Ende des Irak-Kriegs Obama kündigt massive Hilfe für US-Wirtschaft an

Über 4400 tote US-Soldaten und mehr als eine Billion Dollar Kriegskosten: Mit dieser Bilanz hat Barack Obama den Kampfeinsatz im Irak offiziell für beendet erklärt. Wichtigste Aufgabe sei es nun, die heimische Wirtschaft anzukurbeln, kündigte der Präsident in seiner Rede an die Nation an.


Washington - Er saß am selben Schreibtisch, von dem aus sein Vorgänger George W. Bush 2003 den Beginn des Irak-Kriegs bekanntgegeben hatte. Siebeneinhalb Jahre später hat US-Präsident Barack Obama in einer etwa 18 Minuten langen Rede an die Nation den Kampfeinsatz offiziell für beendet erklärt. Er gedachte der mehr als 4400 gefallenen Amerikaner und der 34.000 Verwundeten. "Das irakische Volk hat jetzt die Verantwortung für die Sicherheit seines Landes", sagte Obama im Weißen Haus. Nun müssten die USA die wirtschaftlichen Probleme im eigenen Land anpacken.

"Unser Kampfeinsatz ist beendet, nicht jedoch unsere Verpflichtung für die Zukunft des Iraks", versicherte Obama. Die USA würden dem Irak immer ein starker Partner sein. Nach dem Abzug der letzten US-Kampftruppen bleiben noch knapp 50.000 amerikanische Soldaten im Irak stationiert. Sie sollen sich auf die Ausbildung der irakischen Streitkräfte konzentrieren. Bis Ende kommenden Jahres sollen alle US-Truppen das Land verlassen haben, wie Obama bekräftigte.

"Heute Nachmittag habe ich mit dem früheren Präsidenten Bush gesprochen", sagte Obama, der den Feldzug von Anfang an abgelehnt hatte. "Es ist bekannt, dass er und ich im Hinblick auf diesen Krieg von Anfang an unterschiedlicher Meinung waren." Allerdings könne niemand Bushs Unterstützung für die Truppen, seine Vaterlandsliebe oder seinen Einsatz für die Sicherheit der USA in Zweifel ziehen.

Größte Herausforderung für die nationale Sicherheit sei der Kampf gegen das Terrornetzwerk al-Qaida, erklärte Obama. "Wir werden al-Qaida zerstören, demontieren und besiegen und verhindern, dass Afghanistan wieder zu einem Stützpunkt für Terroristen werden kann", kündigte der Präsident an. Der Abzug aus dem Irak schaffe Kapazitäten für den Einsatz in Afghanistan. Doch auch diese Mission sei nicht von unbegrenzter Dauer, versprach der US-Präsident: Ab August kommenden Jahres solle die Verantwortung schrittweise an die Afghanen übergeben werden. Der Zeitplan für den Truppenabzug hänge von der Situation vor Ort ab.

"Abhängigkeit von ausländischem Öl beenden"

Als zentrale Aufgabe kündigte Obama wenige Wochen vor den Kongresswahlen die Wiederherstellung der amerikanischen Wirtschaft an. "Amerika war willens, die Last zur Förderung von Freiheit und Menschenwürde im Ausland zu tragen, aber wir haben verstanden, dass die Stärke und der Einfluss unserer Nation tief in unserem Erfolg zu Hause verankert sein muss", sagte der US-Präsident. Die "dringlichste Aufgabe" sei nun der wirtschaftliche Aufschwung, damit Millionen von US-Bürgern wieder einen Job fänden.

"Wir haben mehr als eine Billion Dollar im Krieg ausgegeben, häufig finanziert mit geliehenem Geld aus dem Ausland." Dies habe notwendige Investitionen im eigenen Land verknappt und zu Rekordschulden beigetragen. Nun müssten diese Probleme in Angriff genommen werden. "Wir müssen der Industrie, die Arbeitsplätze schafft, Starthilfe geben und unsere Abhängigkeit von ausländischem Öl beenden."

