Vor dem G7-Gipfel Macron schlägt Putin baldiges Treffen zur Ukraine vor

Frankreichs Präsident sieht eine "echte Chance" für Frieden in der Ukraine. Er schlägt seinem russischen Kollegen einen Vierer-Gipfel vor - auch Deutschland soll daran teilnehmen.

Russland sei "europäisch", sagte der französische Präsident Emmanuel Macron im Gespräch mit Wladimir Putin auf Fort Brégançon. Die EU habe keinen Grund, Moskau den Rücken zu kehren
ALEXEI DRUZHININ/SPUTNIK/KREMLIN POOL/EPA-EFE/REX

Russland sei "europäisch", sagte der französische Präsident Emmanuel Macron im Gespräch mit Wladimir Putin auf Fort Brégançon. Die EU habe keinen Grund, Moskau den Rücken zu kehren


Fünf Tage vor dem G7-Gipfel in Frankreich hat Präsident Emmanuel Macron Zeichen der Annäherung an Russland ausgesandt und eine neue Initiative für Frieden in der Ukraine gestartet. Macron schlug dem russischen Präsidenten Wladimir Putin auf Fort Brégançon an der französischen Mittelmeerküste ein neues Treffen zur Ukrainekrise "in den kommenden Wochen" vor. Zugleich plädierte er für eine neue "Architektur der Sicherheit und des Vertrauens zwischen der EU und Russland".

An dem Vierer-Gipfel zur Ukrainekrise im sogenannten Normandie-Format sollen sich nach Macrons Worten auch Deutschland und die Ukraine beteiligen. Einen konkreten Termin nannte der französische Staatschef nicht.

Putin sagte, er sei nach ersten Kontakten mit dem neuen ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj "vorsichtig optimistisch", zu einer Annäherung zu kommen. Macron betonte, es gebe derzeit eine "echte Chance" auf Frieden in der Ukraine.

G7-Gipfel ohne Putin

Als Folge des Ukrainekonflikts ist Putin nicht zu dem Gipfel der führenden Industrieländer eingeladen, der ab Samstag im südfranzösischen Badeort Biarritz beginnt. Dazu erwartet Macron unter anderem US-Präsident Donald Trump, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sowie den britischen Premierminister Boris Johnson. Russland war nach der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim im Jahr 2014 aus dem Kreis ausgeschlossen worden, die G8 wurde damit zur G7.

Macron warb bei dem Treffen mit Putin auf seiner Sommerresidenz auf Fort Brégançon für eine Annäherung an Russland. So betonte der französische Staatschef, Russland sei "europäisch" - trotz aller "Missverständnisse der vergangenen Jahrzehnte". Die EU habe keinen Grund, Moskau den Rücken zu kehren.

"Es ist klar, dass sowohl die Rückkehr zur G8 als auch die Rückkehr zu einem völlig normalisierten Verhältnis zur Europäischen Union eine Lösung der ukrainischen Frage erfordern", erklärte Macron.

Als symbolisches Zeichen kündigte Macron an, er werde im Mai 2020 nach Moskau reisen und dort an den Gedenkfeiern zum 75. Jahrestag des Siegs über Nazi-Deutschland teilnehmen. Nach der Annexion der Krim hatten europäische Staatschefs die Teilnahme an ähnlichen Zeremonien in Russland gemieden.

Putin spricht über möglichen Atomunfall in Russland

Am Rande des Treffens mit Macron wies Putin zudem Sorgen um einen möglichen atomaren Unfall in Russland zurück. Nach einer Explosion im Militärhafen von Sewerodwinsk am Weißen Meer waren sieben Menschen gestorben, anschließend stellten lokale Behörden und Umweltschützer erhöhte Radioaktivität fest.

"Es gibt keine Bedrohung, und es wurden auch keine erhöhten Strahlenwerte gemessen", sagte Putin nun. Die Situation an der Unfallstelle nahe der nordrussischen Stadt Archangelsk sei unter Kontrolle. "Wir sehen dort keine ernsten Veränderungen."

Militärexperten und auch unabhängige Spezialisten seien vor Ort und hätten dies berichtet, sagte Putin. Trotzdem habe man Sicherheitsmaßnahmen getroffen, "um Überraschungen zu vermeiden". Er werde darüber hinaus alle Opfer mit Orden auszeichnen.

Du USA gehen davon aus, dass bei dem Unfall der Marschflugkörper SSX-X9 "Skyfall" explodiert ist. Putin hatte diesen vor einem Jahr als eine Art Wunderwaffe im Rüstungswettlauf mit den Vereinigten Staaten vorgestellt.

mfh/ptz/AFP/dpa



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