Enttäuschung in Arizona McCain räumt seine Niederlage ein

Tief enttäuscht - aber fair: John McCain hat seine Niederlage eingestanden und Barack Obama zum Einzug ins Weiße Haus gratuliert. "Das amerikanische Volk hat gesprochen, und es hat klar gesprochen", sagte der unterlegene Republikaner unter lauten Buhrufen seiner Anhänger.


Washington/Phoenix - John McCain wollte die Buhrufe nicht dulden. "Bitte", rief der Republikaner seinen Anhängern zu und hob beschwörend die Hände. Und die Unmutsbekundungen der enttäuschten Menge verstummten schnell wieder. Der unterlegene Präsidentschaftskandidat der Republikaner zeigte sich als fairer Verlierer, nur wenige Minuten, nachdem seine Niederlage feststand. Nachdem klar war, dass sein Rivale Barack Obama der 44. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika sein und als erster Afroamerikaner ins Weiße Haus einziehen wird.

Verlierer McCain, Palin: "Das amerikanische Volk hat gesprochen"
REUTERS

Verlierer McCain, Palin: "Das amerikanische Volk hat gesprochen"

Vor Tausenden trauriger Fans in Phoenix in seinem Heimatstaat Arizona gestand McCain mit feuchten Augen seine Niederlage ein und gratulierte seinem demokratischen Konkurrenten. McCain sprach von einer historischen Wahl und einer besonderen Stunde für die Schwarzen in Amerika. "Senator Obama hat Großes für sich und für sein Land erreicht", sagte der 72-jährige Senator am Dienstagabend. "Das amerikanische Volk hat gesprochen, und es hat klar gesprochen". Kurz zuvor hatte McCain Obama seine Glückwünsche auch schon persönlich am Telefon übermittelt.

Obamas Sprecher Robert Gibbs sagte, McCain habe Obama um 23 Uhr (5 Uhr MEZ) angerufen. Obama habe McCain gedankt und ihm gesagt, dass er einen harten Wahlkampf geführt habe. Dabei habe sich der republikanische Politiker stets ehrenhaft verhalten. Obama sagte nach Angaben seines Sprechers zu McCain: "Ich brauche ihre Hilfe, Sie sind ein Führer in so vielen wichtigen Fragen."

Der Republikaner sicherte Obama seine Unterstützung zu. Er werde alles in seiner Kraft stehende tun, ihm bei der Führung des Landes zu helfen, sagte McCain vor seinen Anhängern. "Wir haben so hart gekämpft, wie wir konnten. Und auch wenn wir gescheitert sind, der Fehler liegt bei mir, nicht bei Euch", rief McCain der Menge zu.

"Es ist natürlich, heute Nacht etwas enttäuscht zu sein. Aber das müssen wir hinter uns lassen und zusammenarbeiten, damit unser Land wieder in Schwung kommt", rief McCain. Dies seien schwierige Zeiten.

Der Verlierer forderte seine Wähler auf, sich "am Ende dieser langen Reise" hinter Barack Obama zu vereinen. Am Tag nach der Wahl müsse die Zusammenarbeit über alle Parteigrenzen hinweg beginnen, um den großen Herausforderungen gerecht zu werden, "mit denen die größte Nation der Welt" konfrontiert ist.

"Ich rufe alle Amerikaner auf, wie so oft in diesem Wahlkampf, nicht an unseren derzeitigen Problemen zu verzweifeln, sondern an das Versprechen und die Größe Amerikas zu glauben." An McCains Seite stand seine umstrittene Vize-Kandidatin Sarah Palin, bei der er sich für ihren Einsatz bedankte. McCain bezeichnete die Gouverneurin von Alaska als "eine der besten Wahlkämpfer, die ich je gesehen habe" und "eine eindrucksvolle neue Stimme in unserer Partei".

McCain hatte sich trotz seiner schlechten Umfrageergebnisse nach außen bis zuletzt optimistisch gezeigt. Er fühle sich "zuversichtlich", sagte der Senator am Dienstag an Bord seines Kampagnenflugzeugs. Seine Stimme hatte McCain zusammen mit seiner Frau Cindy in einer Kirche Phoenix abgegeben.

Die Entscheidung für Obama fiel, nachdem sein Sieg in den drei Westküstenstaaten Kalifornien, Washington und Oregon nach Hochrechnungen und ersten Auszählungsergebnissen feststand.

Obama führte nach Prognosen des Senders CNN bei der Zahl der Wahlmänner uneinholbar mit 338 zu 157 Stimmen vor McCain. Grundlage waren Hochrechnungen und erste Auszählungsergebnisse. Für die Wahl zum US- Präsidenten sind 270 Wahlleute notwendig.

Bei der Wahl wurde eine Rekordbeteiligung von bis zu 130 Millionen Wählern erwartet. An der Präsidentenwahl vor vier Jahren hatten sich lediglich rund 121 Millionen Bürger beteiligt. Schon in den vergangenen Wochen hatten fast 30 Millionen Wähler von der Möglichkeit einer frühzeitigen Stimmabgabe Gebrauch gemacht.

phw/AP/dpa

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