Ernährungskonferenz Empörung über Mugabes Gastspiel beim Hungergipfel

Die Briten nennen es obszön, die deutsche Ministerin Wieczorek-Zeul spricht von Zynismus: Die Anwesenheit von Simbabwes Diktator Robert Mugabe beim Ernährungsgipfel in Rom erbost die Teilnehmer der Konferenz gegen den weltweiten Hunger.


Rom/London - Die britische "Times" brachte es auf den Punkt: "Der Präsident Simbabwes zieht die Uno und ihren Welternährungsgipfel ins Lächerliche." Denn die Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) habe Robert Mugabe für seine Teilnahme nicht verurteilt. Es sei absurd, dass der Diktator auf der Konferenz über die Welternährungskrise das Wort ergreife, während die Bevölkerung in seinem Land verhungert.

Mugabe (bei der Ankunft in Rom): Einreise nicht verhindert
REUTERS

Mugabe (bei der Ankunft in Rom): Einreise nicht verhindert

Mugabe war am Sonntag überraschend in Rom aufgetaucht, wo sich rund 40 Staats- und Regierungschefs sowie zahlreiche andere Vertreter aus den 191 Mitgliedsstaaten der FAO mit den weltweit steigenden Lebensmittelpreisen und dem Hunger befassen.

Dort werden rund 40 Staats- und Regierungschefs sowie zahlreiche Vertreter aus den 191 Mitgliedsstaaten der FAO erwartet. Es ist die erste offizielle Auslandsreise Mugabes seit der umstrittenen Präsidentenwahl. Am 27. Juni muss er sich in einer Stichwahl seinem in der ersten Runde siegreichen Herausforderer Morgan Tsvangirai stellen.

Gegen Mugabe bestehen wegen seiner autoritären Herrschaft seit 2002 EU-Sanktionen, die ihm auch die Einreise verbieten. Die EU konnte ihn jedoch in diesem Fall nicht an der Einreise hindern, da es sich beim Gipfel um eine Uno-Konferenz handelt. Somit ist das FAO-Gastland Italien verpflichtet, alle Uno-Mitglieder einreisen zu lassen - genauso wie Fidel Castro mehrfach zu den Vereinten Nationen nach New York reiste.

Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) kritisierte, dass Mugabe am Welternährungsgipfel in Rom teilnimmt. "Ich finde das schon sehr zynisch, dass jemand, der in seinem Land die Menschen in den Hunger und das Land in den Ruin getrieben hat, es wagt, bei einer solchen Konferenz aufzutauchen", sagte die SPD-Politikerin im ZDF-"Morgenmagazin".

Großbritannien nannte die Teilnahme Mugabes obszön. Vier Millionen Menschen in Simbabwe seien als direkte Folge der Misswirtschaft Mugabes auf Lebensmittelhilfen angewiesen, sagte der britische Entwicklungshilfeminister Douglas Alexander der BBC. Er werde Mugabe weder treffen noch ihm die Hand reichen.

Angesichts der politischen Lage in Simbabwe prüft Großbritannien die 1994 an Präsident Robert Mugabe verliehene Ritterwürde. "Wir verstehen die Aufrufe derer, die sich eine Aberkennung der Ritterehren wünschen. Wir überprüfen die Ehrung derzeit", sagte ein Sprecher des Außenministeriums der Nachrichtenagentur AFP am Montag. Nähere Angaben machte er nicht. Zuvor hatte der Sender Channel 4 ohne Nennung von Quellen berichtet, dass erste Schritte zur Aberkennung bereits unternommen seien. Mugabe hatte die Auszeichnung vor 14 Jahre vom damaligen britischen Premierminister John Major erhalten.

Auch Ahmadinedschad in Rom

Auch der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad ist am Dienstag in Rom eingetroffen. Nach italienischen Medienberichten wollte er nur einen Tag in Rom bleiben und Gespräche mit Unternehmern führen. Ahmadinedschad wird weder mit Papst Benedikt XVI. noch mit dem italienischen Regierungschef Silvio Berlusconi zusammenkommen. In Rom waren mehrere Demonstrationen gegen ihn angekündigt worden. Am Montag hatte er Angriffe gegen Israel erneuert.

Wieczorek-Zeul kündigte derweil weitere deutsche Initiativen im Kampf gegen Armut und Hunger an: "Wir selbst werden unsere Entwicklungszusammenarbeit auch so umschichten, dass wir vor allen Dingen die landwirtschaftliche Entwicklung (...) stärken und natürlich auch unmittelbare Hilfe leisten." Immer noch litten 850 Millionen Menschen an Hunger, und durch steigende Lebensmittelpreise könnten es mehr werden, sagte die Ministerin. Jede Organisation und jedes Land müsse bei der Bewältigung der Situation Verantwortung übernehmen. "Wir haben es in der Hand dazu beizutragen, dass die Katastrophe verhindert wird."

als/AFP/dpa



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