Frankreich Macron spricht vom "Hirntod" der Nato

Keine Koordination, Zwist zwischen den Partnern: Frankreichs Präsident Macron stellt in einem Interview der Nato ein katastrophales Zeugnis aus. Der Türkei wirft er aggressives Verhalten vor.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat in einem Interview der Nato eine katastrophales Zeugnis ausgestellt
Jason Lee/ Pool Photo/ AP

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat in einem Interview der Nato eine katastrophales Zeugnis ausgestellt


Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat sich kritisch über den Zustand des Verteidigungsbündnisses Nato geäußert. Macron sagte in einem Interview mit der britischen Zeitschrift "The Economist": "Was wir derzeit erleben, ist der Hirntod der Nato." Es gebe "keinerlei Koordination bei strategischen Entscheidungen zwischen den USA und ihren Nato-Verbündeten". Die Amerikaner schienen den europäischen Partnern "den Rücken zu kehren", sagte Macron.

Zudem zeige das Nato-Land Türkei ein "unkoordiniertes, aggressives" Vorgehen in einem Bereich, in dem die Sicherheitsinteressen aller berührt seien. Damit spielte er auf die türkische Militäroffensive gegen die Kurden in Nordsyrien an, die die Nato zur Bildung eines Krisenstabs veranlasst hatte.

Macron nicht sicher, ob Unterstützung im Bündnisfall garantiert ist

Europa müsse seine militärische Souveränität wiedererlangen, sagte Macron weiter. Die internationale Sicherheitslage und die aufstrebende Macht China hätten zu einer "außergewöhnlichen Schwäche" des Kontinents geführt. "Wenn Europa sich nicht als Weltmacht sehen kann, wird es verschwinden."

Auf die Frage, ob er noch an Artikel 5 des Nato-Vertrags glaube, sagte Macron: "Ich weiß es nicht." In dem Artikel ist die Beistandsgarantie bei Angriffen auf Nato-Mitglieder festgelegt, wonach ein Angriff auf einen Nato-Staat als Angriff auf alle angesehen wird.

Die Äußerungen des französischen Präsidenten kommen wenige Wochen vor dem Nato-Gipfel Anfang Dezember in London. In diesem Jahr feiert das Bündnis den 70. Jahrestag seiner Gründung.

mho/mes/AFP/Reuters



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b1964 07.11.2019
1. Macron wird alleine gelassen
Die deutsche Position in Europa ist ein Dessaster. Wir wollen von Europa profitieren, aber nichts dafür tun. Wir sind nicht solidarisch, besserwisserisch und selbstverliebt. Der Blick auf Europa ist allenfalls ein Lippenbekenntnis. Die Angst vor der AfD hat aus der CDU inzwischen eine Anti-EU-Partei gemacht. Wo ist die Politik, die die Bürger für die EU begeistert, die dieses Projekt erklärt und vorantreibt? Unsere Politiker im Verbund mit der Presse sind stattdessen darauf erpicht, nur keine Souveränität abzugeben oder auch nur einen Euro für andere auszugeben. Die EU ist das Nörgelobjekt schlechthin! Macron ist zur Zeit DER Europäer. Das ist gut, aber wo bleibt die Unterstützung aus Deutschland? Schmitt, Kohl und Fischer, das waren große Europäer, die hätten Macron unterstützt und ein echtes europäisches Projekt angeworfen.
Brenz66 07.11.2019
2. Interresant
Trump sagte = Nato ist " obsolet" Erdogan sagt = Nato Mitglieder unterstützen Terroristen Macron sagt = Nato ist Hirntod Meine Frage : warum finanzieren wir noch so ein Mist?
mathias.meissner35 07.11.2019
3.
Also alles nach Plan, dieses heuchlerische Getue!
olli118 07.11.2019
4. Einer, der es erkennt und anspricht
Aber bei uns spart man sich lieber tot, als die Bundeswehr vernünftig auszustatten und in innere und äussere Sicherheit zu investieren. Auf die USA unter Trump würde ich mich auf jeden Fall nicht mehr verlassen.
derhey 07.11.2019
5. Nach endlosen Debatten
wird man dann schon rigendwann einmal zu dem Ergebnis kommen, daß der Bündnisfall eingetreten sei - so nach ein, zwei Jahren. Dann ist die Sache gegessen. In der Sache hat M. recht, kann aber den Zustand auf die politische und wirtschaftliche Werte-EU ausweiten. Völlig unabhängig vom Brexit. Zu retten ist die EU und auch Nato nur noch, indem in den Bündnissen die Mitglieder vor die Entscheidungen gestellt werden, ob sie noch Mitglied bleiben oder austreten wollen. Ganz ohne Zwang, ganz nüchtern, ganz rational und ohne Emotionen. Wer nicht mehr will kann gehen, man muß ja nicht im Streit auseinandergehen sondern sagen, dann geh halt einen anderen Weg, z.B. Polen, Ungarn und die Türkei...... Das ist dann doch OK.
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