Entführung im Irak Al-Dschasira strahlt Geiselvideo aus

Nach der Entführung eines arabischen Diplomaten hat der Fernsehsender Al-Dschasira ein Video mit der Geisel ausgestrahlt. Darauf bekannte sich eine islamistische Gruppe zu der Verschleppung des Mannes und nannte ihre Forderungen.


Bagdad - Wie der Fernsehsender al-Dschasira mit Sitz in Katar berichtete, verlangten die Geiselnehmer der Gruppe "Banner des Islam", dass Abu Dhabi seine diplomatische Vertretung in Bagdad schließe. Außerdem müsse der irakische Fernsehsender al-Fayjah seine Sendungen einstellen. Für den Fall, dass dies innerhalb von 24 Stunden geschehe, stellte die Gruppe eine Freilassung ihrer Geisel in Aussicht.

Bei dem Entführungsopfer handelt es sich um den 28-jährigen Nadschi Radschid, ein Diplomat aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Er war am Dienstagabend in der irakischen Hauptstadt Bagdad verschleppt worden. Bei der Geiselnahme war nach Angaben des irakischen Innenministeriums der Leibwächter des Diplomaten verletzt worden.

Seit Kriegsbeginn 439 Ausländer im Irak entführt

In den drei Jahren seit Beginn des Krieges sind im Irak mindestens 439 Ausländer entführt worden. Das teilte eine Sondereinsatzgruppe der US-Botschaft in Bagdad am Donnerstag mit. Unter den Entführungsopfern waren demnach 165 Mitarbeiter von Privatfirmen, 63 Fahrer, 39 Journalisten, 23 Mitarbeiter von Hilfsorganisationen und 15 Diplomaten. Der Beruf von 93 Geiseln ist unbekannt.

Der Direktor der Arbeitsgruppe Geiseln, Erik Rye, sagte, das Problem sei sehr umfassend, es gebe aber Fortschritte. "Es gab zahlreiche erfolgreiche Befreiungsaktionen und die irakische Justiz beginnt, Kidnapper vor Gericht zu stellen", sagte Rye. Unter den im Irak verschleppten Geiseln waren auch die beiden deutschen Ingenieure René Bräunlich und Thomas Nitzschke sowie die Orientalisten Susanne Osthoff, die erst nach wochenlangen Verhandlungen mit den Entführern freikamen.

fok/AP/AFP



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