Streit über Flüchtlinge Macron lässt Pöbler aus italienischer Regierung abblitzen

Führende italienische Politiker haben in den vergangenen Tagen mehrfach versucht, den französischen Präsidenten zu provozieren. Jetzt reagiert Emmanuel Macron - betont gelassen.

Emmanuel Macron (links), Giuseppe Conte
CHRISTOPHE PETIT TESSON/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Emmanuel Macron (links), Giuseppe Conte


Sie hatten sich mit ihren Provokationen große Mühe gegeben - doch nun hat der französische Präsident Emmanuel Macron den italienischen Premier und seinen Vize einfach abblitzen lassen. Am Rande eines Ägyptenbesuchs erklärte Macron die Angriffe der letzten Tage für "überhaupt nicht interessant". Weiter sagte der Präsident: "Ich werde nicht antworten. Denn das ist das einzige, was sie erwarten."

Die Stänkereien aus Rom hatten in der vergangenen Woche begonnen; zunächst griff Luigi Di Maio, Parteivorsitzender der rechtspopulistische Fünf-Sterne-Bewegung Macron an. Frankreich sei Hauptschuldiger an der Migration von Afrika nach Europa - dagegen werde er Sanktionen bei der EU beantragen, so Di Maio. Das sei "ein Kampf des Anstandes gegen die Heuchelei von Macron".

Anschließend legte Lega-Boss Matteo Salvini nach. Er hoffe, dass die Franzosen ihren "sehr schlechten Präsidenten" bei der Europawahl entsprechend abstrafen. Und auch Ministerpräsident Giuseppe Conte stieg mit ein - wenn auch mit etwas verhalteneren Tönen. Es sei doch "legitim, das Thema anzusprechen", so Conte.

In Italien stehen in Kürze Regionalwahlen an - ein möglicher Grund für die Provokationen. Denn Di Maios Fünf-Sterne-Bewegung verliert immer weiter an Stimmen. Durch die Angriffe gegen Emmanuel Macron hat er nun das Medieninteresse vorerst sicher.

Eine Analyse des italienisch-französischen Zerwürfnisses lesen Sie hier.

lmd/AFP



insgesamt 140 Beiträge
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marco.motta 28.01.2019
1. Für diese Reaktion von Macron gibt es einen Begriff : Aussitzen...
Das kennen wir doch auch bei den Briten vom Brexit her ;-)
caspiat 28.01.2019
2. Auftragsarbeit
Ich würde mal vorsichtig vermuten, dass die ganz klare Haltung des Spiegels zu diesem Thema nicht nach unabhängigem und kritischem Journalismus riecht, sondern nach politischer Haltung. Die allerdings verwundet mich, weil es ja Aussenpolitik ist, und da eigentlich recht wenig Interesse zu erwarten wäre. Meine Vermutung hat jedoch eine Grundlage. Es reicht, erst mal auf youtube ein paar Videos von Sibel Edmonds anzuhören, und dann im Spiegel Online nach ihrem Namen zu suchen. Dann kommt die Frage auf, warum Der Spiegel von der Frau nach einmaliger Erwähnung kein einziges Wort mehr sagt ...
Nordschwabe 28.01.2019
3. Alte Leier
Es sei doch "legitim, das Thema anzusprechen", so Conte - Oder in anderen Worten: "das darf man doch sagen dürfen". Hat man ja schon oft gehört; entlarfvt den Mann falls man es schon vorher nicht gewusst hat wo der hingehört. Also, gute Taktik, denen einfach nicht zu antworten. Weiter Macron!
trojanspirit 28.01.2019
4. Ändert nichts
Das Macron auf seine noch so eloquente Weise die natürlich recht rabiaten Äußerungen aus Italien abblitzen lässt sieht vielleicht gut aus. Aber es ändert rein gar nichts an der Sachlage und der Problematik. Lächelnd und winkend gut aussehen ist das eine, Dialog suchen und Probleme lösen wo sie nunmal sind das andere. Die italienischen Regierungsvertreter sachlich darauf hinweisen das dieses nicht der übliche diplomatische Ton ist und dann die politische Auseinandersetzung suchen, das ist der Weg. Ignorieren hilft nicht, das haben wir (wir im Sinne EU) lange genug getan. Das Ergebnis ist bekannt. Aber wie es aussieht will Macron die Fronten weiter verhärten.
Wiesengrund 28.01.2019
5. #1 Aussitzen
Hallo marco.motta, das ist kein Aussitzen sondern "Don't feed the trolls"
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