Frankreichs Wahlsieger Macron "Ich werde die Republik verteidigen"

Vorher die Europahymne, nachher die Marseillaise: Emmanuel Macron hat sich am Louvre von Tausenden Anhängern feiern lassen. In seiner Rede wandte er sich auch an die Wähler von Marine Le Pen.


Zu den Tönen der Hymne der Europäischen Union ist Frankreichs Wahlsieger Emmanuel Macron am Sonntagabend vor seine Anhänger getreten. Im Innenhof des Pariser Louvre-Museums empfingen ihn Tausende jubelnde Menschen. "Macron, Président", riefen seine Unterstützer. Während Macron auf die Bühne neben der Glaspyramide trat, ertönte die Melodie von Ludwig van Beethovens "Ode an die Freude", die Hymne der Europäischen Union.

"Danke, dass ihr da seid. Ihr seid Zehntausende", sagte Macron, der deutlich gelöster wirkte als bei seinem ersten Auftritt kurz nach 21 Uhr. Erneut gab sich der 39-Jährige demütig. "Ich weiß, dass einige mich nur gewählt haben, um die Republik zu verteidigen", sagte der künftige Präsident. "Ich kenne unsere Meinungsverschiedenheiten. Ich werde sie respektieren. Aber ich werde dieser Zusage treu sein: Ich werde die Republik verteidigen."

Frankreich-Wahl
Vorläufiges Endergebnis
Wahlbeteiligung: 74,62%
Macron
En marche!
66,06%
Le Pen
Front National
33,94%
1. Wahlgang: 24,01%
Sonstige: 54,69%
1. Wahlgang: 21,30%
Quelle: Franz. Innenministerium (Stand: 8.5.2017, 08.39 Uhr)

Auch an die Wähler der rechtspopulistischen FN-Kandidatin Marine Le Pen wandte sich Macron. Diese hätten "eine Wut, eine Verunsicherung, manchmal Überzeugungen" ausgedrückt. "Ich respektiere sie." Er versprach, in den kommenden fünf Jahren alles dafür zu tun, dass niemand mehr einen Grund hat, Extremisten zu wählen.

"Europa und die Welt blicken auf uns. Sie erwarten von uns, dass wir den Geist der Aufklärung verteidigen", sagte Macron. Vor dem Land stünden jedoch große Aufgaben. Macron nannte die Wiederherstellung der europäischen Einheit, die Sanierung der Wirtschaft und die innere Sicherheit. "Das wird nicht immer einfach." Als er sich bei seiner Familie bedankt, rufen die Anhänger den Namen der künftigen Première Dame: "Brigitte, Brigitte". Nachdem Macron seine Rede beendet hatte, trat seine Ehefrau zu ihm. Gemeinsam mit den Anhängern sangen sie die Marseillaise, die französische Nationalhymne.

Sieg von Macron: "Der Beginn einer neuen Ära!"

SPIEGEL ONLINE

max/dpa/AFP

insgesamt 30 Beiträge
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Putenbuch 08.05.2017
1. Liebe Frau Merkel,...
aufgepasst! SO geht "ein Land zusammenhalten", angemessene Repräsentation des Amtes eines Regierungschefs, dies auch an die Adresse von Hr. Gabriel... Ich weiß ja nicht, was der Herr nachher tatsächlich machen wird, aber das klingt schon mal 1000x besser als alles, was unsere Politkasper so von sich geben. :-(
hansriedl 08.05.2017
2. Vorher die Europahymne
Die EU ist unten durch bei den Bürgern, von einer Krise zur nächsten ohne Lösungen von Problemen. Nicht nur Frankreich, auch die EU muss reformiert werden. Wenn nicht bald eine Veränderung kommt in der Arbeitsweise der EU seh ich schwarz. Dan nützt auch Macrons Sieg nichts. Das Tempo mit dem die EU Probleme lösen will gleicht den einer Schnecke.
noethlich 08.05.2017
3. Viva Europa!
Viele Fragen, viele Probleme… aber eine klare Ansage FÜR Europa… Ich wünsche Herrn Macron eine erfolgreiche Präsidentschaft und dass er dem Volk dient, sonst haben wir Le Pen in ein paar Jahren wieder auf dem Plan….
Franziskus 08.05.2017
4. Letzter Sieg
Herr Macron wird wahrscheinlich scheitern. Was bleibt den Franzosen noch dann für eine Alternative? Ich wage ein Prognose: Front nationale in Frankreich, AfD in Deutschland und FPÖ in Österreich. Europa versinkt deswegen nicht im Chaos. Im Gegenteil, wir schaffen ein Europa für die Menschen und nicht für die Eliten, die für alle Kriege der Vergangenheit verantwortlich waren. Europa mit direkten Demokratien wäre doch wirklich ein erstrebenswertes Ziel.
AlBundee 08.05.2017
5. Chapeau!
Immerhin hat er eine Bewegung gegründet, die sich von den anästhesierten Volksparteien emanzipiert hat, deren Korruption und Untätigkeit anprangert und es besser machen will, ohne einen Wahlkampf für das Saurier-Stammhirn zu machen, wie sonst bei neuen Parteien in Europa üblich. Das ist erstmal eine riesen Leistung. Abgesehen davon, welchen Dank ihm Europa schuldet, Le Pen geblockt zu haben. Da haben sich Schnarch-Hollande und Mauschel-Fillon nicht mit Ruhm bekleckert. Hoffentlich schafft er, was er sich vorgenommen hat und lässt sich nicht vermerkeln. Ein starkes Land ausser Deutschland tut in Europa jetzt dringend not.
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