Steinmeier in Großbritannien "Dankbar für Versöhnung, hoffnungsvoll für eine Zukunft in Frieden und Freundschaft"

Auch Großbritannien erinnert an das Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren. Erstmals durfte ein ranghoher Vertreter der Bundesrepublik am Gedenken in London teilnehmen. Für Aufsehen sorgte aber ein Brite.

ANDY RAIN/ EPA-EFE/ REX

Zum ersten Mal hat mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ein deutsches Staatsoberhaupt bei den Gedenkfeiern zum Ende des Ersten Weltkriegs in London einen Kranz niedergelegt. Die Regierung in Großbritannien wertet dies hundert Jahre nach Kriegsende als "historischen Akt der Versöhnung".

Steinmeier nahm gemeinsam mit Prinz Charles an der Zeremonie teil. Der britische Thronfolger legte als Erster seinen Kranz im Namen von Königin Elizabeth II. am "Cenotaph" genannten Ehrenmal im Zentrum Londons nieder. Die 92-jährige Königin folgte dem Geschehen von einem nahen Balkon aus.

An den Kranz des Bundespräsidenten war ein kurzer handschriftlicher Text angehängt, in dem es auf Englisch hieß: "Geehrt, hier Seite an Seite zu gedenken, dankbar für Versöhnung, hoffnungsvoll für eine Zukunft in Frieden und Freundschaft. Frank-Walter Steinmeier." Am Revers trug er eine Klatschmohnblüte, mit der in Großbritannien am "Remembrance Sunday" an die getöteten und verwundeten Soldaten erinnert wird.

Nach Steinmeier legten auch die Prinzen William und Harry, Premierministerin Theresa May und Jeremy Corbyn, Chef der oppositionellen Labour Party, Kränze nieder. Konservative Politiker und Medien kritisierten Corbyn dafür, dass er bei der Zeremonie einen Regenmantel trug.

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Gedenken in Großbritannien: Mohnblüten am Revers, Spuren im Sand

Überall im Vereinigten Königreich fanden am Sonntag Gedenkveranstaltungen zum 100. Jahrestag des Kriegsendes statt. Landesweit verharrten viele Briten um 11.00 Uhr zwei Minuten lang schweigend. In London läuteten die Glocken von Big Ben.

Soldatenporträts am Strand

An zahlreichen Stränden - unter anderem in Blackpool, Cornwall auf den schottischen Shetland-Inseln - malten Künstler die Porträts und Silhouetten von Soldaten in den Sand, die im Ersten Weltkrieg gefallen waren. Der britische Regisseur Danny Boyle hatte die Aktion initiiert. Die Kunstwerke waren vergänglich: Mit der steigenden Flut wurden die Zeichnungen im Sand nach wenigen Stunden weggespült.

Während Steinmeier den hundertsten Jahrestag des Kriegsendes in London beging, reiste Bundeskanzlerin Angela Merkel nach Paris. Wie Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und knapp 70 Staatsgäste aus aller Welt das Jubiläum begingen, können Sie hier nachlesen.

syd/Reuters/dpa/AP

insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
rohanseat 11.11.2018
1. Ein dank an unseren präsidenten
Ganz gleich was in der vergangenheit war.Wir alle sind Europäer und ich glaube das hat unser präsident W. Steinmeier eindrucksvoll zum ausdruck gebracht.- für mich fehlt aber immer eines: Kaiser Wilhelm II, Zar Nikolai von rußland und king George von GB hatten familiere bande!! Das war aber kein grund für dieses personen ihre truppen bis zum tode aufeinder zu hetzen. Für mich bedeutet es nicht Viva la France sonder frieden für alle und keiner ist mehr wert als der andere mit einem anderen pass in der tasche.
ulrich.schlagwein 11.11.2018
2. Als
Zeichen der des Begreifens der Vergangenheit sollte ein einziger "Gedenktag" europaweit vereinbart werden, in dem die jeweiligen nationalen Gedenktage aufgehen. Vielleicht kann sich dann Europa ueber den Graebern der Geschichte die Haende reichen. Waere doch endlich ein positives Resultat des Treffens der Heads of State, die da zum Arc de Triomphe gepilgert sind. Weltweit waere sicher besser, aber irgendwo muss doch mal ein Anfang gemacht werden.
Klarstellung 11.11.2018
3.
Zitat von rohanseatGanz gleich was in der vergangenheit war.Wir alle sind Europäer und ich glaube das hat unser präsident W. Steinmeier eindrucksvoll zum ausdruck gebracht.- für mich fehlt aber immer eines: Kaiser Wilhelm II, Zar Nikolai von rußland und king George von GB hatten familiere bande!! Das war aber kein grund für dieses personen ihre truppen bis zum tode aufeinder zu hetzen. Für mich bedeutet es nicht Viva la France sonder frieden für alle und keiner ist mehr wert als der andere mit einem anderen pass in der tasche.
Dem kann ich mich nur vorbehaltlos anschließen und wie blöd es ist Kriege zu führen, dabei rücksichtslos Grenzen zu verschieben, Menschen zu vertreiben und umzubringen, haben gerade wir Deutschen zu oft praktiziert und erfahren. Nun ist deshalb ein Drittel des Landes futsch, Königsberg ist russisch und Breslau ist polnisch und das frühere polnische Lemberg ist nunmehr ukrainisch, das ist ziemlich bitter und vielleicht ist es sogar gerecht und es sollte uns und allen Europäern eine Lehre sein, gegen den neuen Nationalismus und gegen Faschismus hart zu kämpfen. Wir brauchen ein politisch geeintes, wirtschaftlich starkes Europa mit einer europäischen Armee.
Stjean 11.11.2018
4. Inne halten
Alle Europäer sollten diesen Tag dazu nutzen um inne zu halten, über den Wahnsinn vor 100 Jahren nachdenken und mit größtmöglicher Bereitschaft für den Brexit eine gute Lösung für beide Seiten zu finden. Die Briten sind unsere Freunde und Partner, nur weil sie einen anderen Weg gehen, sind sie keine Feinde. Wir, die Kontinentaleuropäer, haben den Weg der Briten zu respektieren und zu akzeptieren. Macht ihnen den Weg frei für eine gütliche Lösung.
gehmlich 11.11.2018
5. Auf BBC
Hat man Steinmeiers Gedenken als den herausragenden Akt dieser Zeremonie erlebt. Man hatte "Gaensehaut als er den Kranz niederlegte"
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