England-Besuch Sarkozy will mehr Soldaten nach Afghanistan schicken - unter Vorbehalt

Den Gastgebern dürfte es gefallen haben: Frankreichs Präsident Sarkozy hat im englischen Parlament mehr Unterstützung in Afghanistan zugesagt - er will zusätzliche französische Soldaten an den Hindukusch schicken. Allerdings stellt Sarkozy dafür Bedingungen.


London - Sein Auftritt im englischen Parlament war wohl durchdacht: Um die politischen Beziehungen zwischen Paris und London zu verbessern, hatte Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy seinen Gastgebern eine willkommene Ankündigung mitgebracht - er will zusätzliche französische Truppen nach Afghanistan schicken. England trägt gemeinsam mit den USA und Kanada die Hauptlast im Kampf gegen die Taliban.

Frankreich hat derzeit etwa 1600 Soldaten in Afghanistan stationiert. Der größte Teil ist in der relativ ruhigen Hauptstadt Kabul im Einsatz.

Sarkozy im englischen Parlament: Frankreich wird gegebenenfalls seine Präsenz in Afghanistan verstärken
REUTERS

Sarkozy im englischen Parlament: Frankreich wird gegebenenfalls seine Präsenz in Afghanistan verstärken

Zu konkreten Zahlen wollte sich Frankreichs Staatsoberhaupt nicht äußern. Dafür stellte er Bedingungen für die mögliche Aufstockung der Truppen. "Frankreich hat seinen Verbündeten in der nordatlantischen Allianz eine Strategie vorgeschlagen, die den afghanischen Menschen und ihrer rechtmäßige Regierung ermöglicht, Frieden zu schaffen", sagte Sarkozy bei seiner Rede vor beiden Kammern des britischen Parlaments. "Sollten diese Vorschläge angenommen werden beim anstehenden Nato-Gipfel in Bukarest, wird Frankreich vorschlagen, seine militärische Präsenz auszubauen." Es sei nicht akzeptabel, dass "die Taliban und al-Qaida nach Kabul zurückkehren".

Auch zu einem anderen aktuellen Thema hatte Sarkozy vor den Abgeordneten etwas zu sagen: Er rief in der Tibet-Krise zu einem Dialog zwischen der chinesischen Regierung und dem Dalai Lama auf. Dazu müssten Frankreich und England gegenüber Peking die Botschaft der Menschenrechte und der kulturellen Identität betonen. Eine Lösung des Tibet-Problems sei nur durch Gespräche zwischen Chinas Regierung und dem Führer der Exil-Tibeter zu erreichen.

Zuvor war Sarkozy mit seiner Gattin Carla Bruni-Sarkozy von Prinz Charles und dessen Ehefrau Camilla auf dem Flughafen Heathrow offiziell zu einem zweitägigen Staatsbesuch empfangen worden. Danach wurden die Gäste aus Frankreich von Königin Elisabeth auf Schloss Windsor feierlich begrüßt.

Sarkozy beschwor die traditionelle Freundschaft zu England. "Ich wünsche mir eine neue französisch-britische Brüderlichkeit", sagte er zum Auftakt eines Staatsbesuchs. Am Donnerstag kommt Sarkozy zu Gesprächen mit Premier Gordon Brown zusammen.

In der BBC schlug Sarkozy am Mittwoch eine enge Zusammenarbeit der Rüstungsindustrien beider Länder vor. Darüber hinaus sollten Frankreich und Großbritannien in der Zuwanderungspolitik kooperieren und die USA drängen, etwas zur Stärkung des Dollar zu unternehmen.

Vor dem Hindergrund der globalen Kreditmarktkrise will Sarkozy gemeinsam mit Brown die Banken zu einer umfassenden Offenlegung ihrer Abschreibungen auffordern, wie Regierungsvertreter mitteilten. Beide wollen sich zudem für eine Reform des Uno-Sicherheitsrats aussprechen. Auf der Agenda steht auch eine mögliche Beteiligung Frankreichs am Bau neuer britischer Atomkraftwerke.

Der von Sarkozy angestrebte neue Schulterschluss mit den Briten hat Experten zufolge seinen Grund auch darin, dass das Verhältnis des Franzosen zu Bundeskanzlerin Angela Merkel als nicht besonders gut gilt. Traditionell gibt es ein enges deutsch-französisches Verhältnis, und beide Länder gelten als Führungsmächte der Europäischen Union.

Allerdings betonte Sarkozy im Parlament auch ausdrücklich die Beziehungen zu Deutschland. Er würdigte die deutsch-französische Freundschaft als "treibende Kraft" für das Zusammenwachsen Europas. Sie sei "unverzichtbar", sagte Sarkozy.

flo/Reuters/AP



insgesamt 53 Beiträge
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TommIT, 13.02.2008
1.
Bei manchen Frauen sind die Motivationschübe bezüglich ihrer Beziehungen eben besonders in der Sparte Macht und Geld ...festgenietet... Bei anderen wiederum geht es hauptsächlich um die pure Medienpräsens. Der Lerneffekt kommt von selber .... gäähn Mann wird älter Frau auch und irgendwann hat der M... seinen Dienst getan!
Alzheimer, 13.02.2008
2.
Die Frau ist ebenso peinlich wie Sarkozy.
ausweiser 13.02.2008
3.
Eine "Première dame de France" mit diesem Bambi-Blick kann doch sagen was sie will, man wird ihr alles verzeihen.
BeckerC1972, 13.02.2008
4.
Wenigstens ist sie nett anzuschauen - der Rest...herr je, who cares?
misterbighh, 13.02.2008
5. Hallo Spiegel Online!
Wir haben wichtigere Themen, ob der Egomane Sarkozy nun mit seiner Bruni oder Peng.
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