Mali Entführte französische Journalisten tot aufgefunden

Zwei französische Reporter, die in Mali bei ihrer Arbeit entführt worden waren, sind tot. Der französische Geheimdienst und örtliche Behörden sollen nun die Umstände klären.

Französische Soldaten in Mali (Archivbild): Islamisten kämpfen im Norden
AFP

Französische Soldaten in Mali (Archivbild): Islamisten kämpfen im Norden


Paris - Im Nordosten Malis sind die Leichen einer französischen Journalistin und ihres Kollegen gefunden worden. Das teilte das französische Außenministerium am Samstagabend mit. Die beiden Reporter des Senders Radio France Internationale (RFI) waren am Mittag in der Stadt Kidal von Bewaffneten verschleppt worden. "Ghislaine Dupont und Claude Verlon sind tot aufgefunden worden", erklärte das Ministerium in Paris.

Die französischen Geheimdienste setzten mit den malischen Behörden alles daran, die genauen Umstände aufzuklären, hieß es. Nach Angaben von RFI waren die beiden erfahrenen Reporter, ein Mann und eine Frau, von vier bewaffneten Männern an Bord eines Geländewagens entführt worden. Sie seien für eine Reportage bei der Malischen Solidaritätsbank in Kidal gewesen. Die Stadt liegt 1500 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Bamako und ist eine Hochburg der Tuareg.

Ein Sprecher der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton sagte am Samstagabend in Brüssel, dieses Verbrechen dürfe "nicht ungestraft bleiben". Die EU werde die malischen Behörden in ihrem Kampf gegen den Terrorismus und die Bemühungen zur Wiederherstellung von Ordnung und Sicherheit weiter unterstützen.

Im März 2012 hatte eine Gruppe Soldaten den langjährigen Präsidenten Amadou Toumani Touré gestürzt. Danach hatten Tuareg-Rebellen zusammen mit radikalen Islamisten innerhalb weniger Tage den Norden des westafrikanischen Landes unter ihre Kontrolle gebracht - darunter auch die Stadt Gao. Kidal liegt noch einmal 350 Kilometer weiter nördlich. Später vertrieben die Islamisten die Tuareg-Rebellen aus den wichtigsten Städten und verhängten das islamische Recht der Scharia.

Islamisten wieder auf dem Vormarsch

Als sie im Januar 2013 weiter nach Süden vorzudringen drohten, intervenierte die französische Armee und stoppte den Vormarsch. Viele Kämpfer konnten jedoch fliehen und zogen sich in die unwegsame Wüstenregion in der Umgebung zurück. Mehrfach griffen anschließend Selbstmordattentäter der "Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika" (Mujao) die ausländischen Truppen an.

Über den Sommer konnte sich die Lage zunächst etwas stabilisieren: Die Präsidentschaftswahl im August verlief ohne größere Zwischenfälle. Ibrahim Boubacar Keita wurde in einer Stichwahl mit drei Viertel der Stimmen gewählt, fast jeder zweite Bürger nahm an der Wahl teil. Doch islamistische Rebellen versuchen seit Wochen, im Norden Malis verlorenes Terrain zurückzuerobern.

Am vergangenen Mittwoch waren vier französische Geiseln nach dreijähriger Geiselhaft in Niger freigelassen worden. Die Terrororganisation al-Qaida im Maghreb hatte sie nahe der Stadt Arlit entführt und in Mali gefangengehalten. In Arlit fördert der französische Energiekonzern Areva Uranerz.

ore/AFP/dpa



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