Entführter Philippiner im Irak Manila will Soldaten abziehen

Die philippinische Regierung lenkt offenbar ein: Nach Medienberichten will das asiatische Land seine Soldaten "sobald wie möglich" aus dem Irak abziehen, um das Leben eines im Irak verschleppten Philippiners zu retten.


Im Sender al-Dschasira stellten die Entführer ihre Forderungen
AP/APTN, Al-Jazeera TV

Im Sender al-Dschasira stellten die Entführer ihre Forderungen

Bagdad/Manila - Nach Angaben des amerikanischen Senders CNN hat der stellvertretende philippinische Außenminister den vorzeitigen Abzug seiner 51 Soldaten und Polizisten angekündigt.

Damit reagiert die Regierung in Manila auf die Entführung des Lastwagenfahrers Angelo de la Cruz. Zuvor hatten die Kidnapper am Montag ihr Ultimatum um 24 Stunden verkürzt. Die Philippinen sollten bis 21 Uhr (MESZ) einem vorzeitigen Abzug Irak zustimmen. Andernfalls drohten die Entführer, de la Cruz zu ermorden.

Zunächst hatte die philippinische Regierung die Forderung der Geiselnehmer nach einem Abzug ihrer in Irak stationierten Truppen bis zum 20. Juli zurückgewiesen. Sie sollten das Land wie geplant erst am 20. August verlassen. "Wir werden aber weiter alles tun, was in unserer Macht steht, um die Freilassung von Angelo dela Cruz zu erreichen", hatte die philippinische Außenministerin Delia Albert gestern nach einer Krisensitzung des Kabinetts erklärt.

Im Fall der entführter Bulgaren war das Ultimatum, das die Entführer der Regierung in Sofia gesetzt hatten, in der Nacht zum Samstag abgelaufen. Nach Regierungsangaben gab es aber "unbestätigte" Meldungen, wonach sie noch am Leben sind. Präsident Georgi Parwanow hatte sich zwei Stunden vor Ablauf der Frist über den arabischen Nachrichtensender al-Dschasira an die Entführer gewandt und die Stationierung von 500 bulgarischen Soldaten im Irak aus Aufbauhilfe verteidigt. Die Entführer hatten am Donnerstag von den US-geführten Truppen die Freilassung aller irakischen Häftlinge gefordert.

Irak plant Amnestie für Rebellen

Der Irak will nach den Worten von Übergangs-Präsident Ghasi al-Jawir bereits in den kommenden Tagen die geplante Amnestie für Rebellen erlassen, die gegen die US-geführten Besatzungstruppen gekämpft haben. "Wir bieten ganz sicher eine Amnestie an, für Leute die nicht zu viele Gräueltaten verübt haben: Jedem, außer Mördern, Vergewaltigern und Entführern", sagte Jawir in der "Financial Times". In der vergangenen Woche hatte die Übergangsregierung neue Sicherheitsgesetze angekündigt. Diese umfassen neben einer Amnestie mehr Vollmachten im Kampf gegen die Aufständischen und die Wiedereinführung der Todesstrafe.

Der Zeitung "The Times" sagte Jawir, "es ist gut, die Sache mit Zuckerbrot und Peitsche anzugehen ... Zunächst bieten wir die Amnestie an, dann werden wir dieses Gesetz über Hinrichtungen haben, so dass es eine Wahl gibt. Es liegt an den Aufständischen, eine intelligente Wahl zu treffen." Die Regierung wolle die Spirale der Gewalt durchbrechen.

Bombe tötet US-Soldaten

Bei einem Bombenanschlag auf eine Fahrzeugkolonne der US-Armee in der Nähe der irakischen Stadt Samarra sind gestern zwei US-Soldaten getötet worden. Drei weitere Soldaten seien verletzt worden, teilte die US-Armee mit. Die 100 Kilometer nördlich von Bagdad gelegene Stadt wird überwiegend von Sunniten bewohnt. Zuvor war bei einem Bombenanschlag auf der Straße zwischen Bagdad und der nordirakischen Stadt Mossul ein US-Soldat ums Leben gekommen. Bei dem Anschlag wurde auch ein irakischer Zivilist getötet.

Seit Beginn des US-geführten Krieges gegen den ehemaligen Machthaber Saddam Hussein kamen mehr als 650 US-Militärangehörige im Kampfeinsatz ums Leben.

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