Entführungsopfer Politiker und Experten entsetzt über Osthoffs Irak-Pläne

Die Pläne von Susanne Osthoff, in den Irak zurückzukehren, sind von Politikern und Experten massiv kritisiert worden. Die ehemalige Geisel solle die Warnungen des Auswärtigen Amtes ernst nehmen. Irak-Kenner Scholl-Latour: "Die Dame ist extrem leichtsinnig."

Berlin - Außenminister Frank-Walter Steinmeier appellierte an Osthoff, nicht in den Irak zurückzukehren. "Nach intensiven Anstrengungen vieler Beteiligter über drei Wochen, die schließlich zu ihrer Freilassung führten, hätte ich wenig Verständnis, wenn Frau Osthoff sich erneut in eine Gefahrensituation begeben würde", sagte der SPD-Politiker.

Auch der Chef des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, Ruprecht Polenz (CDU), kritisierte das Vorhaben Osthoffs. Er bedauere, dass die Ärchaologin den dringenden Appell der Bundesregierung missachte, nicht in den Irak zurückzukehren. "Gerade sie müsste das Risiko einer solchen Entscheidung deutlich vor Augen haben", sagte er.

Der SPD-Außenexperte Niels Annen bezeichnete die Entscheidung Osthoffs als unvorstellbar. "Frau Osthoff sollte die Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes ernst nehmen. Denn wenn jemand um deren Berechtigung weiß, dann wird sie das am ehesten sein", sagte Annen.

Irak-Kenner Peter Scholl-Latour sagte: "Die Dame ist extrem leichtsinnig." Sie denke offenbar nicht an die Gefahr, in die sie sich und andere bringe. Außerdem hätten sich Bundesregierung und Auswärtiges Amt wochenlang für ihre Freilassung eingesetzt und sogar Geld gezahlt oder zumindest versprochen, um ihr Leben zu retten. "Nun tritt sie diese Bemühungen mit Füßen", sagte Scholl-Latour.

Zuvor hatte Osthoff in einem heute ausgestrahlten Interview mit dem arabischen Nachrichtensender al-Dschasira gesagt, sie wolle ihre Arbeit als Archäologin fortsetzen. Einen Zeitpunkt für die Rückkehr nannte sie nicht. In ihrem ersten öffentlichen Auftritt nach dem Ende der Entführung hatte die 43-Jährige Einzelheiten ihrer Verschleppung am 25. November im Nordirak geschildert. Nachdem sie und ihr Fahrer in einem Fahrzeug entführt wurden, hätten die Kidnapper ihnen mitgeteilt, dass sie keine Angst haben müsse. Sie wollten Frauen und Kinder nicht angreifen. Außerdem sei sie Muslimin.

Osthoff sagte, sie sei glücklich darüber gewesen, dass sie nicht in die Hände von Verbrechern geraten sei. Ihre Entführer hätten sie gut behandelt, versicherte die Archäologin. Von Deutschland hätten sie humanitäre Hilfe verlangt, um Schulen und Krankenhäuser in der von Sunniten bewohnten Region nordwestlich von Bagdad zu bauen.

Bruder unterstützt Rückkehrpläne

Osthoffs Familie hatte mit ihrer Rückkehr in den Irak gerechnet. Ihr Bruder Robert Osthoff vermutete, dass seine Schwester bald wieder in den Irak zurückkehren könnte. Wenn seine Schwester zurück in den Irak gehe, könne er "das nur begrüßen", sagte er der Berliner "B.Z.". "Es muss doch noch Menschen geben, die den Leuten dort unten helfen. Der Irak muss wieder aufgebaut werden."

Auch an Weihachten hat Osthoff keinen Kontakt zu ihrer Mutter und ihren Geschwistern in Bayern aufgenommen. "Bisher haben wir nichts von ihr gehört", sagte ihre Mutter Ingrid Hala heute. "Die Umstände sind eben so - ich muss mich damit abfinden." Sie äußerte aber auch Verständnis für ihre Tochter, die eine schwierige Zeit hinter sich habe.

Auch in den vergangenen Jahren habe sich die im Irak tätige Archäologin zu Weihnachten meist nicht gemeldet. "Es ist auch nicht so wichtig, wenn ich weiß: Es geht jemanden gut", sagte Hala. "Im Ausland spielt Weihnachten ja nicht so eine große Rolle."

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