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31. Oktober 2011, 17:48 Uhr

Ermittlungen in Tunesien

Internationaler Haftbefehl gegen Arafat-Witwe

Sie soll Steuergelder veruntreut haben: Die Justiz in Tunesien sucht die Witwe des früheren Palästinenser-Anführers Jassir Arafat mit internationalem Haftbefehl. Suha Arafat hat sich offenbar gemeinsam mit der Frau von Ex-Machthaber Ben Ali strafbar gemacht.  

Tunis - Die Witwe des langjährigen Palästinenserführers Jassir Arafat steht im Visier der tunesischen Justiz. Gegen Suha Arafat sei ein internationaler Haftbefehl ausgestellt worden, bestätigte das Justizministerium in Tunis am Montag.

Der Haftbefehl sei Teil der Untersuchungen gegen die Familie des früheren Präsidenten Zine el-Abidine Ben Ali, sagte ein Sprecher des Justizministeriums.

Suha Arafat, die mittlerweile in Malta leben soll, wird nach tunesischen Medienberichten verdächtigt, zusammen mit der Ehefrau Ben Alis bei der Gründung einer Privatschule Steuergelder veruntreut zu haben.

Die Beziehungen zur Familie Ben Alis stammen aus der Zeit in den achtziger und frühen neunziger Jahren, als Tunis der Sitz der Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO war. Der langjährige PLO-Chef Arafat hatte in Tunesien viele Jahre im Exil gelebt und dort auch im Alter von 62 Jahren überraschend der 34 Jahre jüngeren blondierten Sekretärin Suha Tawil das Jawort gegeben. Zuvor hatte er immer betont, er sei "allein mit Palästina verheiratet".

Bei den Palästinensern war sie unbeliebt

Suha Arafat, die in den Palästinensergebieten immer sehr unbeliebt war, geriet später auch wegen ihres verschwenderischen Lebensstils und der angeblichen Unterschlagung von EU-Hilfsgeldern ins Kreuzfeuer der Kritik.

Nach dem Tod Jassir Arafats im Jahr 2004 erhielt Suha einen tunesischen Pass und wurde häufig in Begleitung von Leila Trabelsi, der Frau Ben Alis, gesehen. Trabelsi wird vorgeworfen, das gesamte Wirtschaftsleben in Tunesien kontrolliert zu haben und sich dabei bereichert zu haben. Nach einem Streit mit Trabelsi wurde Suha Arafat die tunesische Staatsbürgerschaft entzogen, seitdem soll sie in Malta leben.

Seit der Revolution in Tunesien ermittelt die Justiz gegen das frühere Regime. Ben Ali und seine Frau wurden bereits wegen Diebstahls, Korruption sowie Waffen- und Drogenbesitzes in Abwesenheit zu jeweils 35 Jahren Haft verurteilt. Ben Alis Anwalt weist die Vorwürfe zurück.

fab/dpa/Reuters

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