Häusliche Gewalt Polizei verweigerte Frau Hilfe - Macron war Zeuge

Der französische Präsident Emmanuel Macron hat häuslicher Gewalt gegen Frauen den Kampf angesagt. Nun war er zugegen, als ein Notruf einging und die französische Polizei der Anruferin nicht half.

Der französische Präsident Emmanuel Macron gab sich während des Gesprächs nicht zu erkennen
Yoan Valat/ AFP

Der französische Präsident Emmanuel Macron gab sich während des Gesprächs nicht zu erkennen


Bei einem Besuch der Zentrale der Notrufhotline für häusliche Gewalt in dieser Woche hörte der französische Präsident Emmanuel Macron laut Medienberichten live zu, als ein Polizist sich weigerte, einer Frau in einer Notsituation zu helfen.

Die 57-jährige Anruferin sagte laut "Guardian" und "Le Monde", ihr Ehemann habe nach Jahren eskalierender Gewalt angedroht, sie zu töten. Sie habe bei der Polizei Anzeige erstattet, aber Angst, nach Hause zu gehen, um einige Dinge zu holen. Deswegen habe sie die Polizei gebeten, sie zu begleiten. Die aber weigerte sich offenbar.

Die Frau befand sich laut den Berichten noch in der Dienststelle der Polizei. Die Beraterin, die den Anruf der Frau entgegennahm, sprach auch mit dem Polizisten und versuchte, ihn zu überzeugen, die Frau zu begleiten. Macron mischte sich nicht in das Gespräch ein und gab sich nicht zu erkennen.

In Frankreich wurden im Jahr 2018 nach Angaben von Aktivistinnen 119 Frauen von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet. Die letzten offiziellen Zahlen stammen aus dem Jahr 2017. Demnach wurden 130 Frauen und 21 Männer von ihren Ex-Partnern oder Partnern umgebracht. In Deutschland wurden im selben Jahr laut der Partnerschaftsgewaltstatistik 141 Frauen und 32 Männer von aktuellen oder ehemaligen Lebensgefährten getötet.

"Wollen Sie warten, bis sie wirklich getötet wird?"

Die Beraterin versuchte mehrfach, den Polizisten zu überzeugen, die Frau zu begleiten. "Sie müssen der Person in Gefahr helfen", sagte sie. Der Polizist aber beharrte darauf, dass er dafür die Erlaubnis eines Gerichts bräuchte.

Macron schüttelte den Kopf und schob der Beraterin eine Notiz zu. Es sei die Aufgabe der Polizei zu beschützen, wenn eine konkrete Gefahr bestehe, mit oder ohne zusätzliche gerichtliche Genehmigung, stand auf dem Zettel. Die Beraterin versuchte weiter, den Polizisten zu überzeugen. "Dieser Frau wird der Tod angedroht, wollen Sie warten, bis sie wirklich getötet wird?", fragte sie. Ohne Erfolg: In den rund 15 Minuten, die die Beraterin mit der Polizei sprach, konnte sie niemanden überzeugen, der Frau zu helfen.

Der Präsident fragte die Beraterin nach dem Gespräch, ob so etwas häufig vorkomme. "Oh ja, es kommt immer häufiger vor", sagte die Beraterin. Den Berichten war nicht zu entnehmen, was mit der Frau geschah, die hilfesuchend zur Polizei gegangen war. Die französische Gendarmerie hat nun eine Untersuchung des Falls angekündigt.

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