Empfang im Weißen Haus Merkels größte Polit-Party

In der Heimat kritisiert, im Ausland gefeiert: Barack Obama lässt Angela Merkel hochleben, ehrt sie mit der höchsten zivilen Auszeichnung der USA. Zum Festdinner gibt es Gemüse aus dem Garten der First Lady, die den Besuch der Kanzlerin "ziemlich cool" findet. Und trotzdem wirkt alles ein wenig steif.

Aus Washington berichtet


Schwarz. Angela Merkels Kleid ist schwarz. Womit auch schon die wichtigste Frage geklärt wäre. Es ist Dienstagabend in Washington und der amerikanische Präsident Barack Obama hat zu Ehren der deutschen Kanzlerin zu einem Staatsbankett ins Weiße Haus geladen.

Merkel steigt aus der schweren Limousine vor dem Hauptportal und wird von Obama und seiner Frau Michelle begrüßt. "Du siehst wunderbar aus heute Abend", sagt Obama zu Merkel, als er sie in ihrem langen Abendkleid sieht. Michelle gibt Merkels Mann Jochim Sauer ein Küsschen. Obama küsst Merkel. Die Party kann beginnen.

Im politischen Leben der Kanzlerin gibt es derzeit wenige wirklich erfreuliche Momente. Miese Umfragen, schlechte Presse, Ärger in der Koalition und mit dem Euro - das alles ist an diesem Abend in Washington weit weg. Angela Merkel erhält als erste Deutsche nach Helmut Kohl die Freiheitsmedaille, die höchste zivile Auszeichnung, die die USA zu vergeben haben. Die Medal of Freedom ist so etwas wie der Oskar der Politik. Vor Merkel haben nicht viele Ausländer diese Ehrung erhalten: Papst Johannes Paul II. gehörte dazu, Nelson Mandela und Helmut Kohl.

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Besuch im Weißen Haus: Die Merkels und die Obamas
Man sieht gleich: Wenn Amerika einlädt, dann richtig. Alles ist perfekt durchgeplant und choreografiert. Das ist keine Selbstverständlichkeit.

Michelles Kräutergarten ist ihr ganzer Stolz

Politiker sind bei Staatsbesuchen in weniger wichtigen Ländern ja einiges Durcheinander gewohnt. Manchmal wird versehentlich die DDR-Hymne gespielt - das passierte dem damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog in Südamerika. Oder das Protokoll des Gastlandes hisst die Flagge Belgiens statt die deutsche - alles schon vorgekommen.

Den Amerikanern kann das nicht passieren. Nichts bleibt beim Staatsdinner zu Merkels Ehren dem Zufall überlassen. Für Washington sind solche Abendessen beim Präsidenten stets ein wichtiges gesellschaftliches Ereignis. Jedes Detail, jeder Fauxpas wird von der Öffentlichkeit genau registriert. Wer steht wo, wann fahren die Autos vor - und natürlich was tragen die Damen? Für die festliche Dekoration des Abends wurde eigens ein Designer beauftragt, der Wände und Tische im Stil des deutschen Bauhauses mit weißen und grauen Tüchern und Glasblöcken verzierte.

Natürlich fragt man sich, ob ein Land mit einer Billionen-Dollar-Staatsverschuldung keine anderen Sorgen hat, doch ein wenig Ablenkung in diesen Krisenzeiten muss wohl sein.

Immerhin wird beim Gemüse gespart: Die Gemüsesorten und Kräuter für das Festdinner stammen aus dem Garten des Weißen Hauses. Michelle Obama hat den Kräutergarten selbst angelegt, er ist ihr ganzer Stolz. Überhaupt freut sich Michelle Obama ganz besonders über den Abend.

Für die US-Presse sind die deutschen Promis völlig unbekannt

Der First-Lady gefällt, dass Deutschland als eines der wichtigsten Länder der Welt von einer Frau regiert wird. Die Ehrung für Merkel ist für sie deshalb auch ein Stück gelebte Gleichberechtigung. "Es ist alles ziemlich cool", entfährt es ihr.

