EM-Gastgeber Viele Verletzte bei Bombenanschlägen in der Ukraine

Eine Bombenserie erschüttert die Ukraine: Binnen weniger Minuten gab es vier Detonationen in der Industriestadt Dnjepropetrowsk. Mindestens 27 Menschen wurden verletzt - darunter neun Schulkinder. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen eines Terroranschlags.
EM-Gastgeber: Viele Verletzte bei Bombenanschlägen in der Ukraine

EM-Gastgeber: Viele Verletzte bei Bombenanschlägen in der Ukraine

Foto: AFP/ MOST-DNEPR

Kiew - Bei mehreren Explosionen im Osten der Ukraine sind mindestens 27 Menschen verletzt worden. Unter ihnen seien neun Kinder, teilte das Ministerium für Notfallsituationen mit. Nach Angaben des Innenministeriums ereigneten sich insgesamt vier Detonationen in der Innenstadt von Dnjepropetrowsk. Mindestens eine der Explosionen sei offenbar durch einen Sprengsatz ausgelöst worden.

Laut dem Ministerium für Zivilschutz begann die Serie Freitagmittag an einer Straßenbahn-Haltestelle, wo ein Sprengsatz in einem Papierkorb hochging. Dabei wurden 13 Menschen verletzt. 30 Minuten später setzte sie sich an einem Kino fort, wo elf Personen verletzt wurden, darunter die neun Kinder. Die dritte Explosion fand auf einer belebten Straße in der Nähe eines Bahnhofs statt. Hier waren drei Passanten betroffen.

Unter den Verletzten sollen mindestens drei schwer betroffen sein. Augenzeugen berichteten auf Internetseiten von Panik und tumultartigen Szenen in der viertgrößten Stadt der Ex-Sowjetrepublik. Fotos zeigten Blutspritzer auf dem Boden und geborstene Scheiben. Notarztwagen rasten mit heulenden Sirenen durch die Stadt. Die Polizei sperrte das Zentrum ab.

Fotostrecke

EM-Gastgeber Ukraine: Mehrere Menschen bei Bombenserie verletzt

Foto: REUTERS

Das Mobilfunknetz der viertgrößten Stadt der Ukraine brach zeitweise zusammen. Nach Angaben von Experten waren die Sprengkörper selbst gebaut. Ob bei dem vierten Anschlag im Zentrum der Stadt Menschen zu Schaden gekommen sind, ist bisher nicht bekannt.

Innenminister Witali Sachartschenko kündigte an, umgehend in die betroffene Region zu fliegen, um den Vorfall zu untersuchen. Die Bombenserie sei ein "Anschlag auf das ganze Land", sagte der ukrainische Präsident Wiktor Janukowitsch sprach. "Wir werden über eine entsprechende Reaktion darauf nachdenken", sagte er.

Er beauftragte den Geheimdienst SBU und das Innenministerium mit der sofortigen Untersuchung der Explosionen. Der Hintergrund der Explosionen ist bisher unklar. Die Staatsanwaltschaft sprach von einem "Terroranschlag". Vor gut einem halben Jahr gab es bereits einen ähnlichen Anschlag in Dnjepropetrowsk. Die Täter von damals wurden bisher nicht gefasst.

Die Ukraine ist ab dem 8. Juni Co-Gastgeber der Fußball-Europameisterschaft. Dnjepropetrowsk rund 400 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Kiew ist kein Austragungsort des Turniers. In der Stadt mit 1,1 Millionen Einwohnern ist die derzeit inhaftierte Ex-Regierungschefin Julija Timoschenko geboren worden. Die Regierung in Kiew sorgt wegen ihres Umgangs mit der schwer erkrankten Politikerin seit geraumer Zeit für heftigen Protest. Timoschenko leidet seit Monaten unter starken Rückenschmerzen und ist aus Protest gegen ihre Haftbedingungen vor einer Woche in einen Hungerstreik getreten.

ler/lgr/be/AFP/Reuters/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.