Eskalation der Gewalt Syriens Opposition greift zu den Waffen 

Monatelang wurde friedlich protestiert, jetzt schießen die Aufständischen zurück. Die syrische Opposition nimmt sich die Rebellen in Libyen zum Vorbild - auch das Regime von Präsident Assad lässt die Gewalt weiter eskalieren.

Aufständische in der Provinz Idlib: mit Waffen gegen Assads Armee
REUTERS

Aufständische in der Provinz Idlib: mit Waffen gegen Assads Armee


Hamburg - Syrien schlittert in den Bürgerkrieg: Am Donnerstag flog die Luftwaffe Angriffe auf Zivilisten, Aufständische verteidigten mit Waffengewalt die Stadt Rastan gegen Sicherheitskräfte, und in Damaskus griffen Anhänger von Präsident Baschar al-Assad den US-Botschafter mit Tomaten und Steinen an.

Beide Seiten, das Regime und dessen Gegner, sind offensichtlich gewillt, die Situation eskalieren zu lassen. Was als friedlicher Protest gegen Assad und dessen brutaler Niederschlagung begann, entwickelt sich zu einem Bürgerkrieg.

Übergelaufene Soldaten lieferten sich am Donnerstag in der syrischen Provinz Idlib heftige Gefechte mit Einheiten der Armee, berichteten Aktivisten der Protestbewegung. Neue Hochburg der Auseinandersetzungen ist die Stadt Rastan, wenige Kilometer nördlich von Homs. Offenbar haben sich Deserteure hier zusammengezogen und sollen sogar Teile der Stadt kontrollieren.

Regierungstruppen und Milizionäre sollen dort allein am Donnerstag 41 Zivilisten und einen Deserteur getötet haben, berichteten Aktivisten der Protestbewegung. Sicherheitskräfte hätten mit Artillerie angegriffen, auch die Luftwaffe sei eingesetzt worden, doch die Deserteure hätten mit schweren Waffen zurückgeschlagen. Schon am Mittwoch hatte es in Rastan schwere Gefechte gegeben.

Übergelaufene Soldaten bekämpfen Armee

Die Aufständischen haben offenbar den bewaffneten Kampf gegen das Regime aufgenommen: Die "freie syrische Armee", die der ehemalige Armee-General Riad Asaad im Juli gründete und deren Rolle lange unklar blieb, kämpft nun gegen die Sicherheitskräfte des Regimes. Andere übergelaufene Soldaten kämpfen in Homs in der "Chalid Bin Walid"-Brigade gegen das Militär.

Noch ist nicht klar, wie stark die Gegen-Armee tatsächlich ist, wie viel Unterstützung sie unter den Demonstranten und in der Bevölkerung genießt. Manche ihrer Angaben, wonach sie über zehntausend Mann verfügen, klingen übertrieben. Doch klar ist: Die desertierten Soldaten und Offiziere haben begonnen, Assads Sicherheitskräfte und Milizen anzugreifen. Damit tritt der Widerstand gegen Assad in eine neue Phase.

Und auch das Regime scheint gewillt, die Situation eskalieren zu lassen. Am Donnerstag warf es den USA unverhüllt vor, Regierungsgegner zur Gewalt gegen Sicherheitskräfte anzustiften. "Jüngste Aussagen von US-Vertretern zeigen klar, dass die USA bewaffnete Gruppen zur Gewalt gegen die syrische Armee ermutigen", erklärte das Außenministerium in Damaskus. Man werde allen Versuchen entgegentreten, in die inneren Angelegenheiten des Landes einzugreifen, hieß es.

Assad-Anhänger greifen US-Botschafter an

Anhänger des Regimes bedrohten und beschimpften den US-Botschafter in Damaskus, Robert Ford. Mehr als hundert Menschen versammelten sich laut Augenzeugenberichten vor einem Gebäude im Stadtzentrum, in dem sich der US-Diplomat mit dem oppositionellen Anwalt Hassan Abdul Azim unterhielt.

Nach Azims Angaben trommelten die Assad-Anhänger gegen die Eingangstür des Gebäudes und verschmähten mit Sprechchören die USA. Der Botschafter konnte laut Augenzeugen in sein Auto steigen. Als er und seine Begleiterin losfuhren, wurde ihr Fahrzeug mit Steinen und Tomaten beworfen. Aus der Botschaft hieß es anschließend, Ford sei unverletzt in sein Büro zurückgekehrt.

Am vergangenen Samstag war bereits der französische Botschafter Eric Chevalier in Damaskus Opfer einer Eierwerfer-Attacke von Regimetreuen geworden. Chevalier und Ford hatten in den vergangenen Monaten mehrfach die Gewalt des Regimes gegen Demonstranten kritisiert.