Die Gästemischung im Rosengarten ist deutsch-amerikanisch. Natürlich. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier sitzt da, genauso wie etliche US-Senatoren oder Ex-Google-Chef Eric Schmidt. Allerdings reicht das der US-Presse nicht. "Keine Celebritys da", notieren die Beobachter der US-Polit-Web-Seite Politico enttäuscht. Die deutschen Promis Thomas Gottschalk und Jürgen Klinsmann, die im Tross der Kanzlerin reisen, sind ihnen wohl schlicht nicht aufgefallen. Oder besser gesagt: völlig unbekannt.

Macht nix. Die Besucher aus Deutschland amüsieren sich trotzdem blendend. Auch Guido Westerwelle ist bester Laune, trotz einer kurzen Schrecksekunde. Als die Ehrengäste wie US-Finanzminister Timothy Geithner die Stufen zum Rosengarten herabschreiten, klicken die Kameras der Fotografen. Nur bei Guido Westerwelle klickt gar nichts. Später beim Essen bleibt der Platz neben ihm lange frei, weil seine US-Kollegin Hillary Clinton plötzlich weg ist. Immerhin stößt dann Bertelsmann-Matriarchin Liz Mohn zu Westerwelle und nimmt sich seiner an.

Dann die Verleihung der Freiheitsmedaille, eigentlich ein toller Moment. Doch in Wahrheit geht es nicht viel anders zu als bei der Preisverleihung nach einem x-beliebigen Schützenfest: Rede, Preis, Rede, Händeschütteln. Foto. Nur eben alles eine Nummer größer.

"Angela Merkel hat mich inspiriert"

Obama kann gar nicht oft genug betonen, welche besondere Ehre diese Auszeichnung für Merkel inklusive Staatsbankett darstellt. Offenkundig ist auch dem Präsidenten nicht entgangen, dass es vor allem in Deutschland viel Gerede gibt über sein nicht ganz unkompliziertes Verhältnis zu Angela Merkel.

Aber Obama wäre nicht Obama, wenn er diesen Eindruck nicht perfekt kontern könnte: Er nennt Merkel seine "Freundin", er herzt sie und lobt ihren Aufstieg von der Physikerin aus der DDR zur ersten deutschen Kanzlerin. "Angela Merkel hat als Führungspersönlichkeit Millionen von Menschen inspiriert - auch mich", sagt Obama. Es wirkt wie eine ehrliche Anerkennung. So bleibt der Eindruck, dass sich Merkel und Obama nach diesem Abend, nach ihrem Besuch in Washington vielleicht endlich auch menschlich ein wenig nähergekommen sind.

Merkel weiß, dass die Amerikaner ihre Tellerwäscher-ähnliche Lebensgeschichte vom DDR-Mädchen zur Power-Politikerin lieben. An diesem Abend wird ihr ihre besondere Karriere wohl plötzlich selbst wieder einmal sehr bewusst. "Ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich einmal im Rosengarten stehen würde, um vom US-Präsidenten die Freiheitsmedaille zu erhalten" sagt sie.

Merkel ist übrigens die dritte Deutsche, die seit der Wiedervereinigung in den Genuss eines Staatsbanketts in Washington kommt. Vor ihr wurden Bundeskanzler Helmut Kohl und der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker mit einem solchen Dinner geehrt.

Die Obamas waren bislang eher zurückhaltend, was den Staatspomp angeht. Seit sie im Weißen Haus herrschen, waren lediglich die Staatspräsidenten von China, Mexiko und Indien zum großen Dinner geladen.

Die Zeremonie ist zu Ende. Alle sind ein wenig ergriffen. Obama. Merkel. Die Zuschauer. Ach ja, sagt Obama in die Runde. "Sie dürfen jetzt klatschen."



