Ermittlungen Hatte das FBI zwei der Terroristen im Visier?

Seit 21. August stand der Name von einem der mutmaßlichen Attentäter auf einer Fahndungsliste. Doch die Ermittler kamen Chalid al-Midhar nicht rechtzeitig auf die Spur.


Verhaftung: Am Donnerstag führte die New Yorker Polizei am JFK Airport einen Mann in Handschellen ab
REUTERS

Verhaftung: Am Donnerstag führte die New Yorker Polizei am JFK Airport einen Mann in Handschellen ab

Washington - Die amerikanische Polizei war zwei der Flugzeugentführer, die an den verheerenden Selbstmordanschlägen in den USA beteiligt waren, bereits vor der Katastrophe auf der Spur. Das berichtete das Nachrichtenmagazin "Newsweek" in seiner Online-Ausgabe. Der Geheimdienst CIA habe die Grenzpolizei am 21. August angewiesen Almihdhar auf eine Verdächtigenliste zu setzen. Der Mann wurde verdächtigt, im Oktober vergangenen Jahres am Anschlag auf das amerikanische Kriegsschiff "USS Cole" im Hafen von Aden in Jemen beteiligt gewesen zu sein.

Die Grenzwächter stellten fest, dass der Mann zusammen mit Salem al-Hasmi bereits mit einem Visum für Geschäftsleute eingereist war. Weil die beiden als Adresse in den USA eine Hotelkette in New York angegeben hatten, suchte das FBI in den Gästelisten - vergeblich. Das FBI sei noch am Dienstag, dem Tag der verheerenden Anschläge auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington, aktiv auf der Suche nach den beiden gewesen, berichtete "Newsweek".

Zu wenig Zeit

"Wir hatten nur zwei Wochen und eine winzige Information darüber, wo sie sich aufhalten könnten, die sich als falsch herausstellte», sagte ein Ermittler dem Nachrichtenmagazin. Beide Männer saßen in der Maschine der American Airlines, die auf dem Weg von Washington nach Los Angeles gekapert und in das Pentagon gelenkt wurde.

Zweiter Haftbefehl für Zeugen

Unterdessen haben die US-Justizbehörden in New York haben einen zweiten Haftbefehl ausgestellt. Die noch auf freiem Fuß befindliche Person sei ein "wichtiger Zeuge" und verfüge über "besonders wichtige Informationen" im Zusammenhang mit den Terroranschlägen erklärte das Justizministerium in Washington. Mit der Ausstellung weiterer Haftbefehle sei in Kürze zu rechnen, hieß es.

Ein erster Haftbefehl war am Freitagabend ausgestellt worden. Dabei soll es sich um einen Mann handeln, der am Donnerstag auf einem New Yorker Flughafen festgenommen worden war. Eine heiße Spur verfolgten die Behörden auch nach der Festnahme zweier Inder in Fort Worth in Texas. Die beiden sollen "intime Kenntnisse" des Terrornetzwerks haben, dass die verheerenden Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon in Washington planten und und am Dienstag ausführten.

Der Verdacht, dass der mutmaßliche saudische Terroristenführer Osama bin Laden den Befehl zu den Attacken gab, verdichtete sich unterdessen immer mehr. Alle 19 identifizierten Entführer der vier Linienmaschinen sollen direkte oder indirekte Verbindungen zu bin Laden gehabt haben, berichteten US-Medien unter Berufung auf Ermittlerkreise.

Insgesamt geht die Bundespolizei FBI mehr als 36.000. Im Visier der FBI-Fahnder sind mehr als 100 Personen. Justizminister John Ashcroft äußerte sich zufrieden über den Verlauf der Ermittlungen. "Wir fangen an zu verstehen, wie dieses schreckliche Verbrechen begangen wurde", sagte er in Camp David.



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