Erste Online-Sprechstunde Obama kündigt Hilfe für US-Autobauer an

"Wir müssen die US-Autoindustrie erhalten": Präsident Barack Obama hat in einer Online-Bürgersprechstunde erstmals klargemacht, dass er Ford, Chrysler und der Opel-Mutter GM helfen und sie nicht pleite gehen lassen will. Dafür verlangt er aber einen drastischen Kurswechsel der Auto-Giganten.


Washington - Barack Obama in der Medienoffensive: Nachdem der US-Präsident in den vergangenen Wochen bereits im Jay Lenos Late Night Show besucht hatte und dem Fernsehsender CBS ein langes Interview gab, war jetzt das Internet an der Reihe. Obama hielt eine Online-Sprechstunde. Rund 93.000 US-Bürger reichten über seine Webseite etwa 100.000 Fragen ein. Obama wiederum wählte ein Thema aus, zu dem er in dieser neuen Art der Kommunikation mit den Bürgern Klartext sprechen wollte: die Zukunft der US-Autoindustrie.

Screenshot von Obamas Online-Pressekonferenz: Bekenntnis zur amerikanischen Autoindustrie
AFP

Screenshot von Obamas Online-Pressekonferenz: Bekenntnis zur amerikanischen Autoindustrie

In bemerkenswert deutlichem Ton sicherte Obama den schwer angeschlagenen Konzernen General Motors (GM), Chrysler und Ford seine Hilfe zu. "Wir müssen die US-Autoindustrie erhalten", sagte er - nicht nur aus symbolischen Gründen, sondern auch um der davon abhängigen Industriezweige wie der Zuliefererbranche willen.

Allerdings fordert der Präsident "drastische Änderungen" der Autobauer. Sie dürften sich künftig nicht mehr so stark auf den Bau von Pick-Ups und Geländewagen (SUV) konzentrieren. Das derzeitige Geschäftsmodell der "Big Three" habe keine Zukunft. Die Zahl der Neuwagenkäufe sei wegen der Finanzkrise von etwa 14 Millionen auf 9 Millionen eingebrochen. Einen konkreten Plan zur Rettung des Branche will Obama "in den nächsten Tagen" darlegen.

GM ist der Mutterkonzern von Opel. Er und Chrysler haben von der Regierung weitere Milliardenhilfen gefordert. Die Regierung hat von den Unternehmen ein Sanierungskonzept bis zum kommenden Dienstag verlangt.

Das "Wall Street Journal" verichtet, auch Insider der von Obama eingesetzten Auto-Kommission hätten klargemacht, dass GM und Chrysler mit weiterer staatlicher Unterstützung rechnen können. Zuletzt war immer auch ein geordnetes Insolvenzverfahren als Möglichkeit in Betracht gezogen worden.

Im Gegensatz zur Pressekonferenz am Dienstag zeigte sich Obama in der Online-Sprechstunde entspannt, locker und wiederholt zum Scherzen aufgelegt. Es sei ihm wichtig, von den Menschen außerhalb Washingtons zu hören, sagte der Präsident. Er beantwortete auch Fragen zur Arbeitslosigkeit, der geplanten Gesundheitsreform, der Bildung und dem Immobilienmarkt.

beb/dpa/AFP/AP

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