Endspurt zum Elysée Bayrou setzt zur Aufholjagd an

Fünf Tage vor dem ersten Wahlgang kämpfen Frankreichs Präsidentschaftskandidaten um die unentschlossenen Wähler. Zentrist Francois Bayrou fällt in den Umfragen zurück. Doch das entmutigt den Mann zwischen den Fronten nicht.

Von , Lyon


Rund 8000 Fans auf dicht gedrängten Rängen, rhythmisches Klatschen, Sprechchöre und La-Ola-Wellen – im Oval des Sportpalastes von Lyon herrscht die kochende Stimmung, die sonst bei Rockkonzerten und Basketballturnieren angesagt ist.

Zentrist Francois Bayrou in Lyon: "Ich bin hier das 'missing link' und der Einzige, der eine wahre Wende verkörpert"
REUTERS

Zentrist Francois Bayrou in Lyon: "Ich bin hier das 'missing link' und der Einzige, der eine wahre Wende verkörpert"

Auf der in rotem Licht getauchten Bühne, drei, vier Dutzend Jugendliche – eine Art repräsentativer Durchschnitt von Frankreichs Zukunft und auf Videoleinwänden ein Bilderreigen, der die Herkunft und Bodenständigkeit des Kandidaten Francois Bayrou unterstreichen soll: Der Führer von Frankreichs Zentristen, Abgeordneter und Landwirt aus der Südwestregion des Bearn, tritt auf als Hoffnung für ein "Frankreich aller Kräfte".

"Eine Woge des Wechsels" macht der Chef der "Union de la France" (UDF) aus und spricht hoffnungsvoll vom Wahlerfolg: "Wie kann man daran zweifeln angesichts dieses Engagements", ruft Bayrou seinen Anhängern zu, der, nur noch fünf Tage vor der Wahl, die Unterstützung aller UDF-Mitglieder einfordert.

"Zwischen den großen Strömungen der Konservativen und der Sozialisten fehlt es in Frankreich an wahren Demokraten", so Bayrou, dessen Umfragewerte an diesem Tag auf 17 Prozent zurückgefallen sind – hinter Nicolas Sarkozy von der regierenden UMP (30 Prozent) und hinter Ségolène Royal (26 Prozent), die Kandidatin der Sozialisten (PS). "Ein Land vermag mehr", predigt Bayrou, "wenn es in der Mitte verankert ist. Ich bin hier das ‚missing link’, das fehlende Glied, und der Einzige, der eine wahre Wende verkörpert."

Anhänger mobilisieren, Unentschiedene binden

Bayrous Werben für eine "nützliche Stimme" bezieht sich auf die Eigenheit des französischen Wahlsystems: Denn die zwölf Kandidaten, die am kommenden Sonntag auf den Stimmzetteln erscheinen, bestreiten lediglich die erste Runde eines Präsidentschaftswahlkampfs, der erst am 6. Mai entschieden wird – wenn die beiden Spitzenkandidaten in die Endausscheidung gehen. Deshalb versucht nicht nur der UDF-Mann Bayrou, sondern auch Ex-Innenminister und UMP-Chef Sarkozy, ebenso wie Ségolène Royal oder auch Jean-Marie Le Pen, der Führer des rechtsextremen "Front National" (FN), die eigenen Anhänger zu mobilisieren und zugleich die noch unentschiedenen Franzosen an sich zu binden.

Dabei sind alle Mittel recht. Sarkozy zielt mit unverhohlenen Anleihen an die patriotischen Parolen auf die Klientel des FN, PS-Frau Royal wirbt mit ausgestreckter Hand um die Gunst der kommunistischen und trotzkistischen Wähler, während Le Pen an Frankreichs Rechte appelliert, nicht der "Imitation Sarkozy" zu erliegen, sondern gleich für die Stimmen der "Front National" zu stimmen. Sarkozy sei lax bei der Frage der Immigration und sein Eintreten für die "positive Diskriminierung" in Wahrheit "eine Bevorzugung der Fremden".

Le Pen glaubt sogar an eine Wiederholung der Überraschung von 2002, als er beim ersten Wahlgang den Sozialisten Lionel Jospin aus dem Rennen warf. Dieses Mal, so der Rechtsextremist, wird der ehemalige Innenminister, den er obendrein noch als "politisches Gesindel" beschimpft, bei der Wahl am Sonntag ausscheiden: "Sarkozy wird der Jospin von 2007." Da ist offenbar der Wunsch Vater des Gedankens.

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