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Seite 1
unifersahlscheni 08.06.2011
1. ...
...ich glaube Barack lässt sich scheiden und zieht mit Angela zusammen.
gambio 08.06.2011
2. Schleimer Obama
Zitat von sysopIn der Heimat kritisiert, im Ausland gefeiert: Barack Obama lässt Angela Merkel hochleben, ehrt sie mit der höchsten zivilen Auszeichnung der Vereinigten Staaten. Zum Festdinner gibt es Gemüse aus dem Garten der First Lady, die den Besuch der Kanzlerin "ziemlich cool" findet. Und trotzdem wirkt alles ein wenig steif. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,767261,00.html
Die großen Komplimentemacher sind gewöhnlich voll Affektiertheit, besonders wenn ihre Komplimente sich an mittelmäßige Menschen richten.
famulus 08.06.2011
3. Angie, you look so wonderful to night!
Hoffentlich musste Obama nicht - wie im Song von Eric Clapton - den Autoschlüssel an Angie abgeben, weil er nicht mehr selbst fahren konnte. Besser als mit diesem Spruch und der Demonstration von Michelles Gemüsegarten konnte man Angie nicht verspotten. Wenn einem nicht mehr einfällt als diese Phrasen und die Reduzierung auf einen Begutachter von Michelles Kräutern, dann hat man sich auch schon damit abgefunden, dass man Angie wohl nicht nochmals als Kanzlerin in Washington sehen wird.
green_mind 08.06.2011
4. Deutschlands Nein zum Libyen-Einsatz
Zitat von sysopIn der Heimat kritisiert, im Ausland gefeiert: Barack Obama lässt Angela Merkel hochleben, ehrt sie mit der höchsten zivilen Auszeichnung der Vereinigten Staaten. Zum Festdinner gibt es Gemüse aus dem Garten der First Lady, die den Besuch der Kanzlerin "ziemlich cool" findet. Und trotzdem wirkt alles ein wenig steif. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,767261,00.html
Anscheinend bleibt Frau Merkel ja beim Nein zum Militäreinsatz gegen Libyen. Und es war wohl Obamas Absicht gewesen, mit all dem Pomp ihre Meinung zu ändern. Glück für uns, dass wir bei diesem vergeblichen Einsatz weiterhin nicht mitmachen müssen. Und Pech für die restlichen am Einsatz Beteiligten. Aber was sind das für unbestätigte Meldungen über abgeschossene Kampfhubschrauber in Libyen? Und die Nato hat in Tripolis eine friedliche Versammlung bei Gaddafis Wohnhaus bombardiert, weil sie ihn aufgrund einer Audio-Botschaft dort vermutet hat? Mit Toten und Verletzten? Die Nato bombardiert also friedliche Demonstranten? Genau das, was Gaddafi vorgeworfen wurde... Hilfe, wie kann dieser Wahnsinn gestoppt werden?!
frubi 08.06.2011
5. .
Zitat von sysopIn der Heimat kritisiert, im Ausland gefeiert: Barack Obama lässt Angela Merkel hochleben, ehrt sie mit der höchsten zivilen Auszeichnung der Vereinigten Staaten. Zum Festdinner gibt es Gemüse aus dem Garten der First Lady, die den Besuch der Kanzlerin "ziemlich cool" findet. Und trotzdem wirkt alles ein wenig steif. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,767261,00.html
Futter für die Massen. Mehr nicht. Ein lächerliches Schauspiel. Eine Friedensmedaillie für eine Kanzlerin, die bisher zu keiner Zeit gezeigt hat, dass ihr Freiheit wichtig sei. Hauptsache Sie hat ein Amt. Der Rest zählt doch nicht. Wenn Sie wirklich eine Person des Friedens wäre, dann würde Sie Deutschland entsprechend aufstellen und z. B. Waffenproduktionen, Spekulationen auf Nahrungsmittel aus Deutschland heraus und vor allem die Unterstützung von Despoten unterbinden.
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