100-Jahre-Gedenken Serbien feiert sich zum Jahrestag des Ersten Weltkriegs

Es war der Beginn einer weltweiten Tragödie: Am 28. Juli 1914 erklärte Österreich-Ungarn Serbien den Krieg. 100 Jahre danach feiern sich viele Serben als "Helden Europas", Zeitungen veröffentlichen patriotische bis nationalistische Artikel.

Tragödie Erster Weltkrieg: Gefangene Serben laufen durch Belgrad
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Tragödie Erster Weltkrieg: Gefangene Serben laufen durch Belgrad


Belgrad - Mit emotionalen Kommentaren und Reden gedenkt die serbische Öffentlichkeit an diesem Montag des Kriegsausbruchs vor 100 Jahren. Medien und Politiker stellten den Kampf des Balkanlandes gegen die Monarchien Deutschlands und Österreich-Ungarns als beispielhaft heraus.

"Wir sind die Helden Europas gewesen", titelt die Zeitung "Nase Novine" in Belgrad. Die größte Zeitung "Blic" kommentiert: "Das Serbien aus der Zeit des Ersten Weltkriegs stellt eine ewige Quelle des Heldentums und Stolzes dar." Eigentlich "müssten die Präsidenten Russlands und Frankreichs und der Premier Großbritanniens nach Belgrad kommen, um den Nachkommen der Helden die Hände zu schütteln", schreibt das Blatt weiter. "Die Entschlossenheit Serbiens, sein Recht und die gerechte serbische Sache zu verteidigen, hat den Sieg gebracht", kommentiert die angesehene Zeitung "Politika". "Österreich hat das bekommen, was es verdiente."

Schon am Sonntag hatte die serbische Regierung des Kriegsbeginns gedacht. "Wenn die Großen und Mächtigen etwas von Serbien lernen können, dann, dass Serbien immer auf der Seite des Lichts und der Freiheit gewesen ist", sagte Arbeitsminister Aleksandar Vulin in seiner Gedenkrede. Die Regierung traf sich in der Stadt Nis zu einer Sondersitzung, weil zu Beginn des Krieges ihre Vorgängerin hierher geflüchtet war.

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Erster Weltkrieg: Kopfüber in die Katastrophe
Österreich-Ungarn hatte Serbien am 28. Juli 1914 den Krieg erklärt und damit die weltweite Kriegstragödie ausgelöst. Die Kriegserklärung traf dabei völlig undiplomatisch als Telegramm mit der ganz normalen Post ein, unterzeichnet von Kaiser Franz Joseph.

Serbien hatte gemessen an seiner Bevölkerung im Ersten Weltkrieg mehr Tote zu beklagen als jeder andere Staat: Knapp ein Viertel aller Serben wurde getötet - rund 1,1 Millionen Menschen bei einer Gesamtbevölkerung von damals 4,5 Millionen.

Hunderttausende starben durch Seuchen, Hunger und Kälte, 60.000 Zivilisten wurden hingerichtet - oft ohne jegliches Verfahren: Die österreichische Propaganda hatte den Kriegsausbruch mit der Losung "Serbien muss sterbien" gefeiert. Am Ende im Jahr 1918 war es genau umgekehrt. Trotz aller verlorenen Menschenleben wurde Serbien die dominierende Macht im großen Königreich Jugoslawien. Die Habsburger Monarchie jedoch war beendet. "Jeder Serbe sollte - ganz gleich wo auf dem Planeten - den Vorfahren Anerkennung zollen, die dieses Land vor der Zerstörung gerettet haben, damit wir heute leben können", verlangte die Zeitung "Blic".

phw/dpa



insgesamt 40 Beiträge
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Seite 1
Layer_8 28.07.2014
1. Und solange...
Zitat von sysopAPEs war der Beginn einer weltweiten Tragödie: Am 28. Juli 1914 erklärte Österreich-Ungarn Serbien den Krieg. 100 Jahre danach feiern sich viele Serben als "Helden Europas", Zeitungen veröffentlichen patriotische bis nationalistische Artikel. http://www.spiegel.de/politik/ausland/erster-weltkrieg-serbien-gedenkt-kriegserklaerung-oesterreich-ungarns-a-983229.html
...dieser Geist Serbien noch beherrscht hat dieses Land in der EU nichts verloren. Die können sich ja Russland anschließen, was dem Panslawismus dort bestimmt Freude bereiten wird. Vielleicht haben wir doch was von Serbien (und Russland) gelernt: Diese Länder dürfen nie wieder Ursache eines Massenschlachtens in Europa werden und müssen gegebenenfalls solange ausgegrenzt bleiben, bis dort vernünftige Regierungen auf Dauer bestehen können.
Kater Karlo 28.07.2014
2. Denkwürdige Feierlichkeiten
Mit diesen Feiern festigt das offizielle Serbien (unter geistlicher Assistenz der orthodoxen Popen) seinen Ruf als Paria Europas.
jungcarla 28.07.2014
3. Eu?
Damit sollten eigentlich alle Gedanken an eine EU-Mitgliedschaft Serbiens hinfällig sein. Die Serben waren, sind und bleiben zum großen Teil nationalistisch. Von denen haben wir beileibe bereits genug in der EU.
brainstorm 28.07.2014
4.
Zitat: ""Wenn die Großen und Mächtigen etwas von Serbien lernen können, dann, dass Serbien immer auf der Seite des Lichts und der Freiheit gewesen ist", sagte Arbeitsminister Aleksandar Vulin in seiner Gedenkrede." Hat Herr Vulin die letzten 25 Jahre verschlafen?
holik 28.07.2014
5. Lob an SPON,
ein ordentlicher Artikel. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen!
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