Erleichterung in Kirgisien Gestürzter Bakijew reicht seinen Rücktritt ein

In Kirgisien hat der gestürzte Präsident Bakijew den Weg für einen Neuanfang freigemacht: Per Fax reichte er offiziell seinen Rücktritt ein. Die Übergangsregierung will die Ereignisse des blutigen Umsturzes nun unter Führung der Vereinten Nationen untersuchen lassen.

Gestürzter Präsident Bakijew: Weg für Neuanfang frei
dpa

Gestürzter Präsident Bakijew: Weg für Neuanfang frei


Bischkek - Mehr als eine Woche nach seinem Sturz hat Kurmanbek Bakijew aufgegeben: Per Fax erklärte er seinen Rücktritt. Die handschriftliche Erklärung ging nach offiziellen Angaben in der Nacht zum Freitag bei der Übergangsregierung in der Hauptstadt Bischkek ein.

Das Schreiben kam aus dem Nachbarland Kasachstan, wohin sich Bakijew am Donnerstag geflüchtet hatte. Wenige Stunden zuvor waren bei einer Kundgebung mit Bakijew Schüsse gefallen. Nach seinem Amtsverzicht schätzen nun Beobachter die Gefahr eines Bürgerkrieges in Kirgisien als geringer ein. "Wir erwarten keine neue Verschärfung", sagte der Vizechef der Übergangsregierung, Omurbek Tekebajew, nach Angaben der kirgisischen Agentur Akipress.

Die USA, Russland, die Vereinten Nationen und die OSZE sicherten Kirgisien Hilfe beim Aufbau einer Demokratie zu. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon begrüßte die Abreise Bakijews als Beitrag zum Frieden und zur demokratischen Entwicklung in der Region. Der russische Präsident Dmitri Medwedew sagte, dass mit Bakijews Rücktritt die Gefahr eines Bürgerkriegs in Kirgisien abgewendet sei.

Die Chefin der Übergangsregierung, Rosa Otunbajewa, kündigte an, wie wolle die Ereignisse des Volksaufstands durch eine internationale Kommission unter Führung der Uno untersuchen lassen. Bei den Unruhen kamen mindestens 83 Menschen ums Leben. Die Übergangsregierung will den gestürzten Präsidenten nach dem blutigen Aufstand vor Gericht bringen. "Er kann nicht vor dem Gericht weglaufen", sagte Otunbajewa in einer Fernsehansprache.

Auch gegen Familienmitglieder Bakijews hat die Übergangsregierung Haftbefehle unter anderem wegen Mordes erlassen. Bakijews Bruder Schanysch wird vorgeworfen, er habe Scharfschützen engagiert, die Demonstranten vor einer Woche mit gezielten Kopfschüssen getötet hätten. Die Angehörigen des Politikers sind auf der Flucht.

Der gestürzte Präsident hatte erklärt, er habe den Truppen nicht befohlen, in die Menge zu schießen. Er hielt sich am Freitag in der kasachischen Steppenstadt Taras auf. Das autoritär regierte Kasachstan hat derzeit als erste Ex-Sowjetrepublik überhaupt den Vorsitz bei der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) inne. Berichten russischer Medien zufolge könnte Bakijew in die Türkei oder nach Lettland weiterreisen.

Russland und die USA haben dem völlig verarmten Kirgisien Finanzhilfen in Millionenhöhe in Aussicht gestellt. Für beide Länder hat das zentralasiatische Land eine wichtige strategische Funktion, da sie dort Militärstützpunkte haben. Die Übergangsregierung verlängerte unterdessen den Vertrag für die US-Luftwaffenbasis in Manas nahe der Hauptstadt Bischkek um ein Jahr. Von dort aus versorgen die USA ihre Anti-Terror-Truppe in Afghanistan.

mmq/dpa/Reuters

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