SPIEGEL-Gespräch mit Emmanuel Macron "Die einzige Antwort auf die AfD ist Mut"

Ungewöhnliche Bekenntnisse eines französischen Präsidenten: Im SPIEGEL spricht Emmanuel Macron über die Bürde des Amtes, den Umgang mit rechten Populisten und seine Nähe zu Angela Merkel.
Emmanuel Macron

Emmanuel Macron

Foto: POOL/ REUTERS

Emmanuel Macron hat seine Europarede an der Sorbonne im Detail mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel abgestimmt. Das erklärt der französische Präsident in einem ausführlichen Gespräch in der aktuellen Ausgabe des SPIEGEL. In der Rede am 26. September, nur zwei Tage nach der Bundestagswahl, hatte sich Macron für einen Neustart Europas starkgemacht - und die große Nähe zu Deutschland betont.

Dem SPIEGEL sagte der Präsident nun: "Ich hatte am Ende des Wahlkampfs sowie noch am Wahlabend mit ihr gesprochen. Sie hat sogar den Text meiner Rede vorab erhalten. Mir ging es darum, Diskussionen in Deutschland zu vermeiden, die die Kanzlerin dazu gezwungen hätten, sich von meiner Rede zu distanzieren." Macron betont, er habe sehr freundschaftliche Gefühle gegenüber Angela Merkel und es gebe da "diesen unbedingten Willen, uns gegenseitig zu verstehen". (Lesen Sie hier das ganze Gespräch im neuen SPIEGEL.)

Er glaube nicht, so Macron im Interview, dass eine mögliche Jamaikakoalition in Deutschland seinem europäischen Projekt im Wege stehen werde: "Sowohl bei den Grünen wie bei der FDP liegt eine Unterstützung Europas in der DNA der jeweiligen Partei." Er habe also Hoffnung. Auf den Aufstieg der rechtspopulistischen AfD gebe es laut Macron nur eine Reaktion, das habe er Angela Merkel auch mitgeteilt. Man müsse den Kampf gegen die AfD aufnehmen, dürfe nicht schüchtern sein gegenüber diesen Leuten: "Die einzige Antwort auf die AfD ist Mut, ist Ehrgeiz."

Zu seiner neuen Rolle sagt er, das Präsidentendasein sei für einen selbst das Ende der Unschuld und verändere das Leben gewaltig: "Alles, was man tut, was man sagt - aber auch das, was man nicht sagt -, hat plötzlich eine Bedeutung." Auf die vor allem in Frankreich geäußerten Vorwürfe, er sei arrogant und ein Präsident der Reichen, meint Macron gegenüber dem SPIEGEL: "Ich bin nicht arrogant, ich bin entschlossen." Den traurigen Reflexen des französischen Neids werde er nicht nachgeben, "weil eben dieser Neid unser Land lähmt".