Ermittlungen in Schweden Assange-Anwalt klagt über Verfahrensfehler

Der Verteidiger von WikiLeaks-Gründer Julian Assange zweifelt an der Objektivität des Verfahrens in Schweden. Die Zeitung "Expressen" hatte berichtet, eine Ermittlerin sei mit einem der mutmaßlichen Opfer persönlich bekannt. Die Polizei wies die Vorwürfe zurück.


Stockholm - Eine schwedische Polizeiermittlerin im Fall des WikiLeaks-Gründers Julian Assange war angeblich eine Bekannte eines der mutmaßlichen Opfer. Die Zeitung "Expressen" berichtete, die Polizisten, die im vergangenen August die beiden Frauen vernahm, die Assange anschließend sexuelle Belästigung und Vergewaltigung vorwarfen, sei mit einer der Frauen zuvor in Kontakt gewesen.

Demnach standen die Beamtin und das mutmaßliche Opfer mehr als ein Jahr vor den Ermittlungen im Internet in Kontakt. Zudem seien sie beide Mitglied der schwedischen Sozialdemokraten, berichtete die Zeitung. Nach Ansicht von "Expressen" müsste die Polizistin ihre Bekannte beim Betreten der Polizeiwache erkannt haben. Doch anstatt den Fall wegen Befangenheit abzugeben, habe sie die beiden Frauen befragt.

Die schwedische Polizei erklärte dazu, die betreffende Ermittlerin habe nicht die Aussage ihrer Freundin, sondern der anderen Frau aufgenommen und sei auch danach nicht mehr in die Ermittlungen eingebunden gewesen.

Früheren Berichten zufolge wollten die beiden Opfer eigentlich keine Anzeige gegen Assange einreichen, sondern sich auf der Wache nur informieren, ob sie ihn zu einem HIV-Test zwingen könnten, nachdem er angeblich gegen ihren ausdrücklichen Willen ungeschützten Sex mit ihnen hatte. Demnach war es einer der an der Befragung beteiligten Beamten, der bei der Staatsanwaltschaft Anzeige wegen sexueller Belästigung und Vergewaltigung einreichte.

Der Anwalt der mutmaßlichen Opfer, Claes Borgström, sagte, es seien "zahlreiche fehlerhafte Fakten" in dem Bericht von "Expressen". Assanges schwedischer Verteidiger, Björn Hurtig, hingegen befand, sollte sich bewahrheiten, dass die "erste Befragung nicht objektiv" war, hätte es von Anbeginn keinen Grund für die Ermittlungen gegeben. Womöglich müsse der gesamte Fall neu aufgerollt werden.

Assange, gegen den offiziell wegen des Verdachts auf Vergewaltigung in einem minder schweren Fall sowie auf sexuelle Belästigung und Nötigung ermittelt wird, steht derzeit in Großbritannien unter Hausarrest. Die schwedische Justiz hat seine Auslieferung beantragt und in erster Instanz Recht bekommen. Assanges Anwälte legten dagegen Beschwerde ein. Der Internetaktivist hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen und sieht diese als Teil eines Komplotts. Er befürchtet, dass Schweden ihn letztlich an die USA ausliefern könnte. Die US-Justiz prüft derzeit rechtliche Schritte gegen Assange wegen der Veröffentlichung geheimer Regierungsdokumente über WikiLeaks.

ffr/AFP/dapd



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