Bei den Kongresswahlen am 2. November wird über ein Drittel des Senats und das gesamte Repräsentantenhaus entschieden. Es wird mit einem Sieg der Republikaner gerechnet. In einer am Montag veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Gallup hatten sie einen historischen Vorsprung in der Wählergunst von zehn Prozentpunkten. Obamas Demokraten kamen demnach auf eine Zustimmungsrate von 41 Prozent, die gegnerischen Republikaner auf 51 Prozent.

als/dpa/apn/AFP

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efka 01.09.2010
1. Marionette
Glückwunsch! Bei diesem Foto sieht man förmlich die Fäden, an denen diese Marionette hängt. Und wie immer sieht man die nicht die die Fäden in der Hand haben. Weltpolitik a la Karikatur Wake up - Michel - bevor es WIEDER zu spät ist. WIR haben ja auch so Marionetten tanzen. Guten Morgen
Crass Spektakel 01.09.2010
2. 0,3% des BNP
Zitat von sysopÜber 4400 tote US-Soldaten und mehr als eine Billion Dollar Kriegskosten: Mit dieser Bilanz hat Barack Obama den Kampfeinsatz im Irak offiziell beendet. Wichtigste Aufgabe sei es nun, die heimische Wirtschaft anzukurbeln, kündigte der Präsident in seiner Rede an die Nation an. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,714996,00.html
Recherche, Recherche, Recherche, und nicht nur an die Buzzwords denken. Die Billion sind die GESAMTEN US-Militärausgaben seit 2001, also inklusive normalem Verteidigungshaushalt und weiteren Operationen in Asien, Europa und Afrika. Betrachtet man "nur" die Mehrkosten dann bleiben 400 Milliarden US-Doller für den Irak-Einsatz. Rechnet man das auf das US-BNP über siebeneinhalb Jahre um dann hat der Irak-Krieg 0,3% des US-BNP gekostet. Zum Vergleich, Vietnam kostete 12%, der zweite Weltkrieg 45%. So gesehen wars ein Zwergerlkrieg.
Frank Wagner, 01.09.2010
3. Leider
hört der Artikel da auf, wo es interessant wird. Er ist doch sicher auf die Fragen eingegangen wo das Geld für die Projekte her kommen soll und wie genau die USA das Ziel erreichen wollen, sich von ausländischem Öl unabhängig zu machen. Ich halte das für schlichtweg unmöglich..auch für uns, aber zumindest den Weg dort hin für extrem wichtig.
phantom62 01.09.2010
4. Viel Glück...
...kann man Obama nur wünschen auf seinem Weg für ein umweltfreundlicheres, sozialeres und toleranteres Amerika. Nur leider scheint ein Großteil der US-Bevölkerung diesen richtigen Weg nicht mehr erkennen zu wollen. Zu sehr wird wohl seine Politik nur an wirtschaftlichem Erfolg gemessen, was aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit nur zum Teil verständlich scheint. Aber anscheinend haben viele die zwei unseligen Perioden mit einem unfähigen, korrupten, intoleranten und reaktionären Präsidenten der Republikaner wieder vergessen, der das Land in ein Rekorddefizit getrieben hat. Nun sollte eigentlich mindestens ebenso lange ein demokratischer Präsident Gelegenheit haben, den Karren wieder aus dem Dreck zu ziehen. Aber das republikanische Gespenst, dieses Mal in Person von Sarah Palin, fischt schon wieder kräftig in der Wählerschaft der politisch schlecht Gebildeten, der Egoisten, der Intoleranten, der religiös Verblendeten und der Nationalisten. Und dies offenbar leider mit Erfolg. Merke: Das "Schlechte" ist immer und überall. Good Luck, Obama!
goodand 01.09.2010
5. Sie Witzbold!
Zitat von Crass SpektakelRecherche, Recherche, Recherche, und nicht nur an die Buzzwords denken. Die Billion sind die GESAMTEN US-Militärausgaben seit 2001, also inklusive normalem Verteidigungshaushalt und weiteren Operationen in Asien, Europa und Afrika. Betrachtet man "nur" die Mehrkosten dann bleiben 400 Milliarden US-Doller für den Irak-Einsatz. Rechnet man das auf das US-BNP über siebeneinhalb Jahre um dann hat der Irak-Krieg 0,3% des US-BNP gekostet. Zum Vergleich, Vietnam kostete 12%, der zweite Weltkrieg 45%. So gesehen wars ein Zwergerlkrieg.
Mag sein, dass der SPON manchmal schlampig recherchiert, aber wenn man mit dem Finger auf andere zeigt, dann sollte man schon vorsichtig sein. Der Verteidigungsetat der USA beträgt seit 2001 gemittelte ca. 450 Mrd Dollar. Da komme ich für 9 Jahre auf Kosten. Und die 1 Billion sind noch die offizielle Version. Stiglitz geht bis 2008 (!) von ca. 3 Billionen aus. Also bitte erst informieren, dann meckern und nicht schon vorher Unqualifiziertes von sich geben!! MfG, goodand
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