Trump-Wahlkampf 2016 Barr wirft dem FBI Spionage vor

Was geschah wirklich im US-Wahlkampf 2016? Justizminister William Barr hat angekündigt, den Mueller-Bericht in der kommenden Woche zu veröffentlichen. Gleichzeitig attackiert er das FBI. Zur Freude von Donald Trump.

US-Justizminister William Barr wird von einem Senatsausschuss befragt
PETE MAROVICH/EPA-EFE/REX

US-Justizminister William Barr wird von einem Senatsausschuss befragt


Das Team von Donald Trump soll im Präsidentschaftswahlkampf 2016 ausspioniert worden sein. Das hat US-Justizminister William Barr bei einer Befragung vor einem Senatsausschuss behauptet. "Ich denke, dass Spionage stattgefunden hat", sagte Barr.

Auf Nachfragen machte er keine konkreteren Angaben, sagte aber, dass er die Rolle des FBI in Zusammenhang mit den Russland-Ermittlungen gegen Trumps Wahlkampflager genauer untersuchen wolle. Dies sei aber nicht gleichbedeutend mit Ermittlungen gegen das FBI, stellte Barr klar.

Trotzdem wird der Justizminister aus dem Lager der Demokraten scharf dafür kritisiert, dass er die Deutung Trumps übernimmt. Der US-Präsident wird nicht müde zu betonen, dass die FBI-Untersuchungen gegen ihn "illegal" gewesen seien. Am Mittwoch bezeichnete Trump die Ermittlungen als "versuchten Coup", um ihn aus dem Amt zu drängen.

Das FBI war im Sommer 2016 wegen der Nähe von Trumps Team zu Russland aktiv geworden und hatte unter anderem eine Überwachung gegen den Trump-Berater Carter Page erwirkt. Page soll gezielt von der russischen Regierung angeworben sein. Später übernahm Sonderermittler Robert Mueller die Untersuchungen.

Im März legte Mueller seinen Abschlussbericht vor. Barr schrieb in einem vierseitigen Fazit, dass Mueller keine Beweise für eine Verschwörung des Trump-Teams mit Russland gefunden habe. Inzwischen haben sich Mitarbeiter Muellers zu Wort gemeldet, die behaupten, der Bericht sei schädlicher für Trump, als von Barr behauptet. In der kommenden Woche will Barr den in Teilen geschwärzten Mueller-Bericht vorlegen.

mmm/dpa/rtr



insgesamt 50 Beiträge
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daishi666 10.04.2019
1. Genau weil sich Trump mit solchen Knallköpfen umgibt
Ich glaube keine Sekunde, dass der Müller Report Trump völlig entlastet hat. Interessant ist aber wie viele Republikaner bereit sind für Trump vor den Zug zu springen.
marcus.w 10.04.2019
2. Der Bericht kommt auf jeden Fall ungeschwärzt...
... nicht von Barr selbst - aber von irgendeinem der zahlreichen Mitarbeiter der Justizbehörden und der Untersuchung selbst, die noch nicht ihre Integrität gegen Loyalität zu einem orangenen Haufen Menschenmülls eingetauscht haben. Barr bekommt jetzt seine Chance. Und wen wundert es: Selbst wenn der Bericht unredigiert erscheint, steht abseits der eigentlichen Aufklärung über die Rolle Russlands nichts Menschenweltbewegendes drinnen. Wieso? Weil sonst selbst Donald Trump inzwischen mit Handschellen angeketten herumsitzen würde, anstatt hier den Zampano zu mimen. Wäre etwas handfestes und bombensicheres zu greifen, wäre Pence der erste, der zum Königsmörder würde. Aber nachdem es sich hier um Teflon-Donny handelt muss der Schlag sitzen. Und das, was in dem Bericht steht, reicht schlicht nicht aus. Es würde aber vieleicht ausreichen, um Impeachment-Proceedings anzustoßen, die dann vor dem Senat scheitern. Damit würden sich aber beide Parteien gleichermaßen schaden - in etwas mehr als einem Jahr ist die ganze Legislatur im Stillstand und es ist Präsidentschaftwahlkampf.
kajoter 10.04.2019
3.
Wenn ein amerikanischer Präsidentschaftskandidat Russland dazu auffordert, die Emails seiner Konkurrentin zu finden, d.h. sich in ihr Postfach zu hacken, dann muss selbst bei den phlegmatischsten FBI-Agenten ein Warnsignal aufleuchten. Und wenn dieses flankiert wird durch intensive Geschäftsbeziehungen mit russischen Kreditgebern, was eine mögliche finanzielle Abhängigkeit bedeutet, dann muss das FBI untersuchen.
dunnhaupt 10.04.2019
4. Noch manche Unklarheiten
Noch immer steht z.B. nicht fest, weshalb Trump sowohl sein Wahlteam als auch sein späteres Kabinett mit so vielen Russlandexperten besetzte, die Putin z.T. sogar persönlich kannten. Jeden Einzelnen hatte Trump persönlich ausgesucht und in seinem abgelegenen Golfhotel in New Jersey privat interviewt. Kein Wunder also, dass das FBI schon VOR der Wahl Verdacht schöpfte.
mima84_84 10.04.2019
5.
Und eine weitere demokratische Institution wird von Trump hingerichtet auf dem Weg zur Diktatur. Unfassbar. Wenn die USA nicht dieses unfassbare militärische Potential hätte, könnte man fast lachen - dann wäre das einfach ein kleiner Erdogan. Aber ein Mann wie Trump mit dem Finger am Knopf ist eine Gefahr für die ganze Welt.
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