  • Mitgebrachte Taschen werden untersucht, Rucksäcke sind verboten.

Für die 51 Spiele hat Frankreich rund um die Stadien und die Fanzonen aufgerüstet wie nie zuvor: Bereits vor Wochen votierte das Parlament für die Verlängerung des seit den Anschlägen verhängten Notstands, mit zusätzlichen TV-Kameras werden Austragungsstätten wie städtische Ballungsräume überwacht.

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Frankreich: EM-Spielorte: Wo im Sommer der Ball rollt

Foto: Jeremy Lempin/ dpa

Bewaffnete Patrouillen der Streitkräfte bleiben während der gesamten vier Wochen ab dem 10. Juni im Einsatz. Insgesamt sind es 90.000 Männer und Frauen - Polizei, Gendarmerie, Soldaten, Feuerwehrleute, Hundestaffeln, dazu private Sicherheitsunternehmen. Beamte der Elitetruppe Raid begleiten die angereisten Fußballmannschaften.

Ein eigens geschaffenes Lagezentrum von Geheimdiensten und Sicherheitskräften analysiert rund um die Uhr die Gefahrenlage und steuert den Einsatz von Militär, Gendarmerie und Polizei. Deren Kommandoeinheiten haben bei Trainingseinsätzen die ganze Skala von Terrorszenarien durchgespielt: Anschläge auf den Nahverkehr, Geiselnahmen, im Stadium vom Lens wurde gar eine chemische Attacke simuliert.

Mix zwischen Party und Polizeipräsenz

Zu der Ausnahmegefahr durch Terroristen kommt die übliche Bedrohung durch anreisende Fußball-Hooligans, die in den Stadien für Chaos sorgen könnten. Mitreisende Polizisten und ein eigenes "Internationales Polizei-Kooperationszentrum" (CCPI) sollen aggressive Anhänger identifizieren, gleichzeitig werden die Grenzkontrollen verstärkt.

Die Überwachung der großen Fanzonen in Marseille, Bordeaux oder Lyon ist dennoch die schwierigste Aufgabe: Allein in Paris werden auf dem Marsfeld beim Eiffelturm bis zu 92.000 Besucher erwartet. Wegen der Terrorgefahr und des "Hooliganismus", so warnte Polizeipräfekt Michel Cadot, solle das Public Viewing dort bei gleichzeitigen Spielen in Paris am besten verboten werden.

Innenminister Bernard Cazeneuve will die Versammlungen vor den gigantischen TV-Schirmen freilich beibehalten. Dafür wurden eigens 13.000 Wachleute engagiert. Kostenpunkt: 24 Millionen Euro.

Trotz der angespannten Lage sollen die 2,5 Millionen Zuschauer die Euro 2016 als fröhliche Verbrüderung im Namen des Sports erleben. "Die größte Schwierigkeit besteht darin, die richtige Dosis zu finden", meint Fachmann Luc Presson zum idealen Mix zwischen Party und Polizeipräsenz. "Das Publikum muss sich sicher fühlen, ohne belastet zu sein", so der für die EM-Sicherheit zuständige Generalinspekteur von Paris.

Präsident Hollande sieht das genauso. Er gibt sich zuversichtlich: "Wir werden uns das Fußballfest nicht verderben lassen."

Im Video: Polizei und Rettungskräfte üben den Ernstfall

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