Opposition nimmt sich libysche Rebellen als Vorbild

Der neue Kurs der Aufständischen orientiert sich ganz offensichtlich an der Strategie an den Rebellen in Libyen. Monatelang demonstrierten sie friedlich, in verschiedenen Ecken des Landes. Assads Kräfte konnten oft nur reagieren, Truppen wurden verschoben, immer dorthin, wo gerade Proteste aufflammten, in Städten wie Homs, Hama oder Deir al-Sor. Es schien anfangs, als ob das Regime den vielen kleinen Protesten hinterherhechelte.

Das Katz-und-Maus Spiel ging weiter, doch forderte zuletzt immer mehr Opfern in Reihen der Opposition. Jede Woche beklagten die Aktivisten Dutzende Todesopfer - aber erzielten keinerlei Fortschritte. Assad lenkte nicht ein, nun ist die Opposition umgeschwenkt: Vor knapp zwei Wochen gründeten Oppositionelle in Istanbul einen syrischen Nationalrat. Gut die Hälfte der 140 Mitglieder sind Exil-Syrer. Er vereint islamische und säkulare Gruppe und fordert eine Flugverbotszone über Syrien.

Das Vorbild ist klar: die Rebellen in Libyen, die einen Übergangsrat bildeten und dank dem von der Nato durchgesetzten Flugverbot Gaddafis Truppen zurückdrängen konnten. Auch die syrische Opposition hofft, mit Hilfe einer Flugverbotszone ein Gebiet unter Kontrolle zu bringen, auf das Assads Truppen keinen Zugriff haben - ähnlich wie es die Rebellen in Libyen mit Bengasi geschafft haben.

Die Regimegegner haben für Freitag zu einer Demonstration unter dem Motto "Erhebt Euch, Bürger von Syrien, Rastan wird abgeschlachtet" aufgerufen. Es könnte der blutigste Freitag in der Geschichte des Aufstands werden.

mit Material von dpa

insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
king_pakal 29.09.2011
1. -
Zitat von sysopMonatelang wurde friedlich protestiert, jetzt schießen die Aufständischen zurück.*Die syrische Opposition*nimmt sich die Rebellen in Libyen zum Vorbild - auch das Regime von Präsident Assad lässt die Gewalt weiter eskalieren. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,789160,00.html
Wird Al-Qaida nun auch in Syrien an die Macht gehieft und in Afghanistan und Pakistan weiterhin bekämpft? Was nicht passt, wird passend gemacht.
montarde 29.09.2011
2. ?
Zitat von king_pakalWird Al-Qaida nun auch in Syrien an die Macht gehieft und in Afghanistan und Pakistan weiterhin bekämpft? Was nicht passt, wird passend gemacht.
was wollen sie damit sagen? dass der aufstand in syrien von al quaida organisiert ist?
king_pakal 29.09.2011
3. ^^
Zitat von montardewas wollen sie damit sagen? dass der aufstand in syrien von al quaida organisiert ist?
Ich will gar nichts sagen. Ich habe lediglich Fragen. http://www.badische-zeitung.de/ausland-1/macht-sich-al-qaida-in-libyen-breit--48998443.html http://de.rian.ru/politics/20110826/260297832.html http://www.sueddeutsche.de/politik/krieg-in-libyen-al-qaida-ruft-zum-kampf-gegen-gaddafi-auf-1.1085569 http://www.faz.net/artikel/C32315/al-qaida-in-libyen-das-chaos-als-chance-30328686.html
newliferw 29.09.2011
4. Fragen?
Zitat von king_pakalIch will gar nichts sagen. Ich habe lediglich Fragen. http://www.badische-zeitung.de/ausland-1/macht-sich-al-qaida-in-libyen-breit--48998443.html http://de.rian.ru/politics/20110826/260297832.html http://www.sueddeutsche.de/politik/krieg-in-libyen-al-qaida-ruft-zum-kampf-gegen-gaddafi-auf-1.1085569 http://www.faz.net/artikel/C32315/al-qaida-in-libyen-das-chaos-als-chance-30328686.html
Sie stellen keine Fragen, Sie machen das was ich an der Börse mache, Sie spekulieren.
king_pakal 29.09.2011
5. --
Zitat von newliferwSie stellen keine Fragen, Sie machen das was ich an der Börse mache, Sie spekulieren.
Immerhin schadet "meine Spekulation" niemand. Was man von Ihrer Börsenspekulation nicht bahaupten kann.
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