Erfolg für Yingluck Shinawatra Thailands Wahlsiegerin muss die Spaltung stoppen

Yingluck Shinawatra steht vor einem Wahltriumph in Thailand - doch auf die Siegerin wartet eine Mammutaufgabe. Das Land ist gespalten in Gegner und Anhänger ihres im Exil lebenden Bruders Thaksin. Yingluck muss das Volk versöhnen.

AP

Bangkok - Es sieht alles nach einem klaren Sieg der Opposition bei der Parlamentswahl in Thailand aus: Fünf Jahre nach dem Sturz von Ministerpräsident Thaksin Shinawatra dürfte damit seine Schwester Yingluck Shinawatra zum ersten weiblichen Regierungsoberhaupt in der Geschichte des Landes avancieren.

Nach der Auszählung von 94 Prozent der Stimmen kam ihre Partei Pheu Thai auf 261 der 500 Sitze im Parlament und würde damit die absolute Mehrheit erringen. Der amtierende Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva gestand am Sonntagabend (Ortszeit) seine Niederlage ein und kündigte den Gang in die Opposition an. Seine Partei kam nach dem vorläufigen Ergebnis auf 162 Sitze.

Die 44-jährige Yingluck Shinawatra, die noch nie ein politisches Amt innehatte, sagte in der Parteizentrale in Bangkok, sie wolle die Auszählung aller Stimmen abwarten. "Ich will nicht sagen, dass Pheu Thai heute gewinnt. Es ist ein Sieg des Volkes", sagte sie vor ihren jubelnden Anhängern.

Auch wenn die Mehrheit deutlich ist, sah es zunächst nach einem noch klareren Vorsprung aus: Umfragen nach der Wahl hatten Yingluck Shinawatra einen Sieg mit bis zu 313 gewonnenen Sitzen prophezeit. Die Wahl verlief weitgehend friedlich - obwohl der Wahlkampf brutal war wie nie zuvor. Dennoch befürchteten Beobachter Ausschreitungen für den Fall, dass die rivalisierenden Parteien oder die Streitkräfte das Ergebnis nicht akzeptieren. Seit dem Sturz Thaksin Shinawatras kam es immer wieder zu gewaltsamen Straßenprotesten zwischen seinen Anhängern und Gegnern.

"Die Menschen haben genug vom Stillstand"

Der ehemalige Ministerpräsident war 2006 vom Militär gestürzt und in Thailand in Abwesenheit wegen Korruption zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Aus seinem Exil in Dubai meldete er sich zu den vorläufigen Wahlergebnissen zu Wort. Sie seien ein Schritt vorwärts für das Land. "Die Menschen haben genug vom Stillstand", sagte Thaksin Shinawatra. Mit umstrittenen Gerichtsurteilen wurden nach dem Putsch zwei Thaksin-treue Ministerpräsidenten wieder aus dem Amt entfernt. So gelangten der von den Streitkräften unterstützte Abhisit Vejjajiva und seine Partei in die Regierung.

Die neue Regierung muss nun tiefe Gräben in der Gesellschaft überwinden, die sich nach Jahren mit Straßenprotesten, einem Militärputsch und wachsender Gewalt aufgetan haben. Die Wahlbeteiligung am Sonntag war offenbar höher als bei den letzten Urnengängen im Dezember 2007, als 74 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben hatten.

Die Wahlsiegerin Yingluck Shinawatra hatte bereits im Wahlkampf ganz auf das Thema Versöhnung gesetzt. Allerdings sagte sie nicht viel Konkretes dazu. "Versöhnung heißt, dass jeder alles Nötige tut, um dieses Land zu einen und Konflikte zu überwinden", erklärte sie etwa im Interview mit der "Bangkok Post".

Der Armee und dem sogenannten Establishment - alteingesessenen einflussreichen Familien - ist der Shinawatra-Clan der Wahlsiegerin seit Jahren ein Dorn im Auge. Es begann mit Yinglucks Bruder Thaksin, als er 2001 Ministerpräsident wurde. Er gewann die arme Landbevölkerung als politische Machtbasis, marginalisierte die traditionellen Kräfte und spaltete damit das Land. Dennoch gewann er drei Wahlen. Die Armee putschte ihn 2006 aus dem Amt. Doch das Volk wählte wieder eine Partei von Thaksin Shinawatras Gnaden. Die Justiz löste sie auf und ebnete damit der Opposition - getragen vom alten Establishment - den Weg zur Macht. Der neuerliche Sieg der Thaksin-Anhänger ist für die alten Kräfte eine tiefe Schmach.

