Klage gegen britische Regierung Libysches Folteropfer fordert Ein-Pfund-Entschädigung

Der Libyer Abd al-Hakim Belhadsch wurde von britischen und US-Geheimdienstlern gejagt, dann an das Gaddafi-Regime ausgeliefert und gefoltert. Jetzt fordert er Gerechtigkeit. Von der Regierung in London verlangt er eine Entschuldigung und eine Entschädigung - ein symbolisches Pfund.
Libyer Belhadsch: "Wir haben tiefes Leid erfahren"

Libyer Belhadsch: "Wir haben tiefes Leid erfahren"

Foto: Francois Mori/ ASSOCIATED PRESS

London - "Meine Frau und ich haben tiefes Leid erfahren", schreibt der Libyer Abd al-Hakim Belhadsch in einer Erklärung , die von der Menschenrechtsgruppe Reprieve veröffentlicht wurde. Als Gegner des früheren libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi wurde Belhadsch verschleppt und gefoltert.

Heute ist Belhadsch ein wichtiger Politiker in Libyen, und er fordert eine Entschädigung für das erfahrene Leid - doch seine Forderung ist überraschend gering. Er verlangt von der britischen Regierung, Ex-Außenminister Jack Straw und dem früheren MI6-Direktor für Spionageabwehr, Mark Allen, jeweils symbolisch ein Pfund (umgerechnet etwa 1,15 Euro). Und eine Entschuldigung.

Belhadsch erhebt schwere Vorwürfe: Jahrelang wurde er von amerikanischen und britischen Geheimdienstlern gejagt, weil er Islamist und Chef der "Libyschen Islamischen Kampfgruppe" war, die gegen das Gaddafi-Regime kämpfte. Mitte der neunziger Jahre floh er aus Libyen, 2004 nahmen CIA-Agenten ihn und seine Frau in Thailand fest. Laut Belhadschs Aussagen folterten sie ihn auch. Seine schwangere Frau wurde eigenen Aussagen zufolge in diesen Tagen an einer Gefängniswand angekettet.

Libysche Geheimdienstunterlagen legen nahe, dass der Einsatz in Bangkok unter britischer Führung stand. Die "Times" meldete 2011, dass Belhadsch auch von Mitarbeitern des britischen Geheimdienstes befragt worden sei. Anschließend wurden beide nach Tripolis geflogen - und London sei auch in diese illegale Auslieferung verwickelt gewesen, so Belhadsch.

Vom politischen Häftling zum mächtigen Militärchef

In Libyen erwarteten ihn eine sechsjährige Haftstrafe in dem berüchtigten Abu-Salim-Gefängnis und regelmäßige Folter, etwa Schlafentzug und ständiger Lärm. Nach seiner Freilassung 2010 schloss er sich dem Kampf gegen Gaddafi an und wurde nach dessen Sturz 2011 Militärchef in Tripolis - und somit einer der mächtigsten Männer des Landes. Belhadsch ist heute Chef der islamisch-konservativen Watan-Partei in Libyen, bei der ersten freien Wahl nach der Diktatur im Juli 2012 trat er als deren Spitzenkandidat an.

Mit seiner Klage in Großbritannien brachte er den Geheimdienst MI6 in Bedrängnis - dieser wollte unbedingt verhindern, dass Mitarbeiter vor Gericht aussagen müssten. Belhadsch will nun auf weitere rechtliche Schritte verzichten, wenn er die Entschuldigung und die symbolische Entschädigung erhält.

Offenbar will er auch den von britischen Medien erhobenen Vorwürfen entgegentreten, er und seine Frau wollten sich in dem Verfahren bereichern. Dem "Guardian"  zufolge bestätigte ein Sprecher des britischen Außenministeriums, dass man einen Brief von Belhadsch erhalten habe. Einen Kommentar wolle man aber nicht abgeben.

Die Rechtsexpertin der Menschenrechtsgruppe Reprieve, Cori Crider, erklärte, es sei an der Zeit, die Absprachen des früheren Premierministers Tony Blair mit Gaddafi hinter sich zu lassen. Der britische und der amerikanische Geheimdienst hatten in der Vergangenheit in mehreren Fällen mit dem Regime kooperiert - was nach dessen Sturz an die Öffentlichkeit gelangte. Ein detaillierter Report von Human Rights Watch  belegte die fragwürdige Zusammenarbeit: Im Gegenzug für Informationen übergaben die CIA und der britische MI6 mehrfach Gegner der Diktatur an Libyen. Folterung der Gefangenen wurde in Kauf genommen.

kgp/AFP
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