Entführte Touristen Deutsche Spezialkräfte waren bei Geiselbefreiung vor Ort

GSG 9, Bundeswehr, Polizei, Bundeskriminalamt: Die ägyptische Regierung hatte zur Lösung der Geiselkrise Hilfe aus Deutschland angefordert - die Experten kamen. Als es ernst wurde, standen die Spezialeinheiten bereit, zum Einsatz kamen sie aber nicht.


Berlin - Zu den Umständen der Befreiung elf in Ägypten entführter europäischer Touristen werden immer mehr Details bekannt. An der Rettungsaktion waren nach Angaben des Verteidigungs- und des Innenministeriums indirekt auch deutsche Spezialkräfte beteiligt.

Demnach waren sowohl Spezialisten der Bundeswehr als auch Beamte der GSG 9, der Fliegerstaffel der Bundespolizei, des Bundeskriminalamts sowie Logistikexperten des Technischen Hilfswerks am Ort der Befreiung.

Wie Sprecher der Ministerien am Montagabend weiter mitteilten, wurden die deutschen Kräfte allerdings nicht benötigt, weil die Geiselnehmer ihre Gefangenen laufen ließen und flohen, als sie Anzeichen für eine gewaltsame Befreiung erkannt hätten.

Die ägyptische Regierung habe die von Deutschland angebotene Hilfe angenommen, um sie als Unterstützungskräfte vor Ort einzubinden. "Dazu ist es glücklicherweise nicht gekommen", sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums.

Angreifer hatten die Reisegruppe aus den fünf Deutschen, fünf Italienern, einer Rumänin sowie ihre acht ägyptischen Begleiter am 19. September im Süden Ägyptens entführt. Nach der Entführung in einem Wüstengebiet im Süden Ägyptens waren die Geiseln im Grenzgebiet zwischen Ägypten, Libyen, dem Sudan und dem Tschad hin- und herverschleppt worden. Die Identität der Geiselnehmer blieb bis zuletzt unklar ebenso wie die Einzelheiten der Befreiung oder mögliche Lösegeldzahlungen.

Die Geretteten sind inzwischen wohlbehalten in Kairo angekommen. Steinmeier sagte, die befreiten Geiseln befänden sich in der Obhut der deutschen Botschaft. Zu Details der Freilassung äußerte er sich nicht.

In Berlin gab es zunächst keine Informationen, wann sie nach Deutschland zurückkehren. Laut "Bild"-Zeitung sollen die fünf Urlauber und die Spezialkräfte mit einem Airbus der Luftwaffe ausgeflogen werden und am Dienstag in Deutschland eintreffen.

ffr/AP/AFP/dpa

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