Entführungen in Mali Al-Qaida stellt europäische Geiseln zur Schau

Das Terrornetzwerk al-Qaida brüstet sich, fünf Europäer in Mali entführt zu haben. Zwei von ihnen sollen Agenten des französischen Geheimdienstes sein, behaupten die Terroristen. Deutsche sind nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen nicht darunter.

Qaida-Geiseln: Entführt in Mali (Verpixelung durch SPIEGEL ONLINE)

Qaida-Geiseln: Entführt in Mali (Verpixelung durch SPIEGEL ONLINE)

Von Yassin Musharbash


Berlin - Das Terrornetzwerk al-Qaida hat im nördlichen Afrika offenbar erneut Geiseln genommen. Nach Angaben der Terroristen handelt es sich um zwei Franzosen sowie "drei weitere Europäer". Die entsprechende Erklärung al-Qaidas, die über die üblichen Kanäle auf dschihadistischen Internetseiten verbreitet wurde, liegt SPIEGEL ONLINE vor.

In dem Dokument heißt es, die Geiseln seien bei zwei verschiedenen Gelegenheiten genommen worden: Am 24. November hätten Gotteskrieger im Osten Malis zunächst zwei Franzosen in ihre Gewalt gebracht. Es handle sich um Mitarbeiter des französischen Geheimdienstes, behauptet al-Qaida. Diese Behauptung ist nicht ohne Weiteres überprüfbar, es gibt jedoch keinen besonderen Grund, al-Qaida in dieser Hinsicht Glauben zu schenken - es wäre nicht das erste Mal, dass Touristen zu angeblichen Spionen gemacht werden.

Der zweite Fall soll sich am Tag darauf ereignet haben, ebenfalls in Mali, in der Stadt Timbuktu. Hierbei handle es sich um drei Männer - alle seien Europäer. Nationalitäten nennen die Terroristen jedoch nicht. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE aus deutschen Sicherheitskreisen ist jedoch kein deutscher Staatsbürger unter ihnen.

Bei den Opfern der zweiten Gruppe handelt es sich offenbar um Geiseln, die Ende November aus einem Restaurant gezerrt wurden. Auch ein 58-jähriger deutscher Tourist sollte damals mitentführt werden, weigerte sich aber, in den Wagen der Kidnapper einzusteigen und wurde deswegen von den Terroristen erschossen.

Al-Qaida veröffentlichte neben der Erklärung auch zwei Bilder, auf welchen die Geiseln, jeweils vor bewaffneten Kämpfern kniend, zur Schau gestellt werden.

Propaganda gegen Sarkozy

Al-Qaidas Filiale in Nordafrika (AQIM) hat in den vergangenen Jahren immer wieder Geiseln genommen, oft aus europäischen Staaten oder den USA. Im Jahr 2009 war auch eine Deutsche als Teil einer Reisegruppe in Mali von AQIM entführt und später freigelassen worden; ein britischer Mitgefangener wurde allerdings ermordet. Im vergangenen Jahr tötete AQIM eine französische Geisel.

Bedingungen für die Freilassung der fünf Männer nannte AQIM zunächst nicht, kündigte aber an, diese später bekanntzugeben.

Ein ganzer Absatz in dem Bekennerschreiben richtet sich an den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy. Dieser trage die Verantwortung für die "hasserfüllte" Politik Frankreichs gegenüber Muslimen sowie zahlreiche islamische Todesopfer und Gefangene.

Al-Qaidas Ableger in Nordafrika ist eine der aktivsten Filialen des Terrornetzwerks. Während das Zentrum von AQIM eigentlich in Algerien liegt, hat AQIM in den vergangenen Monaten immer stärker in Richtung Sahel-Zone ausgegriffen. Das Netzwerk finanziert sich über Geiselnahmen, aber den Terroristen wird auch vorgeworfen, an Waffenschmuggel und Drogenhandel mitzuverdienen. Neben Entführungen führt das Terrornetzwerk auch Anschläge durch, vor allem gegen staatliche Einrichtungen.



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