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04. Oktober 2000, 07:28 Uhr

Erstes TV-Duell

Gore verpasste deutlichen Sieg

Beim ersten Fernsehduell der beiden amerikanischen Präsidentschaftskandidaten stritten Al Gore und George Bush über Steuerreform und Gesundheitsvorsorge. Bush schlug sich dabei besser als erwartet.

Die Kandidaten: Al Gore und George W. Bush
AFP

Die Kandidaten: Al Gore und George W. Bush

Washington - Eine Blitzumfrage des Nachrichtensenders CNN und der Zeitung "USA Today" ergab nach dem Streitgespräch nur einen leichten Vorsprung für den als intellektueller geltenden Vizepräsidenten Gore. Viele Befragte gaben aber an, noch unentschlossen zu sein.

Das Live-Duell zwischen dem Demokraten Gore und dem Republikaner Bush verfolgten angeblich rund 75 Millionen Amerikaner vor den Fernsehgeräten. Beide Kandidaten waren gleich gekleidet: dunkler Anzug, weißes Hemd und rote Krawatte. Sie hatten sich seit Tagen auf das 90-minütige Streitgespräch vorbereitet. Fernsehduelle gelten in den USA als richtungweisend für die letzten Wochen des Wahlkampfs. Der Nachrichtensender CNN übertrug das Duell unter der Moderation von Jim Lehrer direkt aus dem Clark Athletic Center der University of Massachusetts in Boston.

Bush und Gore wiederholten im Wesentlichen ihre bereits bekannten Positionen zu den Themen Steuererleichterung, Gesundheitsfürsorge für die Älteren, Rentensicherung und Abtreibung. In der Frage der Steuern verteidigte sich Bush gegen den Vorwurf, vor allem Reiche entlasten zu wollen. Der texanische Gouverneur warb zugleich für eine Stärkung von Privatinitiativen und wandte sich gegen eine "Inflation" von Bundesprogrammen, wie sie es Gore vorschwebe. Außenpolitik spielte in der Debatte nur eine geringe Rolle. Beide Kandidaten traten für "Druck und Diplomatie" ein, um den jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic nach dessen Wahlniederlage zum Rücktritt zu bewegen. Einen militärischen Einsatz lehnten sie ab.

Gore versuchte erneut, sich gegenüber Präsident Bill Clinton abzugrenzen. Wie bereits auf dem demokratischen Wahlparteitag in Los Angeles im August betonte er, dass er für eine eigenständige Politik stehe und auf Grund dessen gewählt werden wolle. Bush ging auf Fragen des Moderators, des Fernsehjournalisten Jim Lehrer, nach der Moral im Weißen Haus nicht auf die Lewinsky-Affäre ein. Stattdessen attackierte er den derzeitigen Vizepräsidenten Gore wegen angeblich illegaler Praktiken beim Sammeln von Parteispenden. Damit habe sich Gore unglaubwürdig gemacht, sagte Bush.

Die beiden weiteren Debatten der Präsidentschaftsbewerber folgen jeweils in Abständen von einer Woche. Bereits am kommenden Donnerstagabend werden sich die Vize-Kandidaten Joseph Lieberman (Demokrat) und Richard Cheney (Republikaner) zu einem TV-Duell treffen.

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