"Enthauptungsschlag" Bunkerbrecher gegen Saddam

45 Minuten vor dem Einsatz gab der US-Geheimdienst CIA den Militärs den entscheidenden Tipp. Durch einen gezielten Angriff mit bunkerbrechenden Bomben auf ein Gebäude in einem Wohngebiet in Bagdad versuchten die amerikanischen Streitkräfte am Dienstagmorgen, Saddam Hussein zu töten. Das Gebäude, in dem sich der Präsident möglicherweise aufgehalten hat, wurde zerstört.




Bagdad: Zerstörungen im Wohngebiet Mansur
AP

Bagdad: Zerstörungen im Wohngebiet Mansur

Bagdad/Basra - Die US-Armee sei von der CIA informiert worden, dass sich in einem Wohnkomplex im Stadtteil Mansur möglicherweise Saddam und seine Söhne sowie andere Mitglieder der Führungsspitze zu einem Treffen aufhielten, berichtet die "New York Times". 45 Minuten später begann der Angriff.

Das Gebäude wurde zwar zerstört. Ob sich Saddam Hussein und seine Söhne aber tatsächlich an dem angegriffenen Ziel aufhielten, konnte nach Angaben des US-Senders CNN zufolge bisher nicht eindeutig festgestellt werden. Pentagon-Beamte sagten dem Sender Fox nach dem "Enthauptungsschlag", es sei "sehr wahrscheinlich, dass wir Saddam und einen seiner Söhne erwischt haben".

Ein führender Beamter aus dem Verteidigungsministerium sagte, ein einzelner B1-Bomber habe bis zu fünf 907 Kilogramm schwere bunkerbrechende Bomben auf das Haus abgeworfen. Ein anderer Offizieller sagte: "Es gibt nun ein großes Loch, wo vorher das Ziel stand." Bereits zu Kriegsbeginn hatte das US-Militär Raketen auf ein Gebäude abgefeuert, in dem Staatschef Saddam Hussein vermutet wurde.

Bagdad: US-Kampfflugzeug über der Hauptstadt
REUTERS

Bagdad: US-Kampfflugzeug über der Hauptstadt

Der jüngste Angriff in Mansur westlich des Regierungsviertels hinterließ einen metertiefen Krater und ließ Fensterscheiben im Umkreis von 300 Metern bersten. Rettungshelfer bargen zwei Leichen aus den Trümmern und sprachen von möglicherweise 14 Todesopfern.

Mit dem Versuch eines "Enthauptungsschlages" gegen das irakische Regime hatten die USA bereits den Krieg am 20. März eröffnet.

Die Ausstrahlung des irakischen Fernsehprogramms wurde am Dienstagmorgen in Bagdad unterbrochen, während die US-Einheiten in Richtung des Stadtzentrums vorrückten. Der Sender sei in der Hauptstadt nicht mehr zu empfangen, berichteten Reuters-Korrespondenten. Zuvor seien die Morgennachrichten ausgefallen und stattdessen patriotische Lieder und alte Aufnahmen von Saddam Hussein ausgestrahlt worden. Die USA haben Sendeanlagen unter Beschuss genommen mit der Begründung, die Sendungen dienten den Machterhalt Saddams.

Der örtliche Hörfunksender in Bagdad war unterdessen noch in Betrieb, strahle jedoch ausschließlich Loblieder auf Saddam und nationalistische Musik aus.

Schon in der Nacht zum Dienstag war am Tigris-Westufer erneut schweres Maschinengewehrfeuer zu hören gewesen, berichtete ein Reporter der Nachrichtenagentur AP. Teile der 2. Brigade der 3. Infanteriedivision hatten sich dort über Nacht im Neuen Präsidentenpalast verschanzt.

"Basra ist jetzt frei"

Der Kampf um die südirakische Stadt Basra ist entschieden. "Basra ist jetzt frei", sagte der britische Militärsprecher Oberst Chris Vernon. 3000 britische Soldaten hätten den größten Teil der Stadt besetzt. Es werde noch einige Tage dauern, um "die Situation zu zementieren". Vernon beschrieb die humanitäre Situation als nicht dramatisch. Es gebe ausreichend Lebensmittel. Die Briten arbeiteten daran, die Trinkwasserversorgung wieder herzustellen.

Die britischen Streitkräfte sind nun dabei, dort eine lokale Verwaltung einzurichten. Sie hätten mit einem örtlichen Stammesführer Kontakt aufgenommen, teilte Vernon mit. Der Scheich werde ein Verwaltungskomitee bilden. Er habe dafür freie Hand.

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.