Ende des Hausarrests Burmas Junta lässt Regimekritikerin Suu Kyi frei

Burmas Militärs haben eingelenkt: Die Oppositionspolitikerin Aung San Suu Kyi ist frei. Die Friedensnobelpreisträgerin zeigte sich Anhängern am Tor ihres Hauses. Dieses hatte sie jahrelang nicht verlassen dürfen. Die 65-Jährige kündigte eine Fortsetzung ihrer politischen Arbeit an.


Rangun - Sieben Jahre stand Aung San Suu Kyi unter Hausarrest. Seit Samstag ist die burmesische Oppositionsführerin nun endlich frei. Sie wurde nach Angaben eines Regierungsvertreters aus ihrem jahrelangen Hausarrest entlassen. Ihr sei die Entscheidung verlesen worden. "Sie ist nun frei", sagte ein Regierungsvertreter, der namentlich nicht genannt werden wollte.

Die Friedensnobelpreisträgerin zeigte sich kurz nach Bekanntwerden der Freilassung ihren Anhängern. Die 65-Jährige erschien lächelnd und winkend in Rangun am Tor ihres Hauses, in dem sie jahrelang abgeschnitten von der Außenwelt leben musste. Vor dem Grundstück des Gebäudes hatten sich Tausende Menschen versammelt. "Das Volk muss geschlossen zusammenarbeiten. Nur so können wir unser Ziel erreichen", rief Suu Kyi ihren Anhängern zu. "Wir haben noch eine Menge zu tun."

Sie ließ erkennen, dass sie ihr politisches Engagement weiterverfolgen möchte. Denn Suu Kyi versprach ihren Anhängern, sie würden sich am Sonntag in der Parteizentrale der Oppositionspartei Nationale Liga für Demokratie (NLD) treffen. Bereits am Samstag kamen Parteifreunde in das Haus der Politikerin.

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Burmas Oppositionelle: Freude über die Freilassung von Suu Kyi
Der jüngste Hausarrest der Politikerin endete offiziell am Samstag. Ihre Unterstützer hatten jedoch befürchtet, dass die Militärregierung ein neues Verfahren gegen sie anstrengen würde. Nachdem bekannt wurde, dass Suu Kyi tatsächlich frei kommt, stürmten Tausende Anhänger der Politikerin auf ihr Haus zu, feierten und sangen die Nationalhymne. Suu Kyis Anwalt und ein Arzt besuchten die 65-Jährige unmittelbar nach ihrer Freilassung.

Die Polizei hatte kurz zuvor die Absperrungen vor dem Gebäude entfernt. Bereits zuvor demonstrierten viele Menschen vor dem Grundstück für ein Ende des Hausarrests und skandierten Parolen wie "Freiheit für Aung San Suu Kyi" oder "Lang lebe Aung San Suu Kyi".

Politiker weltweit freuen sich über die Freilassung

Burma wird von einer Militärjunta regiert. Diese hat zeitgleich mit der Freilassung von Suu Kyi die Sicherheitsvorkehrungen in Rangun verschärft. An vielen Orten fuhren Lastwagen mit Bereitschaftspolizisten vor, wie oft in Burma während politischer Spannungen.

Die charismatische Politikerin Suu Kyi ist mit ihrem Kampf für Demokratie zu einer weltweit bekannten Freiheitsheldin geworden. Sie hat von den vergangenen 21 Jahren nur sechs in Freiheit verbracht. 15 Jahre saß sie entweder im Gefängnis oder stand unter Hausarrest. Damit wollte die Militärjunta die populäre Oppositionsführerin unter Kontrolle halten.

Politiker weltweit zeigten sich erleichtert über die Freilassung. "Aung San Suu Kyi ist eine Symbolfigur für den weltweiten Kampf für die Verwirklichung der Menschenrechte", erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel. "Ihre Gewaltlosigkeit und Unnachgiebigkeit haben sie zu einem bewunderten Vorbild werden lassen." Merkel appellierte zugleich an die Militärmachthaber in Burma, auch die weiteren politischen Gefangenen in dem Land freizulassen. Deren Zahl wird auf etwa 2000 geschätzt.

An den Parlamentswahlen am vergangenen Wochenende durfte Suu Kyi nicht teilnehmen. Kritiker halten den Urnengang für eine Farce, mit der sich die Militärregierung eine Legitimation verschaffen will. Eine der Junta genehme Partei bekam eine Mehrheit in beiden Kammern des Parlaments.

Jahrelanges Leben in Isolation

Suu Kyis Partei Nationale Liga für Demokratie (NLD) hatte die vorherigen Wahlen vor 20 Jahren gewonnen, die Militärführung des südostasiatischen Landes erkannte den Sieg jedoch nie an. 1991 war Suu Kyi für ihren stillen und gewaltlosen Widerstand gegen das Regime mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. Auch während ihrer Gefangenschaft blieb sie in ihrer Heimat sehr populär.

