Entführte Familie Video zeigt im Jemen verschleppte Kinder

Sie galten als verschollen, doch die drei Kinder der im Jemen vor einem halben Jahr entführten deutschen Familie leben offenbar. Sie sind auf einem Video zu sehen, das einem Bericht zufolge der Bundesregierung vorliegt. Was mit ihren Eltern geschah, bleibt unklar.

Entführung

Berlin - Die Spuren der Ermittler führten zuletzt ins Nichts: Nach der der fünfköpfigen Familie aus Sachsen im Juni im Jemen kamen die Fahnder zunächst nicht weiter. Nun gibt es zumindest ein Lebenszeichen einiger Geiseln: Die drei Kinder der Familie sind auf einem Video zu sehen.

Das Video, das offenbar aus den vergangenen Wochen stammt, liegt der Bundesregierung vor, berichtet die "Bild"-Zeitung. Ein hoher Regierungsbeamter sagte dem Blatt: "Die Kinder machen einen erschöpften Eindruck." Sie sind dem Blatt zufolge fünf, drei und ein Jahr alt. Über das Schicksal der Eltern herrsche allerdings weiter Unklarheit.

Die Familie war am 12. Juni im Jemen mit zwei deutschen Bibelschülerinnen, einem Briten und einer Südkoreanerin gekidnappt worden. Noch während des Überfalls setzten die Deutschen per Handy einen verzweifelten Hilferuf ab, berichtete damals eine lokale Zeitung.

Drei Tage später wurden die verstümmelten Leichen der zwei deutschen Frauen sowie der Koreanerin entdeckt - sie waren erschossen worden. Die Bibelschülerinnen aus Niedersachsen, die bei ihrem Tod 24 und 26 Jahre alt waren, wurden Ende Juni in Wolfsburg beigesetzt.

Als Vermittler in dem Fall ist der frühere Außenstaatssekretär Jürgen Chrobog eingeschaltet. Der Ex-Botschafter war im Jahr 2005 selbst mit seiner Frau und seinen drei Söhnen während eines Weihnachtsurlaubs im Jemen entführt, nach wenigen Tagen aber wieder freigelassen worden. Die Eltern des entführten Familienvaters wendeten sich im Sommer an die Öffentlichkeit und appellierten in einem Video an die Entführer, die Geiseln freizulassen.

Unterwegs in einer der gefährlichsten Regionen Jemens

Das noch immer verschleppte deutsche Ehepaar hatte in einem Krankenhaus der Provinz Saada gearbeitet - es war seit Jahren im Jemen tätig gewesen. Eine niederländische Hilfsorganisation unterhält in der nordjemenitischen Provinz ein kleines Krankenhaus mit 30 Betten; 600 Operationen und 4000 Geburten jährlich. Doch was als idealistische Hilfsmission begann, endete in einer Tragödie. Die Entführung und die Morde gingen offenbar auf einen religiösen Disput zurück, der vor einigen Monaten in Jemens Hauptstadt Saada geschah. Der Vater der Familie hatte mit einem Muslimen über das Christentum gesprochen und ihm empfohlen, die Bibel zu lesen. Der Überzeugungsversuch hatte anscheinend lokale Muslime gegen ihn aufgebracht.

Nordjemen

Der ist eine der gefährlichsten Zonen des Landes, wo die Regierung kaum Kontrolle hat. Dort herrschen Not, Elend und Aufständische. Eine Miliz von Schiiten rebelliert seit fünf Jahren gegen Präsident Ali Abdullah Salih. Ihm werfen sie Korruption und eine zu enge Zusammenarbeit mit dem Westen im Anti-Terror-Kampf vor. Zudem beklagen die Schiiten, die 30 Prozent der Bevölkerung ausmachen, von der sunnitischen Mehrheit unterdrückt zu werden. Der Konflikt hat bereits Zehntausende in die Flucht getrieben.

Sowohl im Norden als auch im Süden Jemens - wo die Sozialisten Autonomie fordern - ist die Armee immer wieder in heftige Kämpfe verwickelt. Zudem verübt ein regionaler Ableger des Terrornetzwerks al-Qaida Anschläge.

Das Auswärtige Amt rät von Reisen in den Jemen ab, "wegen des bestehenden erheblichen Risikos terroristischer Anschläge, des ständig hohen Entführungsrisikos sowie der in einzelnen Landesteilen immer wieder aufflammenden Stammeskonflikte". Alle Deutschen in Jemen und Reisende nach Jemen würden zu erhöhter Wachsamkeit aufgerufen.

kgp/dpa/ddp/APD