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Ermittlungen gegen IWF-Chef Strauss-Kahn DNA-Test soll Kampfspuren nachweisen

Was geschah in Suite 2806? Hat IWF-Boss Strauss-Kahn tatsächlich versucht, ein Zimmermädchen zu vergewaltigen? Noch stehen die US-Ermittler am Anfang. Nun soll ein DNA-Test Klarheit bringen. Das mutmaßliche Opfer hat den Top-Banker identifiziert - und aus Frankreich werden neue Vorwürfe laut.

Eigentlich sollte Dominique Strauss-Kahn am Montagnachmittag am Verhandlungstisch sitzen und in Brüssel die Gespräche der Euro-Finanzminister zum Rettungspaket für Portugal leiten. Daraus wird nichts. Stattdessen hat der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) um 10.30 Uhr (Ortszeit) in New York einen Termin mit dem Haftrichter.

Dieser kann entscheiden, ob Strauss-Kahn gegen eine Kaution freigelassen wird - oder ob der Top-Banker wegen des Vorwurfs der versuchten Vergewaltigung in Haft bleiben muss. Der IWF-Boss wird beschuldigt, ein Zimmermädchen in New York sexuell angegriffen zu haben. Strauss-Kahn will seinem Anwalt William Taylor zufolge auf "nicht schuldig" plädieren.

Der bisherige Stand der Ermittlungen spricht jedoch gegen den Franzosen. Die 32-jährige Frau habe ihn bei einer Gegenüberstellung auf einer Wache in Manhattan klar erkannt, berichtete die Zeitung "New York Daily News" am Sonntag. Zu den Vorwürfen gegen Strauss-Kahn zählt nach Medienberichten neben versuchter Vergewaltigung auch Freiheitsberaubung. Die "New York Times" schätzt die Höhe einer möglichen Kaution auf mehrere Millionen Dollar. Strauss-Kahns zweiter Verteidiger, Staranwalt Benjamin Brafman, kündigte an, sein Mandant werde sich "mit aller Macht gegen die Vorwürfe wehren".

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IWF-Chef Strauss-Kahn: Festnahme auf dem Flughafen

Foto: Julio Cortez/ AP

Am späten Sonntagabend hatte Strauss-Kahn eine Polizeistation in Harlem verlassen, die Hände mit Handschellen auf dem Rücken gefesselt. Zwei Beamte der US-Behörden hatten ihn rechts und links unter den Armen gepackt. Der 62-Jährige wirkte erschöpft und ignorierte die Fragen der zahlreichen Journalisten. Nach Medienberichten wurde er anschließend zu weiteren Untersuchungen in ein Krankenhaus gebracht.

Aufklärung in dem spektakulären Fall versprechen sich die Ermittler vor allem von einer DNA-Analyse. "Er hat weiteren gerichtsmedizinischen Untersuchungen auf Bitten der Behörden freiwillig zugestimmt", sagte Anwalt Taylor laut der französischen Internetseite figaro.fr. Mit diesem Test soll unter anderem geklärt werden, ob Strauss-Kahn Kratzer oder DNA-Spuren des mutmaßlichen Opfers an sich trage, etwa unter den Fingernägeln. Mit Hilfe solcher Spuren ließe sich ein möglicher Kampf zwischen Täter und Opfer rekonstruieren.

"Sie ist aufgewühlt, aber soweit in Ordnung"

Was genau wird Strauss-Kahn vorgeworfen? Die Polizei schilderte den Fall nach Angaben des US-Senders CNN so: Das Zimmermädchen habe am Samstag die für 3000 Dollar pro Nacht vermietete Luxussuite Nummer 2806 im 28. Stock des Sofitel am New Yorker Times Square betreten - ohne zu wissen, dass sich dort jemand aufhielt. In diesem Moment sei Strauss-Kahn nackt aus dem Badezimmer gekommen, auf sie zugerannt und habe sie ins Schlafzimmer gezerrt. Dort habe er begonnen, sie zu attackieren.

Es sei ihr jedoch zunächst gelungen, ihn abzuwehren und wegzulaufen, sagte die Frau laut CNN der Polizei. Doch im Badezimmer habe Strauss-Kahn die Frau wieder erwischt und versucht, ihr die Unterwäsche herunterzureißen. "Ich habe gehört, sie ist aufgewühlt, aber soweit in Ordnung", sagte ein Kollege des Zimmermädchens der "New York Daily News".

Kurz nach dem Vorfall habe Strauss-Kahn das Hotel verlassen. Der Banker hatte den Angaben zufolge eine feste Vereinbarung mit der Fluggesellschaft Air France, wonach er jederzeit kurzfristig einen Sitzplatz in der First Class bekommen kann. Die Polizei habe herausgefunden, dass er auf den nächsten Air-France-Flug 23 gebucht war, der am Samstag um 16.40 Uhr vom Kennedy-Flughafen aus nach Paris gehen sollte.

Knapp vier Stunden nach der mutmaßlichen versuchten Vergewaltigung, holten Beamte der New Yorker Flughafenpolizei PAPD Strauss-Kahn - der keine diplomatische Immunität genießt - nur Minuten vor dem Start aus der Boeing 777 und führten ihn ab.

Neue Anschuldigungen aus Frankreich

Noch bevor Strauss-Kahn überhaupt dem Haftrichter vorgeführt werden konnte, werden neue Vorwürfe aus seiner Heimat laut. Dort erwägt eine Journalistin, gegen den 62-Jährigen zu klagen. "Wir planen eine Klage. Ich arbeite mit ihr daran", sagte der Anwalt von Tristane Banon, die nach eigener Darstellung 2002 von Strauss-Kahn sexuell belästigt wurde.

Die 31-Jährige hatte schon 2007 in einer Fernsehsendung von dem Vorfall berichtet. Damals war der Name von DSK, wie der frühere sozialistische Hoffnungsträger in Frankreich genannt wird, durch einen Piepton unkenntlich gemacht worden.

Laut ihrem Anwalt David Koubbi brachte Banons Mutter, die sozialistische Lokalpolitikerin Anne Mansouret, ihre Tochter damals davon ab, gegen den IWF-Chef zu klagen.

jok/dpa/AFP/Reuters