Als Suu Kyi 2002 zuletzt auf freiem Fuß war, versammelten sich bei jedem ihrer öffentlichen Auftritte zahlreiche Menschen. Seit ihrer erneuten Inhaftierung im Jahr 2003 lebte sie abgeschnitten von der Außenwelt ohne Telefon oder Internetanschluss in ihrem Haus in Rangun. Als vergangenes Jahr ein Ende des Arrests bevorstand, verlängerte die Junta Suu Kyis Freiheitsstrafe um 18 weitere Monate, nachdem ein US-Bürger ungebeten in ihr Haus eingedrungen war.

Suu Kyi hatte bisher kein Telefon und kein Internet. Nur ein Radio verband sie mit der Außenwelt. Lebensmittel wurden ihr von der Polizei gebracht, Besuch durfte sie nicht empfangen. Ihr Haus an einem See in Rangun wurde von Hunderten Polizisten bewacht, die Straße war für den Verkehr gesperrt, auf dem Wasser kreisten Boote der Sicherheitsleute.

Auch ihre Söhne durften Suu Kyi nicht besuchen

Suu Kyi ist die Tochter von General Aung San. Dieser war ein Held des burmesischen Unabhängigkeitskampfs. Die Unbeugsamkeit der Politikerin führen jene, die ihr nahestehen, auf ihren tiefen buddhistischen Glauben, ihre rigorose Selbstdisziplin und den prägenden Einfluss ihrer Eltern zurück.

Suu Kyi wurde eher zufällig in die Politik verwickelt. Zum Studium ging sie 1960 zuerst nach Neu-Delhi, dann nach Oxford. Zeitweise arbeitete sie für die Vereinten Nationen in New York, bevor sie 1972 ihren britischen Mann heiratete, den Tibetologen Michael Aris. 1988 flog Suu Kyi zurück in ihre Heimatstadt Rangun, um ihre todkranke Mutter zu pflegen. Damals gab es heftige Proteste gegen die Junta, bei denen sich Suu Kyi engagierte. Damit wurde sie die Führungsfigur und Ikone der Demokratiebewegung.

Als ihr Mann 1999 in Großbritannien im Sterben lag, besuchte sie ihn nicht mehr. Sie hatte Angst, die Generäle würden sie nicht wieder in ihre Heimat einreisen lassen. Ihre beiden Söhne hat Suu Kyi zuletzt im Jahr 2000 gesehen. Den Söhnen wurde die Staatsbürgerschaft Burmas entzogen und die Einreise verboten.

als/mmq/AFP/dpa/Reuters/AP

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Seite 1
Layer_8 13.11.2010
1. hmm
Zitat von sysopBurmas Militärs haben eingelenkt: Die Oppositionspolitikerin Aung San Suu Kyi ist frei. Die frühere Friedensnobelpreisträgerin hatte mehr als 15 der vergangenen 21 Jahre entweder im Gefängnis oder unter Hausarrest verbracht. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,728980,00.html
So, und nun ist es Zeit für die Dame das Land zu verlassen. Sie hat sich weißgott genug geopfert für das Wohl ihres Volkes. Sie kann vielleicht viel mehr aus dem Exil leisten. Von mir aus kann sie auch erstmal bei mir wohnen, aber das wird sie wohl nicht brauchen. Sie könnte ja nach Indien ziehen wo ja auch andere Leute Exil gefunden haben, welche sich um das Wohl ihrer Völker kümmern, welche direkt (Tibet) oder indirekt (Burma) unter der chinesischen Ägide leiden. Was wäre denn die burmesische Junta ohne China als Unterstützer?
mr.tommi 13.11.2010
2. Weg aus B.?
Vielleicht sollte sie wirklich versuchen das Land zu verlassen. Lange werden sich die Generäle ihr "Treiben" nicht ankucken. Andererseits schätze ich Suu Kyi so ein das sie jetzt erst recht kämpfen wird und das Ergebnis wird dasselbe sein wie zuvor - Haft?, Hausarrest? oder ein unglücklicher Zufall der sie dann leider das Leben kostet.
derlabbecker 13.11.2010
3. sie sitzt doch eh bald wieder...
... und hat bestimmt einen Stasi Aufpassertross von 50 Leuten um sich. Oder meint wirklich irgendeiner die lassen die jetzt wieder kräftig Opposition machen, bei dem Zulauf an Sympathisanten?
enilek 13.11.2010
4. Sie wird bleiben
Soweit ich weiss, konnte ASSK immer das Land verlassen und das war der Wunsch der Junta. Sie hat sich dagegen entschieden und ist unter Hausarrest geblieben. Verlässt sie das Land wird sie nicht zurÜckkehren können.
blob123y 13.11.2010
5. Ich bin ueberzeugt dass dieser ganze Konflikt
schon vor wenigstens 10 Jahren zu Ende gegangen waere, in Myanmar heute einigermassen Demokratie waere usw. wenn die Englaender und Amis die Myanmars nicht fortwaerend "vorfuehren" und aergern wollten plus einen Kotau der Militaers sehen wollten. Hilfreicher waere auch gewesen wenn die Fr. Suu Kyi etwas flexibler gewesen waere. Die Amis und Englaender haben die Tour mit der Friedensnobelpreisperson schon einmal in Suedafrika durchexerziert dort hatten die dann erfolg, jedoch was die Cleverlinge nicht bedachten, die Myanmar militaers sind keine Suedafrikaner.
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