Ende der Ära Blair Queen ernennt Brown zum neuen Premier

Nach zehn Jahren ist die Ära Blair in Großbritannien vorbei. Blair verabschiedete sich im Unterhaus mit den Worten: "Lebt wohl. Das war's. Das ist nun das Ende." Sein Nachfolger Gordon Brown kündigte bereits "neue Prioritäten" an.


London - Königin Elizabeth II. beauftragte Brown im Londoner Buckingham-Palast mit der Regierungsbildung. Tony Blair hatte zuvor bei der Queen nach zehn Jahren im Amt seinen Rücktritt eingereicht. "Ich habe die Einladung der Queen angenommen", sagte Brown an der Seite seiner Frau Sarah. Er will morgen seine neue Regierung bekannt geben.

Ehepaar Brown: Neue Bewohner in Downing Street 10
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Ehepaar Brown: Neue Bewohner in Downing Street 10

Brown kündigte die Bildung einer "neuen Regierung mit neuen Prioritäten" an. "Lasst uns die Arbeit des Wechsels beginnen", sagte er nach seiner Ernennung durch die Queen. "Zu jeder Zeit werde ich stark, standfest und zielgerichtet für die Anliegen der britischen Bevölkerung eintreten", gelobte Brown. Er wolle den Wünschen des ganzen Landes gerecht werden. Anschließend zog er in den Amtssitz Downing Street 10 ein.

Beim Verlassen des Buckingham-Palastes hatten Blair und seine Frau Cherie den wartenden Journalisten zugewinkt. Bei einem letzten Auftritt als Premierminister im Londoner Unterhaus hob Blair zuvor besonders den gefährlichen Einsatz britischer Soldaten im Irak und in Afghanistan hervor. Anschließend fuhr er zum letzten Mal in die Downing Street, wo seine persönliche Habe in Umzugswagen gepackt wurde. Blair fuhr nach der Begegnung mit der Queen in seinen nordenglischen Wahlkreis, um den Parteifreunden Auskunft über seine weitere Zukunft zu geben.

Der Parteichef der Konservativen, David Cameron, würdigte im Unterhaus die "bedeutenden Errungenschaften" Blairs: Explizit erwähnte der Tory-Politiker den Friedensprozess in Nordirland und die Entwicklungspolitik. "Ich bin sicher, das Leben unter den Augen der Öffentlichkeit war für seine Familie manchmal hart", gestand Cameron ein. "Deswegen wünsche ich ihm und seiner Familie im Namen meiner Partei alles Gute und wir wünschen ihm viel Erfolg bei allem, was er in der Zukunft tun wird." Blair schloss die Sitzung im Parlament mit den Worten: "Lebt wohl, das war's, das ist nun das Ende."

Blair hat nach Angaben des irischen Regierungschefs Bertie Ahern bereits eine Berufung zum neuen internationalen Nahost-Beauftragten angenommen. Er habe mit Blair telefoniert, "und dies ist genau das, was er tun wird", sagte Ahern am Mittwoch in Dublin. Eine offizielle Ernennung Blairs durch das Nahost-Quartett aus EU, Uno, den USA und Russland stand aber zunächst noch aus.

Nach dem Ende der Ära Blair will Brown das durch den Irak-Krieg beschädigte Vertrauen der Öffentlichkeit in die Regierung wiederherstellen. Der 56-jährige Schotte steht außerdem vor der Herausforderung, die Position der Labour-Partei gegen die wieder erstarkten Konservativen zu behaupten.

Der Machtwechsel in Downing Street 10 wird von einer neuen Umfrage begleitet, nach der die konservative Opposition erstmals seit Wochen bei den Wählern wieder einen leichten Vorsprung vor der regierenden Labour-Partei hat. Danach würden sich 37 Prozent für die Konservative Partei entscheiden und 36 Prozent für Labour.

als/AP/dpa



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