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Macron bei Trump: Küsschen hier, Küsschen da

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Macron im Weißen Haus Trumps Liebling

Donald Trump und Emmanuel Macron zelebrieren in Washington ihre neue Freundschaft. Doch der US-Präsident bleibt auch für den Franzosen ein unberechenbarer Partner.

Was wird von diesem Besuch bleiben? Ist es die Erinnerung an Melania Trumps weißen Hut? Der Moment, in dem Donald Trump Emmanuel Macron wie einen kleinen Bruder liebevoll an der Hand ins Weiße Haus führt?

Oder ist es diese Szene im Oval Office? Trump macht dem Franzosen den Kragen sauber. Er zupft mit den Fingern an Macrons Schulter und sagt dann fröhlich: "Ich wische nur eine kleine Schuppe weg."

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Wahrscheinlich sind es am Ende dann doch die Küsse. Sie sagen alles über diesen Besuch. Bei seiner Ankunft gibt Macron dem amerikanischen Freund nach französischer Tradition zwei "bises" auf die Wangen. Später revanchiert sich Trump: Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz im East Room zieht er den Franzosen plötzlich zu sich herüber und drückt ihm völlig überraschend einen Schmatzer auf die Backe: "Ich mag ihn sehr", ruft Trump verzückt. Man ahnt: Er meint das wirklich so.

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Macron bei Trump: Küsschen hier, Küsschen da

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Mehr Wärme, mehr Harmonie, mehr Freundschaft geht nicht im Hause Trump. Der dreitägige Besuch von Emmanuel Macron in Washington nennt sich offiziell "state visit", ist aber wohl eher das, was die Amerikaner eine "Bromance" nennen, eine wahre Männerfreundschaft.

Donald Trump rollt für den Gast aus Frankreich die roten Teppiche aus. Er lobt ihn mehrfach als "großen Präsidenten", lässt Macron und seine Gattin Brigitte beim Staatsbankett hochleben, die Armee feuert Salutschüsse. Der Gast aus Frankreich revanchiert sich seinerseits, indem er Trump immer wieder freundschaftlich die Hand auf die Schulter legt und sich ausführlich für den "warmen Empfang" bedankt.

Es ist ein bemerkenswertes politisches Schauspiel, das sich da auf offener Bühne vollzieht. Einmal mehr zeigt sich bei dem Staatsbesuch des Franzosen in den USA, dass Trump davon überzeugt ist, in Macron einen wahren Freund gefunden zu haben - und Macron nimmt die Charmeoffensive bereitwillig hin (mehr zum "Gipfeltreffen der Symbolpolitik" lesen Sie hier).

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State Dinner in Washington: Ganz großes Gedeck

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Das Kalkül hinter den Freundschaftsbekundungen

Dass es beiden auch um eine kühle politische Kosten-Nutzen-Rechnung geht, versteht sich von selbst. Durch die Freundschaft mit Macron kann Trump dem heimischen Publikum beweisen, dass er auf der internationalen Bühne von den wichtigen Staatschefs respektiert und geschätzt wird. Zugleich sieht Trump in Macron einen zentralen Partner und Vermittler bei außenpolitischen Konflikten, zum Beispiel beim Zollstreit mit den Europäern oder beim Ringen um das Atomabkommen mit Iran.

Macron wiederum nutzt seine besondere Beziehung zu Trump, um sich als Sprecher und Wortführer Europas zu inszenieren. Er setzt offenkundig darauf, dass sein kurzer Draht ins Oval Office dabei hilft, dass Frankreich nach der glücklosen Präsidentschaft von François Hollande wieder jene Bedeutung in der weiten Welt der Diplomatie erlangt, die dem Land aus Sicht vieler Franzosen zusteht.

Video zum Auftakt des Staatsbesuchs: Zur Begrüßung eine Eiche

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Kann das Kalkül aufgehen? Trotz aller Freundschaftsbekundungen bleibt "Cher Donald" auch für Macron ein unberechenbarer Partner. So versucht der Franzose, Trump davon zu überzeugen, grundsätzlich an dem Atomabkommen mit Iran festzuhalten. Doch, ob das Werben des Freundes auf Trump Eindruck macht, ist unklar.

Wie es mit dem Abkommen weitergehen soll, bleibt ebenso offen wie die Frage, ob es womöglich einen neuen Iran-Deal gibt, der das bisherige Abkommen als festen Bestandteil beinhalten könnte. In diese Richtung denken wohl Macron und andere Europäer. Nach einem langen Gespräch mit Macron erklärte Trump nur wolkig, man habe "substanzielle" Gespräche geführt und "es werde etwas geschehen". Zugleich sprach er aber auch erneut davon, dass das Abkommen ein riesiger Fehler seines Vorgängers Barack Obama gewesen sei: "Sehr, sehr schlecht."

Das kann alles und nichts bedeuten: Bereits am 12. Mai läuft eine wichtige Frist aus, zu der Trump entscheiden muss, ob er wieder Sanktionen gegen Iran in Kraft setzt. Sollte er dies einseitig beschließen, könnte Teheran seinerseits aus dem Abkommen aussteigen und sein Atomprogramm wiederaufnehmen.

Nächster Gast: Die Kanzlerin

Auch im Zollstreit zwischen Trump und der EU sind bei Macrons Besuch - zumindest bislang - keine substanziellen Fortschritte zu erkennen. Allerdings wurde Trump nicht müde zu betonen, dass er im Handel zwischen den USA und Frankreich überhaupt keine Probleme sieht, es gehe "fair" zu. Und überhaupt, so Trump, Frankreich sei ja sowieso der älteste Verbündete Amerikas, das Band zwischen beiden Staaten sei "unzertrennbar".

Macron will heute, am Mittwoch, noch eine Grundsatzrede vor dem Kongress halten. Danach ist die Rückreise nach Frankreich geplant. Schon auf dem Weg nach Paris dürfte er mit Angela Merkel telefonieren, um sie über den Stand der Gespräche mit Trump zu informieren.

Video zu Macron und Trump: So liefen ihre bisherigen Treffen

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Die Kanzlerin will am Freitag in Washington mit dem US-Präsidenten konferieren. Merkel hat ihren Staatsbesuch in Washington bereits vor einigen Jahren absolviert. Unter Barack Obama wurde ihr im Weißen Haus ein ähnlich warmer Empfang bereitet, wie ihn derzeit Macron erlebt.

Nun findet sie sich in der Situation wieder, dass sie gleich nach Macron zu einem normalen, eher glanzlosen Arbeitsbesuch anreist. Das mag auch ein Zufall sein, weil Staatsbesuche meist lange im Voraus geplant werden, gleichwohl ist die Symbolik natürlich auffällig: Während Macron in Washington von der neuen Regierung als Star gefeiert wird, gilt das Verhältnis zwischen Merkel und Trump eher als unterkühlt. Trump hat Deutschland (im Gegensatz zu Frankreich) etwa im Handelskonflikt oder im Streit um Verteidigungsausgaben immer wieder direkt attackiert.

Bei der Begegnung am Freitag im Weißen Haus dürfte es daher weit weniger herzlich zugehen als bei der "Bromance" zwischen Macron und Trump. Man kann es aber natürlich auch nett sagen, so wie ein französischer Spitzendiplomat: "Die Franzosen machen hier Pomp und Party, die Deutschen kommen zum Arbeiten. Das passt dann doch wieder."

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