Libanon Macron lädt Hariri nach Frankreich ein

Überraschender Vorstoß aus Paris: Frankreichs Präsident Macron bietet dem zurückgetretenen libanesischen Premier Saad Hariri an, mit seiner Familie nach Frankreich zu kommen. Das Angebot könnte ein Test sein.
Poster mit einem Bild von Saad Hariri in Beirut

Poster mit einem Bild von Saad Hariri in Beirut

Foto: JOSEPH EID/ AFP

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat sich in den mysteriösen Fall Hariri eingeschaltet. Er hat den libanesischen Regierungschef und dessen Familie "für einige Tage" eingeladen.

Saad Hariri hat am Mittwoch angekündigt, Saudi-Arabien zu verlassen und wieder in den Libanon zurückzukehren - in den kommenden Tagen. Zuvor hatte der libanesische Präsident Michel Aoun via Twitter erklärt, er vermute, der zurückgetretene Premier werde von Riad festgehalten.

Der Élyséepalast teilte am Mittwochabend in einer knappen Erklärung mit, Macron habe vor seinem Angebot an Hariri mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman und Hariri gesprochen, Details wurden nicht genannt. Frankreich hat als frühere Mandatsmacht besonders enge Beziehungen zum Libanon.

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Hariri hatte Anfang des Monats seinen Rücktritt von Saudi-Arabien aus erklärt - er unterhält enge Beziehungen dorthin. Als Grund deutete er ein Mordkomplott seitens der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah an, die von Iran unterstützt wird. Damit löste der 47-Jährige Spekulationen aus, dass sein Rückzug von Riad erzwungen wurde, um Spannungen mit der Hisbollah zu erzeugen.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters erwartet der Élyséepalast Hariris Ankunft in den "kommenden Tagen". Macron betonte demnach aber auch, die Einladung sei kein Angebot für Hariri, in Paris politisches Exil zu suchen. Die Einladung kann dennoch als Test interpretiert werden, um Hariris Angaben zu überprüfen, er könne sich frei bewegen.

Zudem machte sich derweil Außenminister Jean-Yves Le Drian auf den Weg zu einem zweitägigen Besuch in Saudi-Arabien, wo nach Angaben aus französischen Diplomatenkreisen ein Treffen mit Hariri vorgesehen ist.

dop/dpa/Reuters
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