Erste Rede in Freiheit Suu Kyi meldet sich kämpferisch zurück

Der jahrelange Hausarrest hat ihren Willen noch gestärkt: Die burmesische Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi kündigte ihre Rückkehr in die Politik an. "Grundlage der demokratischen Freiheit ist die Meinungsfreiheit", rief sie Tausenden Anhängern zu.

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Rangun - Sieben Jahre hat Aung San Suu Kyi auf den Tag gewartet. Am Sonntag konnte sich die burmesische Oppositionsführerin erstmals wieder ihren Anhängern zeigen - und ihnen demonstrieren, wie stark ihr politischer Wille immer noch ist. "Ihr dürft nicht aufgeben", rief sie der riesigen Menge zu, die sich am Sitz ihrer Partei Nationale Liga für Demokratie (NLD) in Rangun versammelt hatte. Zugleich kündigte die Friedensnobelpreisträgerin ihre Rückkehr in die Politik an.

Sie werde mit "allen demokratischen Kräften" zusammenarbeiten, sagte Suu Kyi. "Ich möchte der Stimme des Volkes Gehör verschaffen, und dann entscheiden wir über das, was wir machen wollen." Ihr Ziel sei es, die Lebensbedingungen in Burma zu verbessern.

Als die 65-Jährige gegen Mittag (Ortszeit) im Auto vorgefahren wurde, kannte die Begeisterung keine Grenzen mehr. "Wir lieben Suu!" stand auf Dutzenden Plakaten, und "Lang lebe Suu Kyi!". Die rund 10.000 Versammelten drängten nach vorn, um möglichst nah an ihr Idol heranzukommen. Es gelang Suu Kyi kaum, die Autotür zu öffnen. Mehrere Bodyguards bahnten ihr mit Mühe einen Weg durch die Jubelnden. Sie traf zuerst mit einigen ausländischen Diplomaten zusammen, ehe sie sich an ihre Anhänger wandte. Unter den Anwesenden waren auch Agenten des burmesischen Regimes in Zivil, berichteten Augenzeugen.

"Sie ist eine Heldin für mich", sagt US-Präsident Obama

Suu Kyi hat 15 der vergangenen fast 21 Jahre in Isolation verbracht. Die Oppositionspolitikerin kämpft seit 1988 mit friedlichen Mitteln für Demokratie in ihrem Land. Die Militärjunta warf ihr Destabilisierung vor und hatte den Hausarrest in den vergangenen Jahren immer wieder unter fadenscheinigen Begründungen verlängert.

Suu Kyi machte deutlich, "keinen Groll" gegenüber der Militärjunta zu hegen, die sie eingesperrt hatte. "Ich glaube an die Menschenrechte und den Rechtsstaat", sagte Suu Kyi. Sie hob außerdem die Bedeutung der Meinungsfreiheit für die Demokratie hervor. "Grundlage der demokratischen Freiheit ist die Meinungsfreiheit."

Die Freilassung der populären Politikerin am Samstagabend war weltweit mit Erleichterung zur Kenntnis genommen worden. "Sie ist eine Heldin für mich und eine Quelle der Inspiration für alle, die sich für grundlegende Menschenrechte in Burma und überall auf der Welt einsetzen", ließ US-Präsident Barack Obama am Samstag in einer Mitteilung verbreiten.

Suu Kyi hatte 1990 die Wahlen gewonnen, doch erkannten die Generäle das Ergebnis nie an. Vergangenes Wochenende ließen sie erstmals wieder wählen. Sie verkünden seitdem jeden Tag neue Sitzgewinne für die eigene Partei USDP, die mehr als 80 Prozent gewonnen haben will. Der Wahlgang war international heftig umstritten.

yes/dpa

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Diomedes 14.11.2010
1. Gegen das Schwert ist das Wort machtlos
Be den heutigen Massenstaaten gilt eben was Edward Gibbon über das römische Militärkaisertum gesagt hat: "Der Nutzen des Militärs und seiner Disziplin können sich nicht auswirken, bevor nicht eine angemessene Anzahl Soldaten in einer Armee und unter einem Geist vereinigt sind. (…) der Tyrann einer Stadt oder eines kleineren Gebietes würde alsbald entdecken, dass eine Gefolgschaft von einhundert Bewaffneten gegen zehntausend Bauern oder Bürger vergleichsweise wehrlos ist. Aber einhunderttausend straff disziplinierte Söldner können ohne weiteres mit despotischem Nachdruck über zehn Millionen Untertanen gebieten; und ein Verband von zehn- oder fünfzehntausend Wachmannschaften kann Terror ausüben über die größte Masse, die jemals die Straßen einer Hauptstadt bevölkert hat." – und so werden auch die Herren Burmas fest auf ihren Thronen sitzen, solange ihnen das Kriegsvolk die Treue hält.
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