Erste Prozesse China verurteilt randalierende Tibeter zu lebenslanger Haft

Ein chinesisches Gericht hat die ersten Urteile nach den Unruhen in Tibet gefällt. Gegen die Angeklagten wurden Haftstrafen zwischen drei Jahren und Lebenslang verhängt.


Lhasa/Peking - Instgesamt 17 Angeklagte wurden vom Mittleren Volksgericht zu Strafen zwischen drei Jahren und lebenslanger Haft verurteilt, berichtete die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua. Die Urteile seien in öffentlicher Verhandlung verkündet worden.

Bei den schweren Unruhen am 14. März in Lhasa waren nach offiziellen Angaben 18 Zivilisten und ein Polizist ums Leben gekommen. 382 Bewohner und 241 Polizisten seien verletzt worden, als randalierende Tibeter bei den Unruhen gegen die chinesische Fremdherrschaft in Tibet Geschäfte von ethnischen Chinesen plünderten und in Brand steckten. China macht das geistliche Oberhaut der Tibeter, den Dalai Lama, und dessen Exilregierung, für die Ausschreitungen verantwortlich gemacht.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) rät China derweil zur Offenheit im Umgang mit politischen Konflikten wie dem Streit um Tibet oder den Sicherheitsvorkehrungen für die Olympischen Spiele. "Ich habe hier immer wieder versucht, für unser Verständnis zu werben, dass Offenheit der beste Weg ist, um Konflikte erst gar nicht eskalieren zu lassen", sagte Schäuble nach politischen Gesprächen in Peking.

Der CDU-Politiker begrüßte das chinesische Dialogangebot an das religiöse Oberhaupt der Tibeter. Der Dalai Lama trete aus deutscher Sicht für Mäßigung ein. Hinter dem Gesprächsangebot steckt nach seinem Eindruck auf chinesischer Seite auch die Einschätzung, "dass einiges nicht optimal gelaufen ist". Die Probleme seien aber nicht schnell zu lösen, warnte Schäuble vor überzogenen Erwartungen an die geplanten Gespräche.

als/dpa/Reuters



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