"In Thailands Demokratie können die Wahlgewinner nicht regieren und die, die regieren, keine Wahlen gewinnen", analysierte der Politologe Thitinan Ponsudhirak vor der Wahl pessimistisch. "Es muss ein Kompromiss gefunden werden", sagte er am Sonntag. "Sie müssen sie (Yingluck) regieren lassen, aber sie muss auch auf eine Art regieren, mit der die Gegner leben können."

Yingluck Shinawatra muss nun an zwei Fronten kämpfen: Sie muss zum einen die Thaksin-Anhänger ins Boot holen und sicherstellen, dass ihre Genugtuung nicht in Rachegelüste mit der Forderung umschlägt, die Thaksin-Gegner gnadenlos zu verfolgen. Auf der anderen Seite muss sie die Gegner in eine Versöhnung miteinbeziehen, um neue Massenproteste zu vermeiden. "Das verlangt nach Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl", sagt Yingluck Shinawatras Parteikollegin Jarupan Kuldiloke. "Die typischen Qualitäten einer Frau."

otr/dapd/dpa

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moonoi 03.07.2011
1. T.I.T. (This Is Thailand)
Thaksin ist der erste "moderne" politiker Thailands, er oeffnet das land (und seine taschen) fuer auslaendische investitionen, etwas was die bisher herrschende Klicke nun garnicht ertragen kann, da sie sich dem wettbewerb stellen muesste. vor allem muss man fesstellen, dass es sich weder bei der PTP noch den DEMs und allen anderen "Parteien" nicht um Parteien handelt, sondern um GANGS, Mafiafamilien die allerreinste "Familienpolitik" betreiben . die staeke Thaksins ist Abhisits Schwaeche, der als Adler gestartet und als Spatz gelandet ist und nur zwischen den Armee-barracken und Prem Tinunsalonda, dem chef des "privy Council" des persoenlich beratergremiums des Koenigs, dem "Darth Vader" der Thai politik hinundherflattern durfte. Ohne den (bisher) NICHTS entscheidendes passiert.(zb der army crackdown vom april 2010 in Bangkok mit ueber 90 toten) Abhisit war nur "messanger boy" - und hat klaegtlich versagt. Die gelben haben fertig, und schon lange. "she's my clone" sagt Thaksin ueber seine kl. schwester. Nun gilt es. Aber in Thailand sind die dinge NIE so wie sie aussehen. das was sich auf der buehne abspielt dient nur dazu die wahren vorgaenge zu verschleiern. In wahrheit hat das volk seinen koenig abgewaehlt, und damit auch "die old guards" die seit ueber 60 jahren das land al gusto aussaugen. Thaksin ist kein sozialrevolutionaer, sondern ein geschickter businessmann, und skrupelloser machtmensch, mit ausdauer sehr clever, und der bewiesen hat, dass auch er ueber leichen gehen kann. wichtigste frage "was macht die army?" der Chef Prayut ist ein in der Wolle gefaerbter koenigstreuer, ein Thaksin Feind, und hat beim "army reshuffle" im letzten August alle wichtigen posten mit "gelben" besetzt. wird das reichen? Let's be fair, gratulation an Yingluck, und good luck Thailand.- an ihren fruechten sollt ihr Sie erkennen
blob123y 03.07.2011
2. Was sie offensichtlich nicht wissen ist
Zitat von moonoiThaksin ist der erste "moderne" politiker Thailands, er oeffnet das land (und seine taschen) fuer auslaendische investitionen, etwas was die bisher herrschende Klicke nun garnicht ertragen kann, da sie sich dem wettbewerb stellen muesste. vor allem muss man fesstellen, dass es sich weder bei der PTP noch den DEMs und allen anderen "Parteien" nicht um Parteien handelt, sondern um GANGS, Mafiafamilien die allerreinste "Familienpolitik" betreiben . die staeke Thaksins ist Abhisits Schwaeche, der als Adler gestartet und als Spatz gelandet ist und nur zwischen den Armee-barracken und Prem Tinunsalonda, dem chef des "privy Council" des persoenlich beratergremiums des Koenigs, dem "Darth Vader" der Thai politik hinundherflattern durfte. Ohne den (bisher) NICHTS entscheidendes passiert.(zb der army crackdown vom april 2010 in Bangkok mit ueber 90 toten) Abhisit war nur "messanger boy" - und hat klaegtlich versagt. Die gelben haben fertig, und schon lange. "she's my clone" sagt Thaksin ueber seine kl. schwester. Nun gilt es. Aber in Thailand sind die dinge NIE so wie sie aussehen. das was sich auf der buehne abspielt dient nur dazu die wahren vorgaenge zu verschleiern. In wahrheit hat das volk seinen koenig abgewaehlt, und damit auch "die old guards" die seit ueber 60 jahren das land al gusto aussaugen. Thaksin ist kein sozialrevolutionaer, sondern ein geschickter businessmann, und skrupelloser machtmensch, mit ausdauer sehr clever, und der bewiesen hat, dass auch er ueber leichen gehen kann. wichtigste frage "was macht die army?" der Chef Prayut ist ein in der Wolle gefaerbter koenigstreuer, ein Thaksin Feind, und hat beim "army reshuffle" im letzten August alle wichtigen posten mit "gelben" besetzt. wird das reichen? Let's be fair, gratulation an Yingluck, und good luck Thailand.- an ihren fruechten sollt ihr Sie erkennen
das der Vater vom Abhisit einer der Bosse von CP ist dem groessten Agrarkonglomerat in SOAsien. Da spielen wirtschaftliche Interessen eine bedeutende Rolle. Wer glauben sie denn hat die Millionenspritzen gemacht das der PM wurde ? In Thailand werden solche Positionen an den meistbietenden von den Parteibossen verkauft. Z.B. wenn ein Polizist, Militaer oder Anderer des Apparats einen Tranfer, Befoerderung usw. will muss er dies seinen Vorgesetzten "abkaufen" dies ist genauso in der Politik.
aronsperber 03.07.2011
3. Der asiatische Berlusconi
Den thailändischen Eliten, die den "Emporkömmling" abgesetzt hatten, war es nämlich gelungen, Thaksin als einen "asiatischen Berlusconi" darzustellen. http://aron2201sperber.wordpress.com/2011/07/03/asiens-berlusconi-schlagt-zuruck/ Einen "Berlusconi" wegen "Korruption" abzusetzen – und durch die Justiz ein "falsches Wahlergebnis" zu korrigieren – welcher europäische Journalist würde so eine Vorgehensweise nicht begrüßen?
andreasneumann2 03.07.2011
4. Was die meisten nicht wissen ist,...
...dass die Partei von Yingluck Shinawatra "Thairakthai" heißt. Und das bedeutet auf deutsch "Thailänder lieben Thailand". Und dieser Namen ist Programm. Denn das bedeutet dass zuerst die thailändischen Interessen kommen und dann gar nichts mehr. Das ständige Lächeln täuscht. Die Partei von Yingluck Shinawatra ist politisch gesehen eher eine rechtsradikale nationalistische Partei. Und das wissen viele Europäer einfach nicht, oder sie wollen es wie vieles andere auch einfach nicht wahrhaben.
Trondesson 03.07.2011
5. .
Zitat von andreasneumann2...dass die Partei von Yingluck Shinawatra "Thairakthai" heißt. Und das bedeutet auf deutsch "Thailänder lieben Thailand". Und dieser Namen ist Programm. Denn das bedeutet dass zuerst die thailändischen Interessen kommen und dann gar nichts mehr. Das ständige Lächeln täuscht. Die Partei von Yingluck Shinawatra ist politisch gesehen eher eine rechtsradikale nationalistische Partei. Und das wissen viele Europäer einfach nicht, oder sie wollen es wie vieles andere auch einfach nicht wahrhaben.
Thai Rak Thai gibt's schon seit 2006 nicht mehr, die Partei heißt Phuea Thai. Aber egal wie sie heißt, der Name einer politischen Partei in Thailand ist weder Programm, noch hat er sonst irgendeine tiefergehende Bedeutung. Und noch etwas: nationalistisch sind alle Parteien in Thailand, rechtsradikal dagegen ist keine.
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