Erste Rede des MI 6-Chefs Britischer Geheimdienst kommt aus der Deckung

Es ist eine historische Rede: Erstmals hat der Chef des berühmten britischen Auslandsgeheimdienstes MI 6 öffentlich zu Sicherheitsfragen Stellung genommen. John Sawers warnte vor nuklearen Bedrohungen - und einer zu großen Offenheit der Agenten. 

MI 6-Chef Sawers: "Geheimhaltung ist kein schmutziger Begriff"
REUTERS

MI 6-Chef Sawers: "Geheimhaltung ist kein schmutziger Begriff"


London - Die oberste Regel für Geheimdienste ist Verschwiegenheit. Auch der britische Auslandsgeheimdienst MI 6 operiert in der Regel im Verborgenen. Umso aufsehenerregender ist die Rede von MI 6-Chef John Sawers. Denn noch nie zuvor hatte sich ein Spionage-Chef des Landes während seiner Amtszeit öffentlich und ausführlich zu wichtigen Sicherheitsfragen geäußert.

In seiner Rede vor Journalisten und Wissenschaftlern scheute Sawers an diesem Donnerstag auch heikle Themen wie Folter nicht. Das Thema schlägt derzeit im Königreich hohe Wellen, nachdem die Existenz von Folterhandbüchern in der britischen Armee ans Licht kam. Zudem dokumentieren die geheimen Irak-Protokolle, mit welchen haarsträubenden Methoden das mit Großbritannien verbündete US-Militär im Irak vorging.

Sawers bezeichnete Folter als abscheulich und erteilte brutalen Verhörmethoden eine Absage. Das britische und internationale Recht untersage solche Torturen, stellte der MI 6-Chef klar. Darum vermeide der Geheimdienst solche Methoden. "Auch wenn das terroristischen Aktivitäten den Lauf lässt."

Derzeit laufen auch Untersuchungen, ob britische Agenten in die Folter von Gefangenen anderer Geheimdienste verwickelt waren. Es gebe schwierige Situationen, meinte Sawers. Etwa wenn es um Informationen gehe, die Leben schützen könnten, aber die Informationen zugleich von einem Verdächtigen kommen, der "schlecht behandelt" werde.

Die Terrorgefahr für Großbritannien sei hoch, betonte Sawers. Zu den kräftezehrendsten Aufgaben seines Jobs gehöre es, täglich Berichte zu lesen, wie Terroristen Menschen in Großbritannien verstümmeln und umbringen wollten.

"Geheimdienste müssen im Geheimen operieren"

Al-Qaida wolle die westlichen Staaten schwächen und die Kontrolle über Ölreserven in der arabischen Welt erlangen, warnte Sawers. "Es ist unwahrscheinlich, dass sie diese Ziele erreichen. Aber sie werden es weiter versuchen, und sie sind bereit, brutale Gewalt anzuwenden."

Im Hinblick auf die Terrorabwehr verwies der Geheimdienstchef darauf, wie wichtig für Agenten der Schutz ihrer Undercover-Arbeit sei. "Geheimdienste müssen im Geheimen operieren, auch wenn wir gelegentlich öffentlich auftreten, so wie ich es heute tue", sagte Sawers.

Seine Rede gilt auch als Signal der Transparenz. Der MI 6 ist seit hundert Jahren im Einsatz - doch erst 1992 wurde seine Existenz offiziell bestätigt. Schon vorher war die Arbeit des Geheimdienstes öffentliches Thema. James-Bond-Filme prägten das Bild von den Agenten. Sawers Auftritt ist aber wohl auch eine Reaktion auf die Sparpläne der britischen Regierung, die den Geheimdienst hart treffen.

"Wenn unsere Operationen und Methoden bekannt werden, haben sie keinen Sinn mehr", sagte Sawers. Informanten würden nicht mehr mit den Diensten kooperieren, wenn sie sich nicht auf deren Verschwiegenheit verlassen könnten. "Unsere ausländischen Verbündeten brauchen die Sicherheit, dass alles, was sie uns erzählen, geheim bleibt. Und zwar nicht nur meistens, sondern immer."

"Geheimhaltung ist kein schmutziger Begriff. Geheimhaltung ist nicht nur zur Vertuschung da. Geheimhaltung spielt eine wichtige Rolle für die Sicherheit Großbritanniens", erklärte der MI 6-Chef.

Warnung vor Iran

Terrorismus sei für den Westen eine reale Gefahr, sagte Sawers. Doch eine noch viel größere Gefahr sei die nukleare Aufrüstung von Staaten. Ein Terrorangriff koste viele Menschenleben, aber er könne nicht das gesamte Gefüge eines Landes zerstören. Mit Blick auf Iran meinte Sawers, die nukleare Aufrüstung eines Landes könne aber das Machtgefüge einer ganzen Region verändern. Die Aussichten seien düster, wenn man dieses Problem nicht in den Griff bekomme.

Sawers ging auch auf die Geschehnisse im Zusammenhang mit dem Irak-Krieg ein. Der Blair-Regierung wurde vorgeworfen, sie habe damals über Saddam Husseins Massenvernichtungswaffen bewusst gelogen. Eine Kommission unter dem Vorsitz von Lord Butler hatte die Regierung im Wesentlichen entlastet. Doch der Fall lehre, dass Geheimdienstinformationen sorgfältig ausgewertet und von allen Seiten beleuchtet werden müssten, sagte Sawers.

Er plädierte dafür, islamische Länder bei ihrer Öffnung gegenüber dem Westen zu helfen. Zugleich warnte er davor, die westlichen Werte einfach eins zu eins übertragen zu wollen. Damit untergrabe man den bereits begonnenen Fortschritt und öffne Terroristen neue Möglichkeiten. "Was immer der Grund für den sogenannten islamischen Terrorismus ist, es gibt einen kleinen Lichtblick, dass er bald wieder verschwinden könnte", machte der Geheimdienstchef Hoffnung.

mmq/Reuters/AP



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Skysurfer42 28.10.2010
1. ...und täglich grüßt das Murmeltier
Ich habe kein Verständnis für Terrorismus - auf beiden Seiten - denn was Terrorismus ist bestimmte schon immer die eigene Perspektive. Diese Bestrebung ist völlig normal, da es sich um 2 Teufel auf jeweils einer Seite der Medaille handelt...sprich beide Seiten tun das...: "Al-Qaida wolle die westlichen Staaten schwächen und die Kontrolle über Ölreserven in der arabischen Welt erlangen" Lächerlich aber immer immer der plakative Kampfbegriff "Al-Quaida" (der meines Wissens nach nur eine Bezeichung für eine unzusammnenhängende Namensliste/Datenbank unterschiedlichster Leute ist, die nicht unterienander organisiert sind oder sich gar alle kennen) - als gäbe es tatsächlich so etwas wie ein durchorganisiertes weltweites Terrornetzwerk (ähnlich wie ein Unternehmen aufgebaut, usw.), das ist absurd und dient nur der Panikmache (und Arbeitsbeschaffung, außerdem kontrolliert Angst Leute am allerbestern, besonderns die vielen Simpel die rumlaufen) und um den "einen" Feind zu definieren - den es nicht gibt. Ist nur ein Ersatz für "die Russen" aka Sowjets - die gab es zumindest als Land...Al-Quaida gibt es so wie es verkauft wird, aus deren Sicht guten Gründen, aber nachteiligen für den Rest der Menschheit, defintiv nicht.
derknecht 28.10.2010
2. Schön gesprochen
Zitat: "Al-Qaida wolle die westlichen Staaten schwächen und die Kontrolle über Ölreserven in der arabischen Welt erlangen, warnte Sawers. "Es ist unwahrscheinlich, dass sie diese Ziele erreichen. Aber sie werden es weiter versuchen, und sie sind bereit, brutale Gewalt anzuwenden." Ist es aber nicht eher andersum. Die Kriege in der Region wurden doch nicht geführt um einen Mann wie Binladen zu fassen. Es geht doch nur um die Rohstoffsicherung. So schwächt man durch den Angriff das Land und kann somit länger bleiben um offiziel Aufbauarbeit zu leisten und hintenrum seine eigenen Leute an die Positionen zu setzen, welche dem Westen den Zugang zum Öl sichern. Und wer glaubt dass durch britische Geheimdienstler keine Folter angewendet wird, lebt auch in einer Traumwelt.
PeaceNow 28.10.2010
3. ...
Hat man denn ernsthaft etwas anderes als diese absurd lächerliche angstmacherrei Rede vom MI6 Chef denn erwartet? Das aber aller blödsinnigste an seiner Rede ist wieder das Gefasel vom angeblich so gefährlichen Iran, obwohl das Land seit 1000 JAhren keinen angegriffen hat, sowie dessen angeblicher atomarer Aufrüstung, obwohl es bis heute nicht den Hauch eines Beweises oder Indizien dafür gibt. Natürlich wird wie üblich verkannt (verschwiegen) das das Machtgefüge der Region nicht deshalb aus der Balance ist weil der Iran oder sonstwer angeblich nach Atomwaffen strebt, sondern alleinig darum weil in der Region gleich 3 Länder bereits hunderte Atomwaffen illegal besitzen (ISR/PAK/IND)
juergw. 28.10.2010
4. Bond-James Bond übernehmen Sie........
Zitat von PeaceNowHat man denn ernsthaft etwas anderes als diese absurd lächerliche angstmacherrei Rede vom MI6 Chef denn erwartet? Das aber aller blödsinnigste an seiner Rede ist wieder das Gefasel vom angeblich so gefährlichen Iran, obwohl das Land seit 1000 JAhren keinen angegriffen hat, sowie dessen angeblicher atomarer Aufrüstung, obwohl es bis heute nicht den Hauch eines Beweises oder Indizien dafür gibt. Natürlich wird wie üblich verkannt (verschwiegen) das das Machtgefüge der Region nicht deshalb aus der Balance ist weil der Iran oder sonstwer angeblich nach Atomwaffen strebt, sondern alleinig darum weil in der Region gleich 3 Länder bereits hunderte Atomwaffen illegal besitzen (ISR/PAK/IND)
den nächsten Auftrag im Iran !Tja, irgend einen Bösen braucht man ja als Daseinsberechtigung.Fehlt nur noch die Allianz der "williegen" Lemminge.
brot_ohne_spiele 28.10.2010
5. Oh,
die Parallelgesellschaft der Berufsparanoiker und -psychopathen kommt aus der Deckung :) und verkündet altbekannte Neuigkeiten, die einem mühsam zusammengehaltenen paranoiden Weltbild voller Paranoiker, Psychopathen und Terroristen entsprechen.Und wers nicht glauben will für den wird dann ein bedrohliches "Krachbumm" Bühnenbild hier und dort in Szene gesetzt. Na da bin ich aber beruhigt und fühle mich schon viel besser verstanden. Vielleicht spenden unsere Retalin-Kids mal ihre Tagesration damit das nervöse Fingerzucken am Abzug nicht noch zu Betriebsunfällen führt.
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