Umstrittener Prunkbau Erdogan-Palast kostet noch mehr als gedacht

Der türkische Präsident Erdogan hat mit seinem neuen, prunkvollen Palast bereits viel Ärger und Spott auf sich gezogen. Nun stellt sich heraus: Das umstrittene Domizil kostet fast doppelt so viel wie bislang gedacht.
Präsident Erdogan in seinem neuen Palast: Bau deutlich teurer als gedacht

Präsident Erdogan in seinem neuen Palast: Bau deutlich teurer als gedacht

Foto: Kayhan Ozer/ dpa

Istanbul - Rund 1000 Zimmer hat der neue Palast des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, das Grundstück soll 210.000 Quadratmeter groß sein, das Gebäude selbst etwa 40.000. Erdogans neues Domizil ist damit größer als der Buckingham Palace, der Élysée in Paris und das Weiße Haus in Washington sowieso. Das alleine hat schon für viel Ärger und Spott gesorgt. Doch nun kommt heraus: Der umstrittene Palast kostet mit 1,37 Milliarden Türkischen Lira, umgerechnet rund 491 Millionen Euro, fast doppelt so viel wie bisher bekannt.

Nach Angaben von Finanzminister Mehmet Simsek hat die Regierung schon länger mit Kosten von einer Milliarde Lira für den "Ak Saray" genannten Prachtbau gerechnet. Doch auch das reicht nun offensichtlich nicht mehr aus: Im Haushalt 2015 seien zusätzliche 300 Millionen Lira für den Palast eingeplant, räumte Simsek bei einer Parlamentsbefragung ein. In türkischen Medien waren die Baukosten bislang mit umgerechnet rund 275 Millionen Euro beziffert worden.

Der langjährige Regierungschef Erdogan war im August zum Präsidenten gewählt worden. Kritiker sehen in dem Palastbau ein Symbol für seinen Größenwahn. Der "Weiße Palast" entstand auf einem Waldgrundstück bei Ankara, das Staatsgründer Kemal Atatürk einst für einen Bauernhof vorgesehen hatte. Der Palast wurde fertiggestellt, obwohl Umweltschützer bei den Behörden einen Baustopp erwirkt hatten.

Eigentlich war der noch nicht fertig gestellte "Weiße Palast" für den neuen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu bestimmt. Der muss sich nun aber mit dem bisherigen Präsidentensitz begnügen, einem wesentlich bescheideneren Bau, in dem seit 1923 alle Staatsoberhäupter Quartier bezogen. Die Einweihungsfeier für den neuen Präsidentenpalast war wegen eines Grubenunglücks in der Türkei Anfang vergangener Woche abgesagt worden.

jbe/AFP
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