Empörung in den USA Republikanerin findet Schwule gefährlicher als Terroristen

Mit einem absurden Vergleich hat eine US-Republikanerin die amerikanische Schwulen-Bewegung gegen sich aufgebracht: Die Abgeordnete Sally Kern ist der Meinung, dass Homosexualität für ihr Heimatland gefährlicher ist als der internationale Terrorismus.


Oklahoma - Die Republikanerin aus dem US-Staat Oklahoma bezeichnete Homosexualität als größte Bedrohung für die Vereinigten Staaten. "Die homosexuelle Agenda zerstört dieses Land, das ist einfach eine Tatsache", erklärte Sally Kern vor republikanischen Parteikollegen. Kerns Äußerungen landeten im Internet, die Schwulen-Bewegung reagierte empört. In Kerns Büro gingen Tausende E-Mails ein, in denen sie heftig kritisiert wurde. Die Abgeordnete erhielt sogar Todesdrohungen.

Republikanerin Sally Kern aus Oklahoma: "Todesstoß für unser Land"
AP

Republikanerin Sally Kern aus Oklahoma: "Todesstoß für unser Land"

"Studien zeigen, dass keine Gesellschaft, die Homosexualität vollständig angenommen hat, mehr als ein paar Jahrzehnte überdauert hat", erklärte Kern in den Videoausschnitten. "Also ist es der Todesstoß für unser Land." Sie glaube, dass Homosexualität eine größere Bedrohung für die USA sei als "Terrorismus oder Islam".

Die ehemalige Lehrerin stieß in ihrem Wahlkreis in Oklahoma auf Unterstützung der Republikaner. Der demokratische Gouverneur Brad Henry erklärte dagegen, Kerns Äußerungen repräsentierten nicht die Ansichten der Einwohner von Oklahoma.

Kern habe mit ihren Behauptungen Homosexuelle auf schlimmste Weise entmenschlicht, sagte ein Sprecher der Schwulenorganisationen Gay and Lesbian Victory Fund, Denis Dison. Die Gruppe befürchtet, dass solche Äußerungen zu Gewalt gegen Homosexuelle führen könnten.

23.000 Wut-E-Mails

Die umstrittene Abgeordnete führt seit Jahren einen Feldzug gegen die Homosexualität. Sie versuchte erfolglos, Kinderbücher aus den Bibliotheken zu entfernen, in denen Homosexualität angesprochen wird. Sie erklärte, Schulkinder würden von Schwulenaktivisten indoktriniert.

In Kerns Büro gingen innerhalb weniger Tage mehr als 23.000 E-Mails ein. In den meisten wurden ihre Äußerungen scharf kritisiert. Die lesbische Moderatorin Ellen DeGeneres rief aus ihrer Talkshow in Kerns Büro an.

"Hi, ich bin Ellen DeGeneres, die Homosexuelle", sagte sie am Telefon. Sie wolle Kern über einige Falschinformationen aufklären, denen Kern offensichtlich aufgesessen sei. "Ich versuche herauszufinden, welche Gesellschaft verschwunden ist, von der ich nichts weiß." Kern lehnte ein Gespräch mit der Moderatorin ab.

Ron Jenkins